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U19-Trainer im Interview

Heiko Vogel: 'Das Feuer in mir brennt'

Es ging alles rasend schnell: Marc Kienle verabschiedete sich am Montag in Richtung SV Wehen Wiesbaden. Heiko Vogel - ein alter Bekannter - übernahm und brachte am Dienstag seinen ersten Arbeitstag als neuer Trainer der U19 des FC Bayern München hinter sich. Zwischen Vertragsunterschrift, Sitzungen und seiner ersten Trainingseinheit fand der Ex-Coach des FC Basel Zeit, um sich mit fcbayern.de zu einem ersten Interview zu treffen.

Heiko Vogel exklusiv

fcbayern.de: Herr Vogel, herzlich willkommen zurück beim FC Bayern. Kann man sagen: 'Herzlich willkommen daheim'?
Heiko Vogel: „Absolut. Das kann ich mit einem guten Gewissen und einem lachenden Herzen so sagen. Ich habe dem FC Bayern einiges zu verdanken. Jetzt ist der Moment gekommen, in dem ich hoffentlich ein Stück davon zurückzahlen kann.“

fcbayern.de: Wie ist es zu Ihrer Verpflichtung gekommen?
Heiko Vogel: „Zwischen mir und dem FC Bayern gab es in den letzten Jahren immer ein bisschen Kontakt - mal über Hermann Gerland, mal über Matthias Sammer, mal über Xherdan Shaqiri und noch einige mehr. In den letzten Tagen ist es nun rasend schnell konkret geworden. Ich bin glücklich, dass ich jetzt wieder hier sein kann - bei diesem Wahnsinnsverein, diesem tollen Umfeld. Das ist der Hammer. Das Feuer in mir brennt.“

fcbayern.de: Wie verlief der erste Arbeitstag?
Heiko Vogel: „Ich war gleich um 08:00 Uhr an der Säbener Straße. Dann saß ich mit Michael Tarnat zusammen, um einige organisatorische Dinge zu klären. Dann kam der Trainerstab dazu, dann die Mannschaft. Es folgte das erste Training, zwei Sitzungen. Ich kann mich über mangelnde Arbeit also nicht beschweren.“

fcbayern.de: Sie haben mit dem FC Basel Champions League gespielt. Nun sind Sie wieder Nachwuchstrainer des FC Bayern. Warum ist dies für Sie persönlich dennoch kein Schritt zurück?
Heiko Vogel: „Im Profibereich wirst du knallhart an Ergebnissen gemessen. Entsprechend wird gehandelt. Aber ich bin ein Stück weit Fußball-Romantiker. Genau das kann ich an der Schwelle zwischen Jugend- und Profibereich perfekt ausleben. Hier kann ich die Entwicklung der Talente unmittelbar beeinflussen, hier kann ich gestalten. Das ist etwas Wunderschönes. Größere Ziele kann ich nicht haben. Ich möchte unserer Profimannschaft und Pep Guardiola Spieler zuführen.“

fcbayern.de: Was wissen Sie bereits über Ihre neue Mannschaft?
Heiko Vogel: „Das erste Training war vielversprechend. Es hat brutal viel Spaß gemacht und es herrschte eine sehr positive, engagierte Stimmung. Ich bin guter Dinge.“

fcbayern.de: Sie werden hier beim FC Bayern viele bekannte Gesichter wiedersehen. Werner Kern, der Sie 1998 eingestellt hat, ist mittlerweile in Rente…
Heiko Vogel: „Ja, leider. Ihm bin ich sehr, sehr dankbar. Ich werde nie vergessen, wie das damals lief. Denn es ist nämlich Fakt: Ich war zunächst drüben beim TSV 1860. Und ich bin so froh, dass ich dort gesagt bekommen habe: 'Hör mal zu, du hast keine Erfahrung, dich brauchen wir nicht, zieh ab!' Das habe ich dann auch gemacht und bin rüber zum FC Bayern. Dort bin ich auf Werner Kern getroffen.“

