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Von Phantom- bis Turbantor

FCB gegen FCN - ein Derby, viele Geschichten

FCB gegen FCN, Bayern gegen Franken, zum 187. Mal steigt am Samstag das Derby zwischen dem deutschen Rekordmeister und dessen Vorgänger. 1987 löste der FC Bayern mit seiner damals zehnten Meisterschaft den Club als Rekordtitelträger ab. Dies, die räumliche Nähe (rund 150 Kilometer) und die traditionelle bayerisch-fränkische Rivalität machen das Spiel zu einem immer heißen Derby.

In der Bundesliga trafen beide Traditionsklubs bislang 58 Mal aufeinander. Die Bilanz dabei ist aus Sicht des FC Bayern äußerst positiv: 35 Siege, 12 Remis und nur 11 Niederlagen stehen bei einem Torverhältnis von 105:62 zu Buche. Auch die jüngere Vergangenheit spricht für den Triple-Sieger aus München: Von den letzten 22 Duellen (davon zwei im DFB-Pokal) gegen die Franken verlor er nur eines (13 Siege, 8 Remis).

Vor allem zu Hause ließ der FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg wenig anbrennen. Seit über 21 Jahren (15 Pflichtspielen) ist der Rekordmeister vor heimischem Publikum gegen den Club ungeschlagen. Die letzte Heimniederlage datiert vom März 1992 (1:3), damals noch im Olympiastadion. Die letzten beiden Duelle in der Allianz Arena gewann der FC Bayern deutlich mit jeweils 4:0. fcbayern.de blickt auf die denkwürdigsten Derbys zwischen Bayern und Nürnberg zurück.

Das erste Bundesliga-Derby
Vor mehr als 45 Jahren, am 30. Oktober 1965, trafen der FC Bayern und der 1. FC Nürnberg zum ersten Mal in der Bundesliga aufeinander. 40.000 Zuschauer im Grünwalder Stadion sahen eine einseitige Partie. Der Aufsteiger aus Münchner dominierte, schaffte es aber nicht, den Nürnberger Abwehrriegel zu knacken. 0:0 hieß es am Ende und FCB-Trainer Tschik Cajkovski schimpfte über die destruktive Spielweise der Franken.

Die bitterste Niederlage
Zwei Jahre später, am 2. Dezember 1967, war der FC Bayern zu Gast in Nürnberg und kassierte die bis heute höchste Niederlage gegen Nürnberg, die in Franken als legendär gilt. 7:3 gewann der Club, FCN-Stürmer Franz Goldköpfchen Brungs traf fünf Mal - ein Kunststück, das seitdem keinem Nürnberger Spieler in der Bundesliga mehr gelang. Am Ende der Saison machten die Franken nach einem 2:0-Sieg gegen Bayern am vorletzten Spieltag die deutsche Meisterschaft perfekt - es ist bis heute ihre letzte.

Die letzte Niederlage
Nur ein einziges Mal ging der FC Bayern im neuen Jahrtausend gegen den 1. FC Nürnberg als Verlierer vom Platz. Am 2. Februar 2007 ließen die Nürnberger, die die Saison als DFB-Pokalsieger abschlossen, den Münchnern beim 3:0 (1:0) im Frankenland keine Chance. Ivan Saenko, Markus Schroth und Robert Vittek sorgten für einen verhagelten Einstand von Ottmar Hitzfeld, der einen Tag zuvor Felix Magath als FCB-Chefcoach beerbt hatte.

Das Turbantor
Legendär bis heute ist auch das Pokalfinale vom 1. Mai 1982 zwischen Bayern und Nürnberg. Zur Halbzeit führten die Clubberer im Frankfurter Waldstadion mit 2:0, doch dann überrollten die Münchner die Franken. Karl-Heinz Rummenigge, Wolfgang Kraus und Paul Breitner drehten die Partie, in Erinnerung blieb aber vor allem der Schlusspunkt durch Dieter Hoeneß. Der FCB-Stürmer hatte in der ersten Halbzeit nach einem Zusammenstoß mit Nürnbergs Alois Reinhardt eine drei Zentimeter große Platzwunde davongetragen, spielte aber mit einem Turban-ähnlichen Verband weiter. Und in der 89. Minute erzielte er den 4:2-Endstand - per Kopf.

