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Erik ten Hag im Interview

'Bayern ist der faszinierendste Klub Europas'

Wenn er spricht, funkeln seine Augen. Begeisterung, Vorfreude, Motivation - all das ist spürbar, wenn man Erik ten Hag, dem neuen Cheftrainer des FC Bayern II, gegenübersitzt. Sein Deutsch: Nahezu perfekt. Seine Aussagen: Klar und deutlich. „Der FC Bayern ist der faszinierendste Klub Europas. Dass ich hier arbeiten kann, ist großartig“, erklärte der Niederländer in seinem allerersten Interview gegenüber fcbayern.de, „es ist eine riesige Herausforderung für mich.“

Auch wenn der Vertrag erst jetzt unterschrieben wurde - seine neue Mannschaft kennt ten Hag nun bereits seit einigen Wochen. Gespannt ist er auch auf die Zusammenarbeit mit Pep Guardiola, der am Donnerstag erstmals bei einem Training des FCB II vorbeischaute. „Dass er zum FC Bayern gekommen ist, ist sensationell. Auch das hat eine wichtige Rolle bei meiner Entscheidung gespielt“, so ten Hag.

Das Interview mit Erik ten Hag:

fcbayern.de: Herr ten Hag, Sie sind in ihrem ersten Jahr als Chefcoach mit ihrem Ex-Verein Go Ahead Eagles Deventer Ende Mai in die erste holländische Liga aufgestiegen. Wie schwer fiel Ihnen der Abschied?
Erik ten Hag: „Leicht war es natürlich nicht. Ich war dort Trainer und Sportdirektor und hatte daher viel Verantwortung. Eigentlich war der Plan, im ersten Jahr Strukturen aufzubauen und im zweiten dann sportlichen Erfolg zu haben. Der Prozess verlief aber unerwartet schneller. Dann kam das Angebot vom FC Bayern, diese Chance musste ich einfach wahrnehmen.“

fcbayern.de: Was macht den Reiz Ihres neuen Jobs als Trainer des FC Bayern II in der Regionalliga aus? In Holland hätten Sie eine Erstligamannschaft coachen können…
Erik ten Hag: „Dieser Verein ist frisch gebackener Champions-League-Sieger und Triple-Gewinner in Deutschland. Mehr geht nicht! Der FC Bayern ist der faszinierendste Klub Europas. Dass ich hier arbeiten kann, ist großartig. Es ist eine riesige Herausforderung für mich. Ich habe schon bei großen Vereinen gearbeitet: Twente Enschede, PSV Eindhoven. Aber Bayern ist eine ganz andere Dimension, das möchte ich gerne erleben.“

fcbayern.de: Welche Rolle spielte Matthias Sammer bei Ihrer Verpflichtung?
Erik ten Hag: „Matthias und ich kennen uns schon sehr lange. Er war damals beim DFB, ich bei Twente Sportlicher Leiter. Wir haben unseren Kontakt immer gepflegt und über die Jahre intensiviert. Mit Matthias diskutiere ich gerne - über Spielphilosophien, Ausbildungswege, Trainingsinhalte. Als dann der FC Bayern angefragt hat, war das eine große Ehre.“

fcbayern.de: Sammer sagt, Sie seien fußballbesessen. Können Sie das bestätigen?
Erik ten Hag: „Da hat er schon recht. Wer im Fußballgeschäft tätig ist, sollte dies mit Leidenschaft und Hingabe tun. Ich denke 24 Stunden an die Mannschaft, die Organisation, Strategien, Ideen. Das kostet viel, viel Energie, aber es macht auch viel Freude.“

fcbayern.de: Wie soll eine Erik-ten-Hag-Mannschaft im Idealfall spielen?
Erik ten Hag: „Wenn ich auf der Bank sitze, möchte ich genießen. Und ich möchte, dass meine Mannschaft bestimmt, was passiert, dass meine Mannschaft agiert und dominiert. Dafür benötigt sie zunächst eine super Fitness. Unter anderem daran arbeiten wir aktuell.“

fcbayern.de: Welche weiteren Ziele haben Sie sich gesteckt?
Erik ten Hag: „Neben vielen Teilzielen gibt es zwei Hauptziele: Zum einen möchte ich die individuelle Entwicklung der Spieler vorantreiben. Und zum anderen sollten wir in dieser Saison in die Dritte Liga aufsteigen.“

fcbayern.de: Wissen Sie schon, was Sie in der Regionalliga Bayern erwartet?
Erik ten Hag: „Mir wurde schon einiges erzählt. Aber über die Stärke der Liga kann ich noch nichts Konkretes sagen. Es wird sicherlich ein schwieriger, langer Weg, den wir nur gemeinsam meistern können. Ich bin der Meinung: Wenn man mit dem FC Bayern in der Bundesliga spielt, muss man Meister werden. Wenn man mit dem FC Bayern in der Champions League spielt, sollte man sie am besten auch gewinnen. Und wenn man mit dem FC Bayern in der Vierten Liga spielt, muss man aufsteigen. So einfach ist das.“ (lacht)

fcbayern.de: Es geht allerdings bereits in knapp zweieinhalb Wochen los. Somit haben Sie insgesamt nur einen Monat, um das Team in eine Topverfassung zu bringen. Reicht das?
Erik ten Hag: „Das ist natürlich alles andere als optimal. Aber das darf keine Ausrede sein. Ich muss es trotzdem schaffen, in den wenigen Wochen alles zusammenzufügen. Ich werde viel beobachten, analysieren, mit den Spielern sprechen und dann werden wir zum Saisonauftakt bereit sein.“

fcbayern.de: Profi-Coach Pep Guardiola wird sicherlich regelmäßig das Gespräch mit Ihnen suchen. Freuen Sie sich darauf besonders?
Erik ten Hag: „Dass er zum FC Bayern gekommen ist, ist sensationell. Auch das hat eine wichtige Rolle bei meiner Entscheidung gespielt. Er wird hier einiges neu entwickeln. Davon kann ich nur profitieren, ich freue mich riesig auf die Zusammenarbeit.“

fcbayern.de: Der FC Bayern ist nicht komplettes Neuland für Sie. Im Rahmen Ihres Fußballlehrer-Lehrgangs haben Sie an der Säbener Straße ein Praktikum gemacht…
Erik ten Hag: „Genau. 2006 habe ich eine Woche hier hospitiert. Mark van Bommel hatte das damals für mich organisiert. Damals hatte ich eine super Woche beim FC Bayern, das war beeindruckend. Ehrlich gesagt: Ich habe mich schon damals ein bisschen in diesen Verein verliebt.“ (lacht)

fcbayern.de: Warum genau?
Erik ten Hag: „Mir ist sofort aufgefallen, wie warm und familiär es zugeht. Ich habe damals mit Uli Hoeneß gesprochen, unglaubliche zwei Stunden Zeit. Irgendwann hatte ich keine Frage mehr. Dann meinte er: 'Komm, frag einfach alles. Ich habe Zeit für dich.' Das hat mich beeindruckt. Denn ich weiß genau, wie kostbar Zeit ist, wenn man einen Job hat wie Uli Hoeneß. Auch der Zusammenhalt innerhalb des Klubs war damals sofort spürbar. Und: die Siegermentalität. Das passt perfekt zu mir.“

Das Interview führte: Nikolai Kube

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