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'Der Kreis schließt sich'

Heynckes erwartet emotionalen BL-Abschied

Man weiß ja gar nicht, wo man anfangen soll bei Jupp Heynckes. Am besten man überlässt es ihm selbst. Wie ist es also, Herr Heynckes: An welche besonderen Momente erinnern Sie sich in Ihrer langen Karriere als Spieler und Trainer?

Dem 68-Jährigen fallen auf Anhieb „viele Höhepunkte und emotionale Momente“ ein: Eine unglaubliche Woche zum Beispiel im Oktober 1971, als er mit Mönchengladbach erst Inter Mailand 7:1 und dann drei Tage später den FC Schalke mit 7:0 besiegte. Oder der Pfostenbruch auf dem Bökelberg im Spiel gegen Bremen vom April 1971. Oder der Tor-Fall von Madrid im Champions-League-Halbfinale gegen Dortmund vom April 1998 - gefolgt vom Champions-League-Sieg einen Monat später, der „Ritterschlag“ als Trainer, wie Heynckes meint. Oder an den UEFA-Cup-Triumph 1975 mit Gladbach. Oder an seine Deutsche Meisterschaften als Spieler mit der Borussia und als Trainer mit Bayern. Aber auch den herzlichen Empfang im Sommer 1992 bei Athletic Bilbao, wo er sich auch ohne Spanisch-Kenntnisse auf Anhieb wohl fühlte...

Über seine Erinnerungen könnte man „nicht nur ein Buch schreiben, sondern mehrere“, sagte der heutige FCB-Chefcoach vor nicht allzu langer Zeit und fügte hinzu: „Aber das werde ich nicht tun.“ Heynckes ist ein Ehrenmann und als solcher behält er für sich, was nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Gäbe es ein solches Buch, würde man ihm am Wochenende auf jeden Fall eines der letzten Kapitel hinzufügen: Denn nach 1.011 Spielen (369 als Spieler, 642 als Trainer) nimmt das Kind der Bundesliga Abschied vom deutschen Fußball-Oberhaus - und zwar dort, wo alles für ihn begann: in Gladbach.

„Ich würde leugnen, wenn ich sagen würde, das morgige Spiel wäre ein ganz normales Bundesligaspiel. Das ist es selbstverständlich nicht“, sagte der gebürtige Mönchengladbacher Heynckes am Freitag in München. Es sei „eine Konstellation wie in einem Drehbuch“. Mit Gladbach debütierte er 1965 als 19-Jähriger in der Bundesliga, auf dem Bökelberg startete er 1979 auch seine Trainerkarriere und dort geht nun am Samstag Heynckes' Bundesliga-Zeit zu Ende. „So schließt sich der Kreis.“

'Ein großer Spieler und ein großer Trainer'

„Es ist eine schöne Geschichte“, findet Matthias Sammer. Für den FCB-Sportvorstand hat der scheidende Trainer „etwas geschafft, was nicht vielen gelingt: Er war ein großer Spieler und auch ein großer Trainer.“ Champions League (1998), UEFA-Cup (1975), sieben Deutsche Meisterschaften (1971, 1975, 1976, 1977, 1989, 1990, 2013) und einmal den DFB-Pokal (1973) hat Heynckes mittlerweile gewonnen, mit der Nationalmannschaft war der einstmals gefürchtete Stürmer Welt- (1974) und Europameister (1972). Zweimal (1974, 1975) gewann er die Torjägerkanone, in der ewigen Bundesliga-Torschützenliste liegt er mit 220 Treffern (in 369 Spielen) auf Rang drei, mit 195 Toren ist er mit Abstand der beste Gladbacher Bundesliga-Torschütze aller Zeiten.

Die alten Zeiten hochleben lassen wird Heynckes noch am Freitag, wenige Stunden nachdem er mit dem FC Bayern Quartier im Rheinland bezogen hat. Denn am Abend ist er eingeladen zu einer kleinen Feier der Gladbacher Fohlen-Elf um Günter Netzer, die vor 40 Jahren, 1973, den DFB-Pokal gewann. Heynckes freut sich auf „zwei, drei angenehme Stunden“ mit den ehemaligen Weggefährten im Borussia-Park. „Da schwelgen wir in Erinnerungen.“

Riesige Fußstapfen

Am Samstagnachmittag dann wird er mit dem FC Bayern im Borussia-Park antreten zu seinem letzten Bundesligaspiel. „Es wird für mich sicher emotionaler werden als der Abschied hier in der Allianz Arena. Das wird nicht ganz so einfach“, glaubt Heynckes, der bei seinem letzten Pressetalk in München am Freitag Applaus von den Journalisten erhielt. Seine Zukunftspläne will er erst nach dem DFB-Pokalfinale bekannt geben.

In der Bundesliga hinterlässt Heynckes riesige Fußstapfen - als Spieler, als Trainer und als Mensch. „Er geht jeden Tag mit einem Esprit auf den Platz, der beeindruckend ist. Er arbeitet, als wäre er 40. Man merkt ihm sein Alter definitiv nicht an“, sagte FCB-Kapitän Philipp Lahm und hob Akribie und Menschenführung des 68-Jährigen hervor. Thomas Müller bewundert den Erfolgshunger seines Trainers: „Er ist extrem heiß und hat vom ersten Tag an sofort den Eindruck gemacht, dass er höher hinaus will als letztes Jahr.“ Dante meinte: „Jupp verdient einen schönen Abschied.“ Und der soll in den kommenden Wochen noch die Krönung erhalten.

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