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Mario Götze im Interview

'Möchte einfach nur Fußball spielen'

Es waren 45 zähe Minuten. Mainz verteidigte tief, verschob gut, machte die Räume eng. Und die Bayern suchten nach einer Lücke - doch es tat sich keine auf. Als die Gäste dann kurz vor der Pause auch noch in Führung gingen, wurde es brenzlig. Pep Guardiola stellte um, brachte Mario Götze - und die Partie veränderte sich. Innerhalb von 113 Sekunden stand es 2:1 für den FCB, am Ende 4:1.

Natürlich war Götze nicht alleinverantwortlich für die Wende in diesem Spiel. Einen großen Anteil an der Bayern-Gala in Halbzeit zwei aber hatte er schon. Bayerns Neuzugang, der in den letzten Monaten vom Verletzungspech heimgesucht wurde und bislang kaum zum Einsatz gekommen war, brachte glänzende Ideen ins Bayern-Spiel und war an drei der vier Tore unmittelbar beteiligt. „Natürlich bin ich zufrieden“, erklärte Götze, als er fcbayern.de traf.

Das Interview mit Mario Götze

fcbayern.de: Mario, Glückwunsch zum Sieg und zu deiner Leistung. Ein gelungener Samstagnachmittag für dich…
Mario Götze: „Natürlich bin ich zufrieden. Ich habe einfach versucht, der Mannschaft zu helfen. Denn wir waren in einer komplizierten Situation: Mainz hat fast nichts zugelassen, dann lagen wir auch noch hinten. In der zweiten Halbzeit haben wir es deutlich besser verstanden, Lücken aufzureißen und hatten mehr Zug zum Tor.“

fcbayern.de: Gegen Mainz hast du auf der Zehn begonnen, später bist du ins Sturmzentrum gerückt. Auf welcher Position siehst du dich in diesem Team?
Mario Götze: „Für mich ist es einfach nur wichtig, wieder über einen längeren Zeitraum zu spielen. Die Minuten mit der Nationalelf in Schweden und jetzt gegen Mainz haben richtig gut getan. Je mehr ich spiele, desto fitter werde ich. Die Position ist mir relativ egal: Ich kann außen im Mittelfeld spielen, als Achter, als Zehner, oder auch vorne drin. Da bin ich glücklicherweise sehr flexibel.“

fcbayern.de: Die ersten Monate beim FC Bayern liegen hinter dir. Wie gut hast du dich inzwischen eingelebt?
Mario Götze: „Es passt eigentlich alles: Mein Bruder ist hier, meine Familie ganz in der Nähe, die Stadt ist super. Und hier beim FC Bayern haben wir eine tolle Mannschaft, mit der wir einiges vorhaben in dieser Saison. Nur die Verletzungen und die lange Reha haben das Ganze für mich nicht so leicht gemacht.“

fcbayern.de: Inwiefern?
Mario Götze: „Ich bin verletzt hierher gewechselt, konnte nicht direkt trainieren, nicht spielen. Dabei wollte ich mich eigentlich sofort beweisen. Ich wollte helfen, Spiele zu gewinnen. Ich wollte Tore schießen. Aber es ging nicht. Das war schwierig. Trotzdem bin ich immer positiv geblieben und überzeugt davon, dass mich diese Phase noch stärker gemacht hat. Ich habe viel über mich persönlich gelernt. Jetzt möchte ich einfach nur Fußball spielen und gesund bleiben.“

fcbayern.de: Blicken wir trotzdem noch einmal kurz zurück. Hattest du beim Foul von Chelseas Ramires im Supercup in Prag, als du dir deine jüngste Verletzung, den Kapselriss, zugezogen hast, sogar noch Glück im Unglück?
Mario Götze: „Wenn man die Bilder im Fernsehen sieht, dann ja. Während des Spiels habe ich komischerweise gar nicht so viel bemerkt. Ich musste ja nicht einmal ausgewechselt werden. Am nächsten Tag kam die Diagnose. Das war dann natürlich sehr, sehr ungünstig für mich, weil ich nach meiner Muskelverletzung gerade so über den Berg war. Aber das ist alles Vergangenheit, jetzt schaue ich nach vorne.“

