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Standing Ovations

Hoeneß bietet Mitgliedern Vertrauensfrage an

Schon als Uli Hoeneß den Audi Dome am Mittwochabend um kurz vor 19:00 Uhr betrat, kribbelte es. Die Menschen in der Halle erhoben sich, „Uli, Uli“-Rufe waren zu hören. Dies aber war noch nichts gegen das, was sich rund eineinhalb Stunden später bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung des FC Bayern abspielte: Karl-Heinz Rummenigge richtete emotionale Worte an seinen Freund. Als dann die Mitglieder geschlossen aufstanden, minutenlang applaudierten und lautstark „Uli Hoeneß, du bist der beste Mann“ anstimmten, war es um den Bayern-Präsidenten geschehen.

Hoeneß ließ seinen Gefühlen freien Lauf, Tränen flossen. „Ich bin überwältigt“, erklärte er, als er sich nach einigen Minuten wieder gefangen hatte, „nicht nur von deiner Rede, Karl-Heinz, sondern von der Reaktion unserer, meiner Mitglieder.“ Der 61-Jährige bedankte sich vor seinem Bericht für die großartige Unterstützung in persönlich „schweren“ Zeiten. „Das werde ich ihnen allen nie vergessen, darauf bin ich unglaublich stolz“, so Hoeneß über die Rückendeckung seitens des FCB und seiner Mitglieder im Hinblick auf den bevorstehenden Steuer-Prozess im März nächsten Jahres.

Bayerns „Spiritus Rektor“, wie Rummenigge ihn bezeichnete, kündigte anschließend an, sich in naher Zukunft in einer Außerordentlichen Versammlung dem freiwilligen „Votum der Mitglieder zu unterwerfen“ und die „Vertrauensfrage“ zu stellen. Er wolle den Mitgliedern „das Recht geben, zu entscheiden, ob ich noch der richtige Präsident für diesen Verein bin“.

Volle Rückendeckung von Rummenigge

Sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender würde er selbstverständlich gerne weiter ausführen - allerdings nur, „wenn ich von Ihnen eine klare Mehrheit bekomme“. Er habe sich „nie mit einem Rücktritt beschäftigt, weil das im Verein nie an mich herangetragen wurde. Und nur der Verein ist für mich wichtig, und nicht das Handelsblatt.“

Hoeneß weiter: „Ich möchte ein paar Fakten nennen: Ich habe keine hunderte Millionen Euro Steuern hinterzogen. Ich habe seit vielen Jahren zig Millionen Euro Steuern gezahlt. Ich habe die letzten fünf Jahre über fünf Millionen Euro gespendet, indem ich bei Vorträgen kein Honorar angenommen habe. Ich habe auch die Einnahmen aus dem Jubiläumsspiel zu meinem 60. Geburtstag gespendet“, sagte der 61-Jährige, „ich möchte mich damit nicht reinwaschen, ich stehe zu meinen Fehlern.“ Hoeneß rechnet nun mit einem „fairen Prozess“ und hofft, „dass die medialen Vorabverurteilungen nicht überhand nehmen“.

Rummenigge hatte Hoeneß zuvor einmal mehr seine volle Rückendeckung versprochen. „Ich bin sein Freund“, sagte der Vorstandsvorsitzende, „und Freundschaft zeigt sich gerade, wenn man bei Problemen zusammensteht. Wenn ich sehe, wie Sie, liebe Mitglieder, Uli heute gehuldigt haben, glaube ich, dass der gesamte FC Bayern sein Freund ist.“ Hoeneß versprach wenig später: „Ich werde diesem Verein dienen - bis ich nicht mehr atmen kann!“

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