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Kings of Europe

Endlich 'Krönung'! Endlich Henkelpott!

Sie streichelten ihn, sie umarmten ihn und immer, immer wieder küssten sie ihn, streckten ihn in die Höhe - als die Bayern ihren Henkelpott endlich in Händen hielten, ließen sie ihn gar nicht mehr los. Erst im Wembley-Stadion, dann auf dem Bankett, dann bei der internen Feier. „Wir haben so lange auf diesen Pokal gewartet. Jetzt sind wir glücklich. Diese Saison ist so geil!“, jubelte Franck Ribéry nach dem ersehnten und hart erkämpften Triumph in der Champions League. „Es ist einfach eine Riesenfreude, dass das Ding endlich bei uns ist“, sagte Thomas Müller.

Mit knapp 2.000 geladenen Gästen, darunter der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, Ministerpräsident a.D. Dr. Edmund Stoiber, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und FCB-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer, feierten die Bayern im Festsaal des Grosvenor House ausgelassen den herbeigesehnten Titelgewinn. „Trinkt viel! Weil heute machen wir die Nacht zum Tage und morgen fahren wir, ohne zu schlafen, nach Hause“, gab Karl-Heinz Rummenigge in seiner Bankettrede „die Kanonen frei“.

Die Spieler ließen den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Taten folgen. „Die Brasilianer wissen natürlich, wie man Party macht“, berichtete Arjen Robben. Nach dem Festessen - unter anderem englischer Spargel, Angus Filet und Schokoladen-Brownie - enterten die Spieler um 2 Uhr nachts (Ortszeit) die Tanzfläche. Robben und Bastian Schweinsteiger tanzten sogar auf ihren Stühlen. Gegen 3 Uhr machte sich die Mannschaft dann mit Henkelpott auf den Weg zur internen Party im Teamhotel.

„Jetzt ist Feiern angesagt! Heute können die Spieler die Sau rauslassen. Sie können loslassen und sollen feiern“, sagte Jupp Heynckes, der an der Seite von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge den Abend in aller Ruhe genoss. „Ich freue mich besonders für meine Spieler, dass wir heute die Krönung erreicht haben“, sagte der FCB-Chefcoach und schwärmte in höchsten Tönen von seiner Mannschaft: „Wir haben einen Teamgeist, den ich in dieser Form noch nie bei einer Fußballmannschaft erlebt habe.“ Das sei auch „das große Geheimnis unseres Fußballs“.

Die Spieler ließen ihren Trainer, der nach 1998 zum zweiten Mal den Königsklassen-Titel gewann, auf dem Spielfeld hochleben. Die Fans feierten den 68-Jährigen mit „Jupp! Jupp! Jupp!“-Sprechchören. „Super-Bayern! Super-Bayern! Hey! Hey!“ und „Oh, wie ist das schön!“ tönte es durch das ehrwürdige Wembley-Stadion, wo die Bayern ihre Rückkehr auf Europas Thron nach zwölf Jahren mit ihren Anhängern und dem Pott feierten.

„Dieser Weg da rauf, wenn man den Pokal von unten sieht, ist ein unglaublicher Moment. Den vergisst man nicht so schnell“, schilderte David Alaba den 107 Stufen langen Treppensteig in die königliche Loge, wo Kapitän Philipp Lahm um 21:54 Uhr als Erster den Henkelpott entgegennahm. Unter ihm prangte auf der Digitalbande: Kings of Europe 2013.

'Das Sport-Comeback des Jahres'

Für diesen Triumph musste die Münchner zuvor in 90 intensiven und hochspannenden Minuten gegen Borussia Dortmund Schwerstarbeit vollbringen. Mit dem Pressing des BVB kam die Heynckes-Elf zunächst nicht zurecht und Manuel Neuer rettete mehrfach das 0:0. Nach etwa 20, 25 Minuten bekam der FCB die Partie dann immer besser in den Griff. Mario Mandzukic (60.) erzielte das umjubelte 1:0, das Ilkay Gündogan (68.) per Foulelfmeter prompt wieder ausglich. In der 89. Minute ließ Man of the Match Arjen Robben die anrennenden Münchner schließlich jubeln.

„Es war ein wunderbares Finale, es war ein großartiger Gegner, aber - und das ist das Wichtigste - unsere Mannschaft hat verdient gewonnen“, sagte Rummenigge auf dem Bankett unter dem Applaus von Fans, Sponsoren und Ehrengästen. Der FCB-Vorstandschef erinnerte an das dramatische und tragische Finale dahoam vor einem Jahr. „Ich glaube, Viele haben erwartet, dass wir zusammenbrechen, dass wir in eine Schockstarre verfallen. Ich glaube, genau das wäre nicht Bayern-München-like gewesen. Was wir heute Abend erlebt haben, das war das Sport-Comeback des Jahres!“

'Unser Weg ist noch nicht zu Ende'

„Nach unserem verlorenen Champions-League-Finale haben wir nicht resigniert, sondern noch eine Schippe draufgelegt“, meinte auch Heynckes, der wie nach der gewonnenen Meisterschaft vor einigen Wochen die Feier-Handbremse noch nicht ganz löste. „Unser Weg ist noch nicht zu Ende“, erinnerte er an das DFB-Pokalfinale am kommenden Samstag in Berlin, wo der FC Bayern ein historisches Triple perfekt machen kann.

„Am Sonntag nach Berlin können die Spieler, der Klub alles machen. Dann können die Puppen auf dem Tisch tanzen“, meinte Heynckes. Seine Mannschaft will aber zumindest bis Dienstag, wenn die Vorbereitung auf das letzte Spiel der Saison beginnt, durchtanzen. „Wenn wir jetzt zwei, drei Tage feiern, glauben Sie, dann werden wir nicht gut sein im Pokalfinale? Ich glaube das nicht“, sagte ein glückseliger Robben. Rummenigge ist überzeugt: „Wir haben zwar in sechs Tagen wieder ein Finale, aber ich glaube, mit 1,8 Promille haben wir trotzdem noch eine Chance.“ Denn so ein Henkelpott verleiht nicht nur beim Feiern Flügel.

Für fcbayern.de in London: Nikolaus Heindl

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