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Der größtmögliche Abschied

Triumphator Heynckes 'geht als großer Freund'

Jupp Heynckes' letzte Meter waren pure Gänsehaut. Diese 60, 70 Meter von der Mittellinie in die Fankurve, wo die Mannschaft bereits tanzte und hüpfte. Nur den Cheftrainer umgab eine Aura der Ruhe, als er allein und in Gedanken erst zaghaft, dann festen Schritts in Richtung des rot-weißen Jubels schlenderte. „Jupp! Jupp! Jupp!“, tönte es von den Rängen, als die Fans ihren Trainer näher kommen sahen. Die Spieler fielen vor ihm auf die Knie und ließen ihren Jupp kurz darauf hochleben. Jetzt ließ auch der 68-Jährige seiner Freude freien Lauf, so wie man es in dieser Saison - und vielleicht in Heynckes' ganzer Karriere - noch nie gesehen hatte. Auf den letzten Metern konnte Heynckes einfach nur genießen.

„Man saugt die Atmosphäre auf. Ich muss sagen: Das war gigantisch, ein absolutes Highlight“, sagte der Bayern-Coach später über sein letztes Spiel für den FC Bayern, das mit seinem ersten DFB-Pokalsieg als Trainer und dem historischen Triple gekrönt wurde. Minutenlang wurde er von den Fans gefeiert, als er den Pokal in der Kurve präsentierte. Kurz zuvor hatten die Spieler dafür gesorgt, dass Heynckes zum zweiten Mal in dieser Saison kräftig mit Weißbier geduscht wurde.

„Ich bin froh, dass mir das nicht nochmal passieren wird. Weil das Zeug stinkt furchtbar“, berichtete der Erfolgscoach bestens gelaunt im TV-Interview. Frisch geduscht und im Trainingsanzug führte er später die Polonaise an, mit der die Mannschaft das Festbankett enterte. In seiner Ansprache musste Karl-Heinz Rummenigge schmunzeln, als er sagte: „Er hat heute den einzigen Fehler der Saison gemacht: Er hat nur einen einzigen Anzug dabei gehabt.“

'Einfach perfekt'

Und den trug Heynckes bereits während des Spiels, bei dem er noch einmal bis zur letzten Minute mit vollem Einsatz an der Außenlinie seiner Arbeit nachging. Am Ende hieß es 3:2 gegen den VfB Stuttgart - und der größtmögliche Abschied für den FCB-Chefcoach war perfekt. „Die Mannschaft hat sich und mir ein super Geschenk gemacht. Das Triple ist einzigartig“, freute sich Heynckes, der von den Fans mit Spruchbändern („Gracias Don Jupp!“) gefeiert wurde.

„Ich finde es wunderbar, was dir gerade widerfährt“, freute sich Rummenigge über die Lobeshymnen, die in diesen Wochen von allen Seiten auf Heynckes einprasseln. „Das Triple war nur der i-Punkt. Jetzt bekommt er die Anerkennung, die er verdient hat“, meinte Matthias Sammer, der „Klarheit, Planung, Akribie, Fleiß und Weisheit“, aber auch die „Gelassenheit“ des Trainers hervorhob. Daniel van Buyten fasste es in aller Kürze zusammen: „Er ist einfach perfekt.“

Zukunft und Tür in München offen

„Er war immer ein toller Trainer, ein toller Mensch - aber jetzt ist er ein Feldherr geworden“, würdigte Uli Hoeneß seinen langjährigen Freund, der in seiner dritten Amtszeit beim FC Bayern einen noch nie dagewesenen Triumphzug feierte, aber nach fast 35 Jahren als Trainer (seit 1979), zahlreichen Meisterschaften und zwei CL-Siegen seine Zukunft offen ließ. Am Samstagabend kündigte er für Dienstag eine Pressekonferenz an. „Dann werde ich sagen, wie es weitergeht oder auch nicht.“

In der Stunde des Triumphes bekräftigte Rummenigge, dass Heynckes beim FC Bayern „eine Carte Blanche“ besitze. „Wir werden für dich immer die Tür aufhalten, nicht nur wegen des Erfolgs, sondern wegen deiner Menschlichkeit“, sagte der FCB-Vorstandschef auf dem Bankett in Richtung des von Mannschaft, Sponsoren und Fans mit Applaus und Sprechchören gefeierten Trainers. Rummenigge weiter: „Was er uns beschert hat, kann man gar nicht mit Gold aufwiegen. Er geht als großer Freund.“

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