fcbayern.de: War es wegen des Verletzungspechs schwieriger, sich in die Mannschaft zu integrieren?
Mario Götze: „Nein, es ist mir sogar leicht gefallen, Fuß zu fassen. Ich kannte schon viele Spieler aus der Nationalmannschaft. Aber auch die anderen sind super Typen, das passte vom ersten Tag an. Am meisten Zeit verbringe ich natürlich mit den jungen Spielern in meinem Alter - wie David, Jérôme, Shaq oder Toni. In der Freizeit wird aber nicht so viel unternommen, weil wir uns ja sowieso jeden Tag sehen.“ (lacht)

fcbayern.de: In deinem ersten Interview hast du erzählt, dass Pep Guardiola mit ein Grund für deinen Wechsel zum FC Bayern war. Haben sich deine Erwartungen bislang erfüllt?
Mario Götze: „Auf alle Fälle. Ich wollte etwas Neues kennenlernen, eine neue Philosophie -und vom ersten Tag an war es sehr spannend. Man hat sofort gesehen, dass Pep Guardiola eine unglaubliche Qualität hat. Er wird die Mannschaft und jeden einzelnen Spieler weiterentwickeln. Wir wollen noch besser spielen, als der FC Bayern das im letzten Jahr gemacht hat.“

fcbayern.de: Also so ähnlich wie in Manchester oder Leverkusen?
Mario Götze: „Das war schon beeindruckend. Aber es hat mich nicht überrascht, denn ich sehe jeden Tag im Training, was für eine Qualität in dieser Mannschaft steckt. Dass wir das schon jetzt in den Spielen so umsetzen, ist schön. Denn so können auch die Fans dran teilhaben.“

fcbayern.de: Kommen wir zur Privatperson Mario Götze. Du stammst aus dem Allgäu, sprichst aber ohne jeden Dialekt…
Mario Götze: „Ich befürchte, ich habe ihn verlernt. (lacht) Bei meinen Eltern hört man es, bei meinen Großeltern noch extremer. Zum Glück verstehe ich alles, wenn ich Weihnachten zu Hause mit meiner Familie verbringe.“

fcbayern.de: Erst warst du Memminger, dann Dortmunder - und jetzt Münchner. Wie gefällt es dir hier?
Mario Götze: „Die Stadt hat eine enorme Lebensqualität. Ich fühle mich hier sehr, sehr wohl, hatte aber noch nicht die Zeit, alle Ecken kennenzulernen. Das wird sich aber noch ergeben.“

fcbayern.de: Hast du schon Lieblingsplätze?
Mario Götze: „Im Sommer, als ich noch im Hotel gewohnt habe, war ich oft im Englischen Garten. Da ist es beispielsweise sehr schön.“

fcbayern.de: Kannst du dich in München einigermaßen frei bewegen?
Mario Götze: „Das ist kein Problem. Ich gehe ab und zu mal mit einer Cap aus dem Haus oder bewege mich ein bisschen schneller als sonst. (lacht) Mal angesprochen zu werden, ist ganz normal und auch völlig okay für mich.“

fcbayern.de: Du wohnst mit deinem Bruder zusammen. Wie funktioniert die WG Götze?
Mario Götze: „Ganz gut. (grinst) Wir verstehen uns bestens. Es war von vornherein klar, dass wir zusammenziehen, wenn wir beide nach München gehen. Aber wir sehen uns gar nicht so oft. Ich war zum Beispiel in den letzten drei Wochen ungefähr zwei Tage in der Wohnung. Wenn wir mal zusammen daheim sind, wird schon mal eine Kleinigkeit gekocht. Und ich besuche ihn ab und zu bei seinen Spielen in Unterhaching - wenn die Zeit es zulässt.“

Das Interview führten: Nikolai Kube und Nikolaus Heindl

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