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Erik ten Hag im Interview

'Es war bislang eine super intensive Zeit'

Ein Blick auf die Tabelle lohnt sich. 15 von 36 Spielen sind absolviert. Und die zweite Mannschaft des FC Bayern thront - bei zwei Partien weniger - mit fünf Punkten Vorsprung auf den FV Illertissen an der Spitze der Regionalliga Bayern. 13 Mal verließen die Münchner als Sieger den Platz. Eine stolze Zwischenbilanz. „Wir sind auf einem richtig guten Weg“, findet auch Cheftrainer Erik ten Hag.

Der Niederländer übernahm im Sommer die U23 des deutschen Rekordmeisters. 106 Tage befindet sich Ten Hag nun im Amt: Seine Handschrift ist unverkennbar. In diesen Tagen trainiert sein Team Seite an Seite mit einigen Stars von Pep Guardiola, da fast der gesamte Profikader in der Länderspielpause ausgeflogen ist. Eine wertvolle Erfahrung - für die Talente und Ten Hag selbst. Zwischen den Einheiten traf sich der 43 Jahre alte Fußballlehrer mit fcbayern.de zum Interview, um die Trainingseindrücke und die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen.

Einen zweiten Teil des Interviews mit Erik ten Hag lesen Sie in der nächsten Ausgabe des Bayern-Magazins sowie ab Donnerstag (17. Oktober) auf fcbayern.de.

Das Interview mit Erik ten Hag

fcbayern.de:
Herr Ten Hag, Ihre Spieler dürfen in diesen Tagen wegen der Länderspielpause gemeinsam mit den Profis trainieren. Eine feine Sache, oder?
Erik ten Hag: „Absolut. Sie sammeln unglaublich wichtige Erfahrungen und erleben live, wie hoch das Niveau bei den Profis ist. Es ist Wahnsinn, wenn man sieht, mit welcher Präzision und Wucht Spieler wie Kirchhoff, Rafinha oder Contento aufs Tor schießen oder mit welcher Präzision sie passen und das Positionsspiel durchführen. Da merken meine Spieler schnell, dass sie noch ein bisschen zulegen müssen.“

fcbayern.de: Sie durften am Dienstag das Training leiten, Pep Guardiola beobachtete viel. Eine Ehre?
Erik ten Hag: „Es ist natürlich wunderbar, mit dem besten Trainer der Welt gemeinsam auf dem Platz zu stehen. Ich nehme diese Erfahrung gerne mit, das bringt mich auch in meiner Entwicklung weiter. Aber ich werde da nicht nervös. Ich habe ja schon in Holland bei Twente oder PSV Eindhoven trainiert. Das sind auch Spitzenklubs.“

fcbayern.de: Wie oft kommt es während der Saison zum Austausch zwischen Ihnen und Pep Guardiola?
Erik ten Hag: „In Länderspielpausen hat man natürlich deutlich mehr Zeit. Wir sprechen über Fußball, das Training, die Qualitäten der einzelnen Spieler, Ideen und vieles mehr. Wenn Pep Guardiola aber alle drei Tage mit seiner Mannschaft ein Spiel hat, findet der Austausch eher über Hermann Gerland oder Matthias Sammer statt.“

fcbayern.de: Auch, wenn das Niveau sicherlich nicht vergleichbar ist: Spielt Ihre zweite Mannschaft einen ähnlichen Fußball wie das Profi-Team?
Erik ten Hag: „Sie sagen es: Diesen Vergleich dürfen wir nicht ziehen. Wir müssen realistisch bleiben. Aber: Das, was die Profi-Mannschaft derzeit zeigt, muss auch unsere Idee von Fußball sein. Danach müssen wir streben. Und ich denke, dass man einige Komponenten in unserem Spiel streckenweise bereits erkennen kann: Ballbesitz, Kurzpässe, Bewegungsabläufe, Positionswechsel, Gegenpressing. Natürlich alles auf einem ganz anderen Niveau.“

fcbayern.de: Sie sind nun rund 100 Tage beim FC Bayern. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?
Erik ten Hag: „Das Potenzial, an das ich geglaubt habe, ist ohne Frage da. Wir sind auf einem richtig guten Weg, der bislang viele Höhen, aber auch einige Tiefen beinhaltete. Ich komme jeden Tag mit viel Freude an die Säbener Straße. Es macht Spaß, mit den vielen Talenten zu arbeiten. Ich fühle mich wohl. Diese 100 Tage sind so wahnsinnig schnell vorübergegangen. Es kommt mir vor wie gestern, als ich hier angefangen habe - aber bald ist schon Weihnachten. (lacht) Es war bislang eine super intensive Zeit.“