fcbayern.de: Hermann Gerland aber ist noch immer hier. Sind Sie ihm schon begegnet?
Heiko Vogel: „Ja! Der Tiger hat mich auf dem Platz begrüßt, er hat gestrahlt. Ich habe ihn erst gar nicht erkannt, weil er keine Trainingsklamotten an hatte. (lacht) Unser Verhältnis ist überragend. Der Tiger war der erste, der mir eine SMS geschrieben hat, als das damals mit Basel geklappt hat. Und er war der Erste, der sich gemeldet hat, als es dort zu Ende ging. Er ist ein Unikum, ein Held, ein genialer Mensch.“

fcbayern.de: Sind Ihnen auch schon Profis des FC Bayern über den Weg gelaufen?
Heiko Vogel: „Kaum. Die haben ja alle frei. Nur Toni Kroos hat vorhin seine Runden gedreht und mich begrüßt. Und von Shaq habe ich eine SMS bekommen. Aber die Jungs werde ich demnächst peu à peu treffen.“

fcbayern.de: Xherdan Shaqiri spielte bei Ihnen in Basel, ehe er zum FC Bayern wechselte. Wie sehen Sie seine Entwicklung?
Heiko Vogel: „Shaq ist einzigartig. Schon sein Aussehen: Er ist für mich ein kleiner Hulk. Und seine fußballerischen Fähigkeiten sind unbestritten. Wie er sich mit dem Ball drehen kann, was für Pässe er spielt. Das ist brillant. In der Schweiz ist er ein absoluter Superstar. Er muss nur noch ein bisschen mehr Konstanz zeigen. Dann wird er auch hier beim großen FC Bayern seinen Weg gehen. Davon bin ich überzeugt.“

fcbayern.de: Blicken wir noch einmal zurück. Basel mussten Sie vor rund einem Jahr etwas überraschend verlassen…
Heiko Vogel: „Das hat schon wehgetan damals. Es war eine Sache des Stolzes, ich war verletzt. Aber: Mittlerweile bin ich drüber hinweg. Es war eine geile Zeit und ich habe noch super freundschaftliche Kontakte nach Basel.“

fcbayern.de: Zuletzt waren Sie ein Jahr ohne neuen Job. Wie gut hat es getan abzuschalten?
Heiko Vogel: „Es war eminent wichtig für mich. Aber die Beine habe ich nicht nur hochgelegt, im Gegenteil: Ich habe mich viel mit dem Fußball auseinandergesetzt. Ich habe versucht, die Gründe des Erfolges bei den verschiedenen Teams zu analysieren und habe unendlich viele Spiele angeschaut - im Fernsehen, aber auch live im Stadion, in der Allianz Arena, in Madrid. Schlussendlich habe ich meine Gedanken strukturiert und drei Monate lang an einem Konzept gearbeitet. Ich habe mir sogar ein Videoschnittsystem zulegt und gecuttet. Ich könnte also jetzt auch als Regisseur anfangen, mein zweites Standbein quasi.“ (lacht)

fcbayern.de: Haben Sie auch hospitiert?
Heiko Vogel: „Nein. Ganz bewusst nicht. Ich wollte mich mit dem Fußball auf meine eigene Art und Weise auseinandersetzen. Nur so kann ich ihn authentisch vermitteln. Ich bin kein Pep, kein Mourinho, kein Klopp. Ich bin ich.“

fcbayern.de: Was von ihrem Konzept können Sie einer U19-Mannschaft beibringen?
Heiko Vogel: „Relativ viel, glaube ich. Natürlich muss man Abstriche in Sachen Dynamik, Handlungsschnelligkeit oder Erfahrung machen. Aber im Kern geht es bei einer Jugendmannschaft um dasselbe. Ich liebe offensiven Fußball, ich liebe Ballbesitz - genau wie Pep und genau deshalb bin ich wieder hier.“

Das Interview führte: Nikolai Kube

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