Das Phantomtor
War der Ball drin? Im Münchner Olympiastadion machte sich bereits Enttäuschung breit, die FCB-Profis hatten schon abgedreht, doch der Linienrichter hatte ein Tor gesehen. In der 24. Minute des Bundesligaspiels zwischen Bayern und Nürnberg am 23. April 1994 fiel einer der kuriosesten Treffer der deutschen Fußballgeschichte, der keiner war. Nach einer Ecke stocherte Thomas Helmer den Ball am Tor vorbei, doch der Linienrichter hatte den Ball im Tor gesehen und der Schiedsrichter folgte seiner Auffassung: 1:0 für Bayern. Am Ende gewann der FCB 2:1, auch weil Nürnbergs Manfred Schwabl kurz vor dem Abpfiff mit einem Elfmeter an Raimond Aumann scheiterte. Die Nürnberger protestierten und zehn Tage später gab es ein Wiederholungsspiel (siehe nächster Punkt).

Der höchste Bayern-Sieg
Dieses Wiederholungsspiel führte zum bislang höchsten Bayern-Sieg im bayerisch-fränkischen Derby. 5:0 gewannen die Münchner am 3. Mai 1994 (2x Mehmet Scholl, 2x Bruno Labbadia, 1x Dietmar Hamann) und feierten vier Tage später die Meisterschaft. Die Nürnberger hingegen stiegen ab. Besonders bitter: Hätte Schwabl im ersten Duell den Elfmeter genutzt und die Partie wäre 2:2 ausgegangen, wäre der Club in der Bundesliga geblieben und Bayern wäre nicht Meister geworden (vorausgesetzt die Ergebnisse aller übrigen Spiele bleiben unverändert).

Das Wettschießen
Sage und schreibe 18 Schüsse vom Elfmeterpunkt brauchte es, bis in der Zweitrundenpartie des DFB-Pokals zwischen Bayern und Nürnberg am 28. Oktober 2003 der Sieger feststand. Nach 90 Minuten und Verlängerung hatte es im Olympiastadion 1:1 gestanden (Tore: Vittek und Makaay), es folgte ein denkwürdiges Elfmeterschießen. Nach 17 Versuchen (und je zwei Fehlschüssen auf jeder Seite) stand immer noch kein Sieger fest, dann stand Nürnbergs Mark Nikl am Punkt - und scheiterte an Oliver Kahn. Der FC Bayern gewann mit 8:7 n.E.

Der Olympiastadion-Abschied
Der 1. FC Nürnberg war der Gegner des FC Bayern im letzten Spiel im Olympiastadion. Am 14. Mai 2005 verabschiedete sich der Rekordmeister mit einem begeisterndem 6:3 (5:0)-Derbysieg von der langjährigen Spielstätte. Schon zuvor war dem FCB die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen gewesen. Die beiden letzten Tore im Olympiastadion schoss aber ein Nürnberger: der Slowake Samuel Slovak.

Das letzte Derby
Das letzte Spiel gegen den Club war eine klare Angelegenheit für den FC Bayern. 4:0 (3:0) hieß es Mitte April dieses Jahres vor 71.000 Zuschauern in der Allianz Arena. Jérôme Boateng, Mario Gomez, Rafinha und Xherdan Shaqiri trafen für haushoch überlegene Bayern, die eine Woche zuvor die Meisterschaft perfekt gemacht hatten. Doch das Spiel hatte noch mehr zu bieten: Franck Ribéry führte den FC Bayern erstmals in einem Pflichtspiel als Kapitän an; Tom Starke parierte beim Stand von 3:0 einen Foulelfmeter von Timmy Simons mit dem Kopf; FCB-Talent Pierre-Emile Hojbjerg feierte sein Bundesligadebüt und ging als jüngster Bundesligaspieler des FC Bayern aller Zeiten (17 Jahre, 251 Tage) in die Annalen ein.

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