fcbayern.de: Wie viel Erik ten Hag steckt schon in der Mannschaft?
Erik ten Hag: „Es geht nicht um mich. Es geht um die Philosophie des FC Bayern. Der Verein möchte, dass wir Siege einfahren und aufsteigen, aber erwartet auch einen bestimmten Spielstil. Ich bin nur ein kleiner Bestandteil dieses Projekts und hoffe, dass ich etwas Positives dazu beitragen kann. Meine Aufgabe ist es, aus den Spielern das vorhandene Potenzial herauszukitzeln.“

fcbayern.de: Was setzt Ihre Mannschaft bereits gut um?
Erik ten Hag: „Die Spieler verstehen mittlerweile, dass eine bestimmte Organisation wichtig für den Erfolg ist. Defensiv, aber auch bei Ballbesitz. Wenn jeder nur sein Ding macht, klappt es nicht. Und wir haben auch technische Fortschritte im Passspiel und der Ballmitnahme gemacht. Auch im Aufbauspiel. Das sieht schon sehr gut aus.“

fcbayern.de: Und woran hapert es noch?
Erik ten Hag: „Unser Angriffsspiel muss deutlich variabler werden. Da können wir noch einen Riesenschritt machen. Oft stehen unsere Gegner sehr defensiv. Und da fällt es uns schwer, Chancen zu kreieren. Beim 4:0 in Memmingen ist uns das phasenweise sehr gut gelungen. Schade, dass wir jetzt Länderspielpause haben. Außerdem müssen wir unser Spiel gegen den Ball verbessern, das hohe Verteidigen, das Pressing und Gegenpressing. Genau das, was die Profis außergewöhnlich gut machen.“

fcbayern.de: Was fordern Sie von ihren Spieler noch ein?
Erik ten Hag: „Mir ist auch sehr wichtig, dass meine Jungs ein Bewusstsein für das Leben als Fußballer entwickeln. Sie haben einen Traumjob, das muss ihnen klar sein. Sie müssen sich auch als Persönlichkeiten weiterentwickeln und Verantwortung übernehmen - auf und neben dem Platz.“

fcbayern.de: Pierre-Emile Hojbjerg ist nach langer Verletzungspause zurück. Wie wichtig ist er für die Mannschaft?
Erik ten Hag: „Ich bin froh, dass er wieder da ist. Er hat uns fast acht Wochen gefehlt. Er bringt eine besondere Qualität in unsere Mannschaft, kann das Team führen und ist ein Kreativspieler. Genau das brauchen wird. Es war nicht leicht für ihn. Pierre liebt den Fußball, diese Verletzung tat ihm unglaublich weh. Jetzt strahlt er aber wieder, hat in Memmingen fast durchgespielt und sofort Verantwortung übernommen. Trotzdem hat die Mannschaft in den vergangenen Wochen viele Siege eingefahren - auch ohne ihn. Das war aller Ehren wert. Die Spieler, die auf seiner Position zum Einsatz gekommen sind, haben ihre Sache sehr gut gemacht und überzeugt.“

fcbayern.de: Neben Hojbjerg sind auch Kevin Friesenbichler, Daniel Wein oder Niklas Horn wieder fit. Wer ist aktuell noch verletzt?
Erik ten Hag: „Zu Saisonbeginn hatten wir viele Verletzte. Zum Glück sieht es jetzt besser aus. Stand heute sind nur David Vrzogic, Alexander Sieghart und Nikola Jelisic nicht dabei. Vrzogic hatte einen Knorpelschaden im Knie, könnte aber noch vor dem Winter ins Mannschaftstraining zurückkehren. Sieghart hatte einen Bänderanriss im Sprunggelenk, wird aber ebenfalls in rund 14 Tagen wieder ins Training einsteigen. Und Jelisic plagt sich weiterhin mit muskulären Beschwerden im Oberschenkel herum. Er wird in diesem Jahr wahrscheinlich in einem Pflichtspiel nicht mehr zum Einsatz kommen.“

Das Interview führte: Nikolai Kube

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