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Capt'n im Interview

Lahm: 'Es steckt noch einiges in der Mannschaft'

Philipp Lahm ist ein gefragter Mann - natürlich auch am Gardasee. Als fcbayern.de den Kapitän zum Abschluss des achttägigen Sommer-Trainingslagers auf der Terrasse des Teamhotels zum Interview trifft, wird er von einigen außerhalb des Areals stehenden Fans erspäht. „Philiiiiiip“, rufen sie im Chor. Lahm lacht, winkt kurz - die Jugendlichen kreischen und ziehen dann stolz weiter.

Auch das gehört zum Fußballgeschäft. Genau wie normalerweise zwei Mal im Jahr ein Trainingslager, in dem einige Tage am Stück so richtig geschwitzt wird. Die Bayern weilten zum vierten Mal in Folge im Trentino. Lahm zieht ein positives Fazit: „Wir haben eine super Woche verbracht.“ Der Kapitän blickt nicht nur zurück, sondern auch voraus - unter anderem auf die anstehende Saison, die Weltfußballerwahl und die WM 2014 in Brasilien.

Das Interview mit Philipp Lahm:

fcbayern.de: Philipp, hattest du neben dem vielen Training hier im Trentino auch mal die Möglichkeit, das Hotel zu verlassen?
Philipp Lahm: „Die Möglichkeit hat man immer, aber ich habe während eines Trainingslagers meist nicht so viel Lust, etwas zu unternehmen. Dafür bin ich meist zu müde. Einmal war ich mit Thomas Müller beim Golfen. Das war entspannend. Das Problem ist nur: Thomas redet auf dem Golfplatz genauso viel wie sonst.“ (lacht)

fcbayern.de: Acht Tage am Gardasee liegen hinter euch. Wie fällt das Fazit des Kapitäns aus?
Philipp Lahm: „Es war perfekt, um alle kennenzulernen: den Trainer, sein neues Team. Insgesamt haben wir eine super Woche verbracht. Aber es muss sich natürlich erst alles noch einspielen - vor allem auf dem Platz.“

fcbayern.de: Was genau?
Philipp Lahm: „Pep Guardiola hat seine eigenen Ideen. Er erwartet ein paar andere Dinge von uns - beispielsweise beim Verschieben oder dem Pass- und Positionsspiel. Wir müssen in den nächsten Wochen an einer besseren Abstimmung arbeiten. Es geht hier allerdings nur um Kleinigkeiten. Wir erfinden den Fußball nicht neu.“

fcbayern.de: Wie läuft die Kommunikation zwischen Trainer und Kapitän ab?
Philipp Lahm: „Halb auf Deutsch, halb auf Englisch. Vor allem wenn es schnell gehen muss, wechseln wir manchmal ins Englische. Wir sind auf einer Wellenlänge, es macht viel Spaß mit ihm.“

fcbayern.de: Welchen Eindruck haben deine Teamkollegen in dieser Woche auf dich gemacht?
Philipp Lahm: „Jeder war sehr, sehr aufmerksam. Jeder muss sich unter dem neuen Trainer neu beweisen. Niemand muss sich Sorgen machen, dass wir nach dem Triple-Gewinn jetzt nachlässig werden. Eher das Gegenteil wird der Fall sein. Es steckt noch einiges in der Mannschaft.“

fcbayern.de: Das heißt?
Philipp Lahm: „Wir haben wieder sehr gute Möglichkeiten, Titel zu gewinnen. Schlechter werden wir mit Sicherheit nicht. Die Qualität in der Champions League ist aber natürlich extrem hoch. Und wir sind jetzt der Gejagte, jeder will den Titelverteidiger ausschalten. Es wird spannend.“

fcbayern.de: Auffällig ist auch, dass der Trainer schon in der Vorbereitung fast nur mit Ball trainieren lässt. Das gefällt euch Spielern, oder?
Philipp Lahm: „Trotzdem ist es richtig anstrengend. Man geht im modernen Fußball immer mehr weg von Ausdauerläufen. Die Ausdauer holt man sich über Spielformen, in denen man viele kleine Bewegungen und Antritte über einen längeren Zeitraum durchführt. Nach kurzen Ruhepausen geht es dann sofort weiter - genau, wie es in einem Spiel eben abläuft. Das, was wir machen, ist modern und so, wie man trainieren muss. Das war unter Jupp Heynckes genauso.“

