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'Jetzt geht es um Details'

100 Tage Guardiola - Start geglückt

Der größte Kulturschock steht Pep Guardiola erst noch bevor. Am Sonntag geht es mit der Mannschaft auf das Oktoberfest. Und es deutet nichts darauf hin, dass der Katalane diesen Auftritt nicht auch meistern wird. Die Lederhosn hat er jedenfalls schon und auch die Kombination von Tracht, Bier und Party hat sein Gefallen offenbar gefunden. „Es ist schön, schön, schön. I like it“, sagte er über die Wiesn. Nach 100 Tagen, die Guardiola an diesem Dienstag beim FC Bayern im Amt ist, hat man nicht nur in dieser Hinsicht den Eindruck: Es entwickelt sich etwas.

Neue Kultur, neue Sprache, neuer Verein, neue Mannschaft, neue Liga - vieles ist eingeprasselt auf Guardiola seit seiner Vorstellung am 24. Juni. „Ich brauche Zeit“, darauf hat er wiederholt hingewiesen, wohlwissend, dass man als Trainer beim FC Bayern kaum die 100-Tage-Schonfrist erhalten wird, die Politikern zugestanden wird. Innerhalb kürzester Zeit musste Guardiola Erfolge vorweisen - und das gelang ihm nicht nur mit dem Gewinn des UEFA Supercups. Nur ein Trainer startete beim FC Bayern besser in die Bundesliga als er: Otto Rehhagel feierte 1995/96 sieben Siege, Guardiola kommt auf sechs Siege und ein Remis (wie Ottmar Hitzfeld 1998/99).

„Es war klar, dass er Zeit brauchen würde, die zwei Systeme FC Barcelona und Bayern München miteinander zu verbinden. Aber ich bin ziemlich sicher, dass diese beiden Kulturen langsam verwachsen. Ich bin überzeugt, dass daraus etwas ganz Fruchtbares entstehen kann“, ist Uli Hoeneß sehr angetan von den ersten Wochen des ehemaligen Barça-Cheftrainers. Trotz seiner Riesenerfolge in Barcelona arbeite Guardiola „sehr akribisch und sehr ehrgeizig“, berichtete der Bayern-Präsident. „Es macht sehr, sehr viel Spaß, mit ihm zu arbeiten. Ich bin sehr happy, dass wir ihn hier haben. Bei den Treffen mit ihm hast du immer das Gefühl, dass du weiterkommst im Leben.“

Dass sich etwas getan hat beim FC Bayern seit Guardiolas Antritt ist unverkennbar. „Ich liebe es anzugreifen“, hatte er bei seinem Amtsantritt gesagt. Seine Mannschaft formierte er in einem 4-1-4-1-System mit hoch stehenden Außenverteidigern, sehr variabel agierenden Offensivspielern und einem Sechser, der sich sehr weit zurückfallen lässt. Durch Letzteres reagierte er auf eine seiner ersten Erfahrungen in der Bundesliga: „Ich habe gemerkt, dass man hier in Deutschland die Konter kontrollieren muss. Das ist das Wichtigste. Wir müssen mit Kontrolle und Ballbesitz spielen.“

Die Spieler sind nach den ersten Wochen begeistert von ihrem neuen Chefcoach. „Seine Ideen sind unglaublich“, sagte Bastian Schweinsteiger. „Man spürt, dass er extrem viel Spaß bei der Arbeit hat. Er macht tolle Ansprachen“, berichtete Thomas Müller. Sportvorstand Matthias Sammer bezeichnete die Zusammenarbeit zwischen Trainer und Mannschaft als „vom ersten Tag an phantastisch. Die Basisarbeit ist getan, das Grundverständnis ist da. Jetzt geht es immer mehr um Details.“

Dass Guardiola einiges umgekrempelt hat beim FC Bayern, findet die volle Zustimmung von Karl-Heinz Rummenigge: „Er hat einiges verändert - und genau so einen Trainer brauchen wir nach den großen Erfolgen. Im Nachhinein muss man auch sagen: Alles, was er verändert hat, war sinnvoll und hat die Mannschaft noch ein Stück auf eine neue Ebene gehoben.“ Der FCB-Vorstandschef schwärmt: „Wir wissen, dass wir einen super Trainer haben, den besten Trainer der Welt. Darüber sind wir sehr glücklich.“

Guardiola selbst ist nach 100 Tagen „zufrieden. Ich kenne meine Mannschaft jeden Tag besser und ich fühle, wir sind sehr gut zusammen. Ich fühle, dass die Spieler mir folgen wollen.“ Nur auf dem Oktoberfest werden wohl die Spieler dem Wiesn-Neuling Guardiola noch die Richtung vorgeben.

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