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Jérôme vs. Kevin-Prince

Im Bruderduell 'wird keiner geschont'

Nur ein paar Schritte entfernt vom Bolzplatz fließt die Panke vorbei. Ein wenig beachtetes Flüsschen hier, in Berlin Wedding, das noch am Anfang seines Weges steht. Über Spree, Havel und Elbe ergießen sich die Wasser schließlich in die Nordsee. Ihren Lauf nahm vom Bolzplatz an der Panke aus auch die Karriere der Brüder Boateng. Als Kinder kickten sie hier gemeinsam, dann begann die Reise: für Kevin-Prince über Hertha BSC, Tottenham, Dortmund, Portsmouth und Mailand zum FC Schalke 04, für Jérôme über TeBe Berlin, Hertha BSC, Hamburg und Manchester City zum FC Bayern. Am Samstag stehen sie nach 1.186 Tagen erstmals wieder gemeinsam auf dem Fußballplatz, wenn auch in verschiedenen Teams.

„Meistens haben wir zusammengespielt“, erinnert sich der 18 Monate jüngere Jérôme an die Anfänge auf dem Bolzplatz an der Panke. Ab und an kam es aber auch zum Duell der beiden Brüder, genauer gesagt Halbbrüder aufgrund eines gemeinsamen Vaters, und dann konnte man eine gesunde, brüderliche Rivalität erleben: „Da wollte ich zeigen: Auch wenn ich der Kleinere bin, kann ich auch Fußball spielen und dagegenhalten“, erzählte Jérôme.

Diese Rivalität wird auch am Samstag in Gelsenkirchen gelebt werden. „Wir haben bestimmt einige Zweikämpfe gegeneinander zu führen - da wird keiner geschont“, betonte der FCB-Profi, „jeder von uns will zeigen: Es gibt nichts zu holen.“ Ähnliches ist auch von Kevin-Prince zu vernehmen: „Ich habe ihm schon gesagt, ich wäre enttäuscht, wenn er mich nicht mit 100 Prozent angehen würde. Ich werde es so machen. Samstag sind wir Gegner. Dann ruht die Bruderschaft für 90 Minuten.“

Familientreffen auf der Tribüne

„Er hat gesagt ‚90 Minuten‘ - da hoffe ich, dass ich vorher ‚hallo‘ sagen kann“, blickt Jérôme dem Duell gut gelaunt entgegen. Der eine oder andere Zweikampf mit seinem Bruder wird wohl kaum zu vermeiden sein. Kevin-Prince, der Ende August zu Schalke wechselte, agiert auf der Zehn, Jérôme ist eine feste Größe in der Innenverteidigung des FC Bayern. „Man muss aggressiv spielen und ihm keinen Platz lassen“, weiß der Münchner um die Gefährlichkeit seines Bruders und warnte: „Er gibt nie auf.“

Zahlreiche Mitglieder und Freunde der Familie Boateng werden das Duell auf dem Rasen von der Schalker Tribüne aus beobachten. In der Vergangenheit ist es bisher nur zweimal zum direkten Aufeinandertreffen gekommen: einmal für zwölf Minuten in der Bundesliga (Jérôme für den HSV, Kevin-Prince für Dortmund im April 2009), einmal über 90 Minuten bei der WM 2010 in Südafrika (Gruppenspiel Deutschland gegen Ghana). Letzteres gewann Jérôme. „Bei den wichtigen Spielen liege ich also vorn“, stellte der 25-Jährige vor ein paar Tagen im Interview mit fcbayern.de genüsslich fest.

Nach mehr als drei Jahren treffen sich beide endlich auf dem Fußballplatz wieder - und der Flachs blüht natürlich zwischen den beiden Profis, die „fast jeden Tag“ (Jérôme) per Telefon oder SMS Kontakt halten. Kevin-Prince meinte belustigt, sein Bruder habe noch Defizite im gegnerischen Strafraum. Jérôme konterte am Freitag mit der Feststellung: „Sein linker Fuß könnte ein bisschen besser sein.“ Sticheleien wie früher auf dem Bolzplatz an der Panke.

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