fcbayern.de: Dante, Luiz Gustavo und Javi Martínez weilen im Urlaub. Schweinsteiger, Götze und Badstuber fehlen verletzungsbedingt. Ein Problem?
Philipp Lahm: „Ich wünschte mir natürlich, dass alle sechs mittrainieren könnten. Aber im Sommer ist es beim FC Bayern normal, dass Nationalspieler fehlen. Diesmal sind - im Vergleich zu anderen Jahren - sogar viele dabei. Die Späteinsteiger werden es nicht leicht haben, Rhythmus aufzunehmen. Aber sie haben allesamt immense Qualität. Das macht es deutlich einfacher.“

fcbayern.de: Noch hat Mario Götze nicht mit dem Team trainieren können. Hat er sich mit dem Wechsel zum FC Bayern richtig entschieden?
Philipp Lahm: „Ja! Wenn man so ein klasse Spieler ist, dann gehört man zum besten Verein in Deutschland. Und das ist eben der FC Bayern. Sein Wechsel war der logische Schritt. Wenn man die Chance hat, zu Bayern zu gehen, dann muss man diese Chance - vor allem als junger Spieler - nutzen, um sich weiterzuentwickeln."

fcbayern.de: Vier Bayern-Spieler wurden von der UEFA in die engere Auswahl für die Wahl zu Europas Fußballer des Jahres berufen. Du fehlst in den Top Ten. Fehlt dir für Defensivspieler in der öffentlichen Wahrnehmung die Anerkennung?
Philipp Lahm: „Zunächst einmal freue ich mich für Bastian, Franck, Arjen und Thomas. Aber generell ist es natürlich schon so, dass es Defensivspieler bei solchen Ehrungen schwerer haben. Mich ärgert das aber nicht, für mich geht es im Fußball um andere Dinge - um Titel. Und da sind ja ein paar dazugekommen.“

fcbayern.de: Es wäre doch nur logisch, wenn in diesem Jahr ein Bayern-Spieler Weltfußballer werden würde, oder?
Philipp Lahm: „Es wäre nach dieser Wahnsinns-Saison an der Zeit. Aber das entscheide ja nicht nur ich, sondern viele Kapitäne, Trainer und Journalisten aus aller Welt.“

fcbayern.de: Als einziger Torhüter hat es Manuel Neuer auf die ursprünglich 26 Namen umfassende Nominierten-Liste geschafft.
Philipp Lahm: „Meine Meinung ist: Manu ist der beste Torwart der Welt. Noch dazu ist er erst 27. Er hat noch viele, viele tolle Jahre vor sich.“

fcbayern.de: Es steht eine Saison an, an deren Ende eine WM stattfindet. Kleiner Ausblick: Was erwartest du dir von diesem Turnier?
Philipp Lahm: „Die Mannschaften aus Südamerika werden wegen des Klimas einen Vorteil haben. Brasilien ist einer der Topfavoriten. Aber auch wir werden wieder angreifen. Der WM-Pokal ist zwar kleiner als die Champions-League-Trophäe, gefällt mir aber mindestens genauso gut." (lacht)

fcbayern.de: Ist die WM 2018 in Russland auch noch ein Ziel für dich?
Philipp Lahm: „Klar. Ich befinde mich jetzt mit 30 im besten Fußballeralter, fühle mich fit und bin fast nie verletzt. Toi, toi, toi. Aber in vier Jahren kann so viel passieren. Lassen wir uns überraschen.“

fcbayern.de: Du wirst hoffentlich noch sehr, sehr lange für den FC Bayern deine Schuhe schnüren. Aber bist du jemand, der sich auch schon mit der Zeit nach seiner Karriere als Fußballer beschäftigt?
Philipp Lahm: „Nicht konkret. Fest steht nur, dass ich dem Fußball auf irgendeine Art und Weise erhalten bleiben werde. Denn ich liebe diesen Sport.“

Das Interview führte: Nikolai Kube

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