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'Unglaublicher Job'

Heynckes setzt sich ein Denkmal

„Jupp, Jupp Jupp, Jupp!“ - Es war eine Szene mit Symbolcharakter: Beim Siegerbankett im Grosvenor House von London musste Bayern-Trainer Jupp Heynckes gleich viermal ansetzen, um ein paar Worte an die anwesenden Gäste zu richten. Immer wieder fiel ihm die Mannschaft mit Jubel und Sprechchören ins Wort. Es zeigt, wie stark Trainer und Mannschaft zusammengewachsen sind und wie groß die Dankbarkeit für die Arbeit des 68-Jährigen ist.

„Jupp Heynckes hat hier einen unglaublichen Job gemacht. Dafür möchte ich ihm sehr herzlich danken“, erklärte Präsident Uli Hoeneß, Thomas Müller freute sich für Heynckes „ganz besonders“ und selbst BVB-Trainer Jürgen Klopp verneigte sich vor seinem Trainer-Kollegen. „Ich gönne es Jupp wirklich vom Herzen. Er ist ein großartiger Kollege und ein großartiger Mensch.“

Mit dem Gewinn der Champions League hat sich Heynckes endgültig in die Fußball-Annalen eingetragen. Nach Ernst Happel (1970 mit Feyenoord Rotterdam, 1983 mit dem Hamburger SV), Ottmar Hitzfeld (1997 mit Borussia Dortmund und 2001 mit dem FCB) sowie José Mourinho (2004 mit dem FC Porto, 2010 mit Inter Mailand) ist der 68-Jährige erst der vierte Trainer, der mit zwei verschiedenen Vereinen die begehrteste Trophäe des Vereinsfußballs gewinnen konnte. „Das ist natürlich ein Höhepunkt in einer Trainerlaufbahn“, resümierte er stolz.

„Der Trainer hat den größten Anteil an dem Ganzen“, so Bastian Schweinsteiger und Bundestrainer Joachim Löw ergänzte: „Vor allem gratuliere ich auch Jupp Heynckes zu diesem Erfolg.“ Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach fand warme Worte. „Ich freue mich ganz besonders, dass mein alter Freund Jupp Heynckes seine einzigartige Trainer-Laufbahn mit diesem Triumph krönt.“

Eine großartige Titelsammlung

Beeindruckend, einzigartig, außergewöhnlich - so ließe sich die Karriere und vor allem die laufende Saison des Jupp Heynckes passend beschreiben. Als Spieler war er unter anderem Welt- und Europameister, UEFA-Pokal-Sieger und deutscher Meister. Als Trainer ließ er weitere Meisterschaften sowie nun zwei Champions League-Triumphe folgen.

Zwar haben neben Heynckes auch schon andere Trainer mehrfach das CL-Finale erreicht (Alex Ferguson, José Mourinho, Ottmar Hitzfeld, Carlo Ancelotti), dennoch liest sich die Bilanz des inzwischen 68-Jährigen ebenso außergewöhnlich wie einzigartig: Denn der einstige Weltklasse-Stürmer nimmt in der laufenden Saison erst zum dritten Mal überhaupt an der Champions League teil - und jedes Mal schaffte er es mit seinem Team ins Endspiel.

Noch nie dagewesen

„Normalerweise dürfte ich nicht sagen, dass es etwas Außergewöhnliches ist“, hatte Heynckes im Vorfeld der Partie gegen den BVB verkündet. „Aber ich würde leugnen, wenn es nicht etwas Besonderes wäre. Wir freuen uns alle riesig auf das Endspiel, auch ich persönlich“, so der Coach weiter.

Am Ende dürfte Freude und Genugtuung zum Ende der Saison das Trainer-Urgestein erfüllen. „Ich freue mich besonders für den Klub FC Bayern München, für meine Mannschaft, weil wir etwas geschaffen haben, was in dieser Form noch nie dagewesen ist. Wir haben vom Anfang der Saison an viele Dinge verbessert, modifiziert. Wir haben einen Teamgeist, ein Miteinander, das ich bei einer Mannschaft noch nie erlebt habe. Es sind 23 Topprofis, von denen jeder spielen kann und alle haben mitgezogen. Keiner ist ins Abseits geraten. Das ist Zeichen unseres Erfolgs, das Miteinander, das Kollektiv, dass sich die Spieler hervorragend verstehen.“

Ein Titel fehlt noch

Wie groß das Kollektiv ist, zeigte sich einmal beim Mitternachts-Bankett nach dem Finale. Co-Trainer Hermann Gerland ergriff zur später Stunde das Mikrofon, um ein paar warme Worte an seinen Vorgesetzten zu richten: „Ich habe nur einen Wunsch. Ich möchte, dass du etwas lockerer bist. Irgendwann holt uns der Sensenmann. Du kommst in den Himmel, ich komme in die Hölle. Heute müssen wir die Sau rauslassen.“

Doch noch ist es nicht vorbei, schließlich fehlt Heynckes noch ein Titel als Trainer: der DFB-Pokal. „Unser Weg ist noch nicht zu Ende. Wir haben immer gesagt, dass wir die beiden Finalspiele seriös angehen werden.“ Am kommenden Samstag in Berlin greift der FC Bayern gegen den VfB Stuttgart nicht nur nach dem ersten Triple einer deutschen Mannschaft, sondern auch nach dem ersten Pokalsieg für den Trainer Heynckes. Es wäre die absolute Krönung einer außergewöhnlichen Karriere…

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