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Ribéry dreht auf

Mit Köpfchen auf Europas Thron?

Als Franck Ribéry in der 80. Minute des bayerisch-fränkischen Derbys den Rasen verließ, stand die Allianz Arena Kopf. Wieder einmal hatte der Franzose die gegnerischen Abwehrreihen schwindelig gedribbelt und mit sechs Torschüssen einen Versuch mehr abgegeben als alle Akteure des 1. FC Nürnberg zusammen. Mit den stehenden Ovationen würdigte der Großteil der 71.000 Zuschauer vor allem jenes Tor, das selbst Ballkünstler Ribéry in der Bundesliga so noch nie erzielt hatte: Der 54. Liga-Treffer des Franzosen im Dress des FC Bayern war sein erster mit dem Kopf.

„Das war komisch für mich, ein super Kopfball, ein wunderbares Tor und so wichtig“, gab Ribéry anschließend Einblicke in seine Gefühlswelt, nachdem er seinen wegweisenden Treffer in der 69. Minute auf dem Platz mit freiem Oberkörper zelebriert hatte, „das war emotional“. Wegweisend war das Tor indes nicht nur für den Ausgang des Spiels, sondern auch für einen persönlichen Rekord, denn: Gegen die Franken feierte Ribéry mit dem 2:0-Sieg seinen 18. Bundesliga-Erfolg in Serie und löste so Roy Makaay ab, der in der ewigen Spieler-Siegesserien-Rangliste zuvor auf Platz eins gethront hatte.

Ribéry verkörpert 'Extraklasse'

Vielleicht war es der Auftakt in eine perfekte Woche für Ribéry. Bereits am Dienstag kann das Kopfball-Ungeheuer mit dem Rekordmeister in Freiburg die Tabellenführung erobern. Und am Donnerstag will der 30-Jährige Europas Thron besteigen. Dann nämlich wird in Monaco der beste Spieler des Kontinents gekürt, bevor am Freitag der UEFA Super Cup gegen Chelsea ausgespielt wird. „Ich wünsche ihm, dass er am Donnerstag verdient Europas Fußballer des Jahres wird“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, der die prestigeträchtige Auszeichnung selbst zweimal gewann (1980, 1981). „Man hat auch heute gesehen, dass er Extraklasse darstellt, und es wäre schön, wenn das auch europaweit so gesehen wird - nicht nur in Deutschland.“

Der donnernde Applaus der Fans - er hallte wie ein Plädoyer durch die ausverkaufte Arena. „Ich würde es dem Franck wünschen, wenn er es werden würde“, meinte Bastian Schweinsteiger, „er hat eine sehr, sehr gute Saison gespielt und viele Titel geholt.“ Damit habe er „einen Vorteil“ gegenüber Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, die sich ebenfalls Hoffnungen auf den Titel machen dürfen. „Es sind drei absolute Top-Spieler, die es verdient haben, in der Auswahl zu sein“, findet Philipp Lahm. „Wem ich die Daumen drücke, ist ja wohl klar.“

'... dann weiß ich auch nicht!'

Die Vorzeichen könnten nach dem Triple-Gewinn kaum günstiger stehen. Mit starken Leistungen hatte Ribéry maßgeblichen Anteil an der Rekordsaison - auch deshalb, weil er in München längst heimisch geworden ist. „Er fühlt sich sehr wohl“, berichtete Rummenigge, „wir sind glücklich, er ist glücklich.“ Das würde umso mehr gelten, sollte der Franzose die Auszeichnung tatsächlich gewinnen. „Ich habe alles dafür gemacht, individuell und kollektiv mit der ganzen Mannschaft“, weiß Ribéry, der sich nach den Titeln mit dem Team nun auch seinen persönlichen Triumph wünscht. „Ich hoffe, ich gewinne diesen Titel.“ Für Schweinsteiger ist der Fall indes klar: „Wenn er jetzt nicht Europas Fußballer des Jahres wird, dann weiß ich auch nicht!“

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