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'Toller Charakter'

Rekord-Bayern trotzen widrigen Umständen

Die Spieler waren schon längst auf ihren Zimmern verschwunden, erschöpft von der Kälte und 90 kräftezehrenden Minuten. Da plauderte Pep Guardiola auf dem Bankett noch immer angeregt mit Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Matthias Sammer. Dazu genoss Bayerns Führungsriege das eine oder andere Glas Rotwein. Sie stießen an - auf das 3:1 (1:0) bei ZSKA Moskau, den fünften Sieg im fünften Champions-League-Spiel und den nächsten Wahnsinns-Rekord von zehn CL-Erfolgen in Serie! „Herzlichen Glückwunsch dazu“, erklärte Rummenigge in seiner Rede, „wir haben damit Barcelona überholt und sind jetzt alleiniger Rekordhalter. Toll!“

Es scheint derzeit, als seien die Bayern von rein gar nichts zu stoppen. Weder die vielen Verletzten noch die derzeit unglaublich hohe Belastung bringt das Team aus dem Konzept, selbst eine beschwerliche Anreise wie nach Moskau kann da nicht stören. „Auch dieses Spiel hat gezeigt, was für einen tollen Charakter die Mannschaft hat“, lobte ein „sehr zufriedener“ Guardiola seine Mannen, die in der eisigen Arena Khimki gegen ZSKA im Defensivverhalten zwar einige „Unaufmerksamkeiten“ (Thomas Müller) einstreuten, insgesamt aber durch die Tore von Arjen Robben (17.), Mario Götze (58.) und Müller (65./Foulelfmeter) verdient gewannen.

'Man hatte fast keine Kontrolle'

Eine beachtliche Leistung, zumal nach dem Sieg im Bundesliga-Spitzenspiel in Dortmund am vergangenen Samstag einiges an Spannung abgefallen war und es für die bereits fürs CL-Achtelfinale qualifizierten Bayern in Moskau lediglich noch um den Gruppensieg ging. Die schwierigen Platzverhältnisse gestalteten die Aufgabe zudem „nicht so einfach“, wie Rummenigge erklärte. Guardiola merkte an: „Der Rasen war sehr rutschig, es war gefährlich und schwierig.“

Als „nicht so prickelnd“ bezeichnete Torschütze Götze die eisigen Bedingungen. Manuel Neuer, der einige Male in gewohnt glänzender Manier Großchancen der Russen vereitelte, wäre wenigstens für ein paar Minuten gerne mal Feldspieler gewesen, um sich intensiver bewegen zu können. Und Man of the Match Robben klagte über den Platz: „Passen ging noch, aber dribbeln, naja. Man hatte fast keine Kontrolle.“ Der Holländer zollte dem Team daher umso mehr Respekt. „Wir haben super umgeschaltet vom Spiel in Dortmund.“

Für Green geht 'Traum' in Erfüllung

Den Bedingungen zum Opfer fiel leider Kapitän Philipp Lahm, der nach knapp 30 Minuten mit einer Oberschenkelblessur vom Platz musste. Erst nach einer genaueren Untersuchung am Donnerstag in München wird es eine endgültige Diagnose geben. Es bleibt zu hoffen, dass Lahm keine längere Zwangspause einlegen muss, denn schon jetzt klagt der FCB über reichlich verletzte Spieler. „Rotieren geht im Moment kaum“, weiß Robben.

Eine Chance ergibt sich dadurch für einige Talente - wie beispielsweise den erst 18 Jahre alten Julian Green, der in Moskau zehn Minuten vor Schluss eingewechselt wurde und sein Profidebüt feierte. Als „Traum“ und „unbeschreibliches Glücksgefühl“ bezeichnete der Deutsch-Amerikaner den Abend. „Ich habe in den wenigen Minuten alles gegeben. Ich denke, es war okay. Die Reise hat sich so richtig gelohnt für mich“, erklärte Green.

Nächster Gegner Braunschweig

Ob er auch am Samstag im Bundesliga-Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig zum Profikader gehören wird, ist offen. Fest steht allerdings, dass es die Bayern mit einem unangenehmen Gegner zu tun bekommen werden. „Erster gegen Letzter, das ist immer eine komische Konstellation“, bemerkte Robben. Er habe in seiner Karriere schon oft erlebt, dass der David in solchen Spielen gegen den Goliath über sich hinauswachse.

Daher forderte der Niederländer: „Wir müssen aufpassen, wir müssen nachlegen.“ Sorgen, dass der FCB den Aufsteiger auf die leichte Schulter nehmen könnte, muss sich aber definitiv kein Fan machen - das hat das Team auch in Moskau einmal mehr bewiesen.

Für fcbayern.de in Moskau: Nikolai Kube

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