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Interview

Alaba: 'Ab und zu muss man sich zwicken'

Den Traum vom Profifußball - David Alaba lebt ihn auf allerhöchstem Niveau. Mit gerade mal 21 Jahren ist der Österreicher Leistungsträger beim FC Bayern und in der Nationalelf. „David ist nicht nur fußballerisch und physisch wahnsinnig stark, sondern auch vom Charakter her etwas ganz Besonderes. Er ist sehr höflich und angenehm“, beschreibt ihn Arjen Robben, „er ist schon in seinen jungen Jahren ein wichtiger Spieler für Bayern.“

„Ich weiß, dass ich den Traum vieler junger Menschen lebe, dass ich meinen Traum lebe“, sagt Alaba im Interview mit fcbayern.de.  Der zweifache österreichische Fußballer des Jahres spricht unter anderem auch über seine Dynamik, das anstehende Bundesligaspiel in Hoffenheim und seine Popularität. „Ich erlebe oft lustige Sachen, manchmal auch berührende.“

Das Interview mit David Alaba:

fcbayern.de: David, nach sieben englischen Wochen in Folge hast du endlich mal wieder eine „normale“ Woche. Sonntag und Dienstag war sogar trainingsfrei. Wie gut hat dir das getan?
Alaba: „Wir hatten wirklich viele Spiele, haben viele Nächte in Hotels verbracht. Da tut so eine Woche daheim richtig gut - speziell wenn man weiß, dass es nächste Woche wieder losgeht. Man konnte mal richtig durchschnaufen. Auch für den Kopf war diese Woche wichtig.“

fcbayern.de: Was bedeutet es für Hoffenheim, dass ihr durchschnaufen konntet?
Alaba: „Unser Ziel und unser Anspruch in Hoffenheim sind drei Punkte. Dafür werden wir alles tun. Aber uns ist natürlich bewusst, dass Hoffenheim im eigenen Stadion versuchen wird, es uns so schwer wie möglich zu machen. Hoffenheim ist im Vergleich zu letzter Saison viel stärker, sie stehen wie eine Mannschaft auf dem Platz.“

fcbayern.de: Deine Hoffenheimer Zeit ist inzwischen mehr als zwei Jahre her. Hast du noch Kontakt in den Kraichgau?
Alaba: „Ein paar Kontakte habe ich noch, zuletzt ist es aber etwas ruhiger geworden. Viele Spieler von damals haben Hoffenheim inzwischen auch verlassen.“

fcbayern.de: Im letzten Spiel gegen Hertha BSC bist du mit exklusiven adidas-Schuhen aufgelaufen, designt von einem japanischen Modeschöpfer. Wirst du die auch in Hoffenheim tragen?
Alaba:
„Nein, die Schuhe waren nur für das eine Spiel bestimmt. adidas ist mit dieser Aktion auf mich zugekommen. Das war eine große Ehre, denn weltweit wurden nur, ich glaube, sechs Spieler ausgewählt, die mit diesem Schuh spielen durften.“

fcbayern.de: Pep Guardiola schwärmt gern von deiner Dynamik, von deiner Power. Ist das angeboren?
Alaba: „Ich bin auf jeden Fall ein Spieler, der von seiner Dynamik lebt. Ich bringe das einfach mit und unsere Fitnesstrainer versuchen auch, mich da noch weiterzubringen. Körperlich fühle ich mich im Moment sehr wohl.“

fcbayern.de: Was hat sich denn für dich und deine Position verändert, seitdem Pep Guardiola Bayern-Trainer ist?
Alaba: „Im Gegensatz zum letzten Jahr hat sich mein Spiel ein bisschen verändert. Ich bin zum Beispiel noch mehr ins Offensivspiel eingebunden. Es sind nur Kleinigkeiten, die aber eine große Wirkung haben. Ich versuche einfach, das umzusetzen, was der Trainer von mir verlangt.“

fcbayern.de: Nicht ganz geklappt hat es für dich und die österreichische Nationalmannschaft mit der WM-Qualifikation. Wie sehr wurmt es dich noch, dass euer Traum von der WM geplatzt ist?
Alaba: „Mittlerweile habe ich das ganz gut verarbeitet. Aber in den ersten Tagen nach dem Schweden-Spiel war es natürlich alles andere als schön. Aber auch so etwas muss man als Fußballer durchmachen. Ich nehme das Beste daraus mit. Ich glaube, insgesamt haben wir eine gute WM-Quali gespielt. In den letzten zwei Jahren haben wir viele Schritte nach vorne gemacht. Jetzt hat auch noch unser Trainer Marcel Koller seinen Vertrag verlängert. Das ist sehr positiv. Er versucht, jeden einzelnen Spieler weiterzubringen, und hat uns als Mannschaft zusammengeschweißt. Wir können und wollen jetzt da weitermachen, wo wir aufgehört haben.“

fcbayern.de: In Österreich genießt du eine riesige Popularität, die durch den Triple-Gewinn noch größer geworden ist. Wie frei kannst du dich in deiner Heimat bewegen?
Alaba: „Ein Spaziergang ist nicht mehr so einfach. (lacht) Ich erlebe aber oft lustige Sachen, manchmal auch berührende. Letzten Sommer zum Beispiel war ich von unserem Bundespräsidenten Dr. Fischer in die Hofburg eingeladen. Den Termin vor mir hatte eine Schulklasse. Die Jungs und Mädels standen in einer Reihe da und ich habe allen hallo gesagt - da begann einer vor Rührung zu weinen. Das sind Momente, die man nicht mehr vergisst. Ich bin sehr dankbar, dass Österreich so hinter mir steht, und versuche, etwas zurückzugeben.“

fcbayern.de: Eine Einladung zum Bundespräsidenten, zweimal Österreichs Fußballer des Jahres, Fackelläufer bei den Paralympics, Champions-League-Sieger, Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger und so weiter - du bist erst 21 Jahre alt! Wie oft musst du dich beim Aufstehen zwicken?
Alaba: „Es ist sicherlich alles sehr schnell gegangen. Ich weiß, dass ich den Traum vieler junger Menschen lebe, dass ich meinen Traum lebe. Dafür bin ich sehr dankbar und natürlich muss man sich ab und zu zwicken, ob das alles wirklich passiert ist. Ich habe auch ein gutes Umfeld, das mich hin und wieder zwickt. Das hilft, auf dem Boden zu bleiben.“

fcbayern.de: Im Internet kursiert sogar ein Alaba-Rap. Wie kam es denn dazu?
Alaba:(lacht) Das habe ich mitbekommen. Ein Freund hat es mir gezeigt und wir haben uns das einmal angesehen. Da musste ich schon schmunzeln.“

fcbayern.de: Dir winkt schon die nächste große Auszeichnung. Heute Abend wird Österreichs Sportler des Jahres gekürt. Du bist einer der Nominierten. Wie stehen deine Chancen?
Alaba: „Als Fußballer ist es in Österreich nicht so einfach, diese Auszeichnung zu gewinnen. Der letzte Fußballer war Toni Polster 1997. Die Konkurrenz (Ebenfalls nominiert sind Skirennläufer Marcel Hirscher, Skispringer Gregor Schlierenzauer, Golfprofi Bernd Wiesberger und Radrennfahrer Riccardo Zoidl, d. Red.) ist sehr stark, das sind lauter große Namen. Es ist eine Riesenehre, überhaupt in so einem Kreis dabei sein zu dürfen. Mal schau'n, was dabei rauskommt.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl.

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