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Interview

Badstuber: 'Endlich wieder richtig schwitzen'

Holger Badstuber kehrt zurück. Ab Freitag wird der Innenverteidiger des FC Bayern sein Rehaprogramm an der Säbener Straße abspulen. In den letzten Monaten arbeitete er im Rehazentrum von Klaus Eder in Donaustauf. Es ist der nächste Schritt auf Badstubers langem Weg zurück.

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 1. Dezember 2012, hatte sich der Innenverteidiger im Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund einen ersten Kreuzbandriss zugezogen. Fünf Monate später, im Mai, erlitt er einen erneuten Riss. Insgesamt vier Operationen musste der inzwischen 24-Jährige im vergangenen Jahr über sich ergehen lassen, zuletzt im September, als ihm ein Stück der Patellasehne seines linken Knies als neues Kreuzband im rechten Knie eingesetzt wurde.

Anzusehen ist Badstuber die lange Leidenszeit in keinster Weise. Die Krücken hat er längst in die Ecke gestellt, entspannt kommt er zum Interviewtermin mit fcbayern.de und spricht offen über die vergangenen Monate. Der deutsche Nationalverteidiger hat die Verletzung bestens weggesteckt.

Das Interview mit Holger Badstuber:

fcbayern.de: Holger, wie geht es Dir?
Badstuber: „Ich fühle mich sehr gut. Meine Reha läuft bislang prima, ich mache stetig Fortschritte. Ich bin zufrieden, weiß aber auch, dass noch viel harte Arbeit vor mir liegt.“

fcbayern.de: Es läuft also alles nach Plan?
Badstuber: „Das kann man so sagen. Im Vergleich zu der Zeit nach dem ersten Kreuzbandriss fühle ich mich viel besser. Ich bin auch einen Schritt weiter als zur gleichen Zeit damals. Zuletzt konnte ich Umfang und Intensität meiner Trainingszeiten steigern. Es tut so gut und macht so viel Spaß, endlich wieder richtig ins Schwitzen zu kommen.“

fcbayern.de: Du hast lange Wochen in Donaustauf gearbeitet. Tut es gut, jetzt an die Säbener Straße zurückzukehren?
Badstuber: „Der Kontakt zur Mannschaft hat mir gefehlt. Aber ich habe mich bewusst dafür entschieden, woanders mit der Reha zu beginnen. Ich wollte im Vergleich zum letzten Mal etwas anders machen, einen anderen Alltag haben und mich ganz auf mich und die Arbeit konzentrieren.“

fcbayern.de: Ganz allein warst du in Donaustauf aber nicht. Du hast dort zum Beispiel Mario Gomez, Sami Khedira und Hamit Altintop getroffen.
Badstuber: „Das hat gut getan. Wir haben viel über alte Zeiten gesprochen und uns gegenseitig geholfen. Ich glaube, wir haben alle von dieser zufälligen Konstellation profitiert. Und ich weiß jetzt alles über Knieverletzungen.“ (schmunzelt)

fcbayern.de: Vor ziemlich genau einem Jahr ist dein Kreuzband zum ersten Mal gerissen. Wie sehr beschäftigt dich dieser Tag noch?
Badstuber: „Klar denke ich in diesen Tagen daran, was vor knapp einem Jahr passiert ist. Aber ich hadere nicht damit. Das zurückliegende Jahr war sehr lehrreich für mich. Es gab viele Auf und Abs. Speziell der Rückschlag mit dem zweiten Riss war eine bittere Erfahrung. Aber ich glaube, ich bin in dieser Zeit als Mensch gewachsen. Ich habe viele neue Eindrücke gewonnen, auch abseits des Fußballs. Jetzt stehe ich vor einem Neuanfang und bin mir ganz sicher, dass ich auf den Platz zurückkehren werde.“

fcbayern.de: War der Schock nach dem erneuten Riss im Mai sogar größer als beim ersten Mal?
Badstuber: „Sicherlich ist auch das kein Tag, an den ich gerne zurückdenke. So etwas passiert nur ganz selten, bei mir war es leider der Fall. Aber es geht immer weiter! Ich habe jetzt ein neues Kreuzband und es geht mir richtig gut damit.“

fcbayern.de: Hattest du jemals Zweifel, ob du überhaupt wieder Leistungssport betreiben kannst?
Badstuber: „Nein, Zweifel gab es nie. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich mal einen richtigen Durchhänger hatte. Nach dem zweiten Riss habe ich mir gesagt: Okay, jetzt ist einfach alles nur aufgeschoben worden! Ich war immer felsenfest davon überzeugt, dass ich zu alter Stärke zurückkehren werde. Das haben mir die Ärzte auch immer gesagt. Daher hatte ich nie Zweifel an meiner vollständigen Genesung.“

fcbayern.de:Nach dem zweiten Riss bist du sofort in die USA zu Dr. Steadman gereist. Hat dir der räumliche Abstand in der Triple-Zeit gut getan?
Badstuber: „Es war genau die richtige Entscheidung. Die Mannschaft hat sich gerade auf das Finale in London vorbereitet, die Stimmung im ganzen Klub war super euphorisch – und ich konnte nicht dabei sein! Deswegen hat mir der räumliche Abstand gut getan. Ich konnte mich wieder ganz auf mich konzentrieren.“

fcbayern.de: Womit hast du dich in der Zwangspause abgelenkt?
Badstuber: „Ich habe Bücher gelesen, mich viel mit Musik beschäftigt oder mit Dingen, für die im normalen Profi-Alltag keine Zeit bleibt. Aber auch der Fußball war immer präsent. Ich habe mir alle Spiele unserer Mannschaft angeschaut, egal wo ich gerade war. Das Champions-League-Finale und eine Woche später das Pokalfinale in Berlin habe ich zum Beispiel in den USA live am Fernseher gesehen. Ich habe mitgefiebert und mich riesig für die Jungs gefreut.“

fcbayern.de: Deine Mitspieler haben nach beiden Triumphen dein Trikot in die Kamera gehalten. Was ging da in dir vor?
Badstuber: „Davon habe erst später im Internet erfahren, denn der US-Sender hat immer kurz nach Schlusspfiff die Übertragung beendet. Ich habe mich aber auch im Nachhinein riesig gefreut, dass die Mannschaft an mich gedacht hat. Diese Geste hat mich sehr gerührt. Das werde ich nie vergessen.“

fcbayern.de: Seit Sommer ist Pep Guardiola Cheftrainer beim FC Bayern. Wie ist euer Kontakt?
Badstuber: „Wir sind im ständigen Austausch. Er ist immer auf dem neusten Stand, was ich mache. Ich finde, er ist ein großer Gewinn für den FC Bayern. Er ist ein sehr akribischer Arbeiter, der das Team perfektionieren möchte. Ich denke, wir können mit seiner Art, Fußball zu spielen, noch einen Schritt nach vorne machen.“

fcbayern.de: Nächsten Sommer steht die Weltmeisterschaft auf dem Programm. Hast du die im Hinterkopf?
Badstuber: „Ich glaube, im Moment ist es das Beste für mich, wenn ich nicht an die WM denke. Ich schaue nur darauf, dass ich zu 100 Prozent wieder gesund und fit werde. Das ist für mich das A und O.“

fcbayern.de: Was wünscht du dir fürs neue Jahr?
Badstuber: „Gesund zu werden und dann auch zu bleiben, damit ich wieder Fußball spielen kann – mehr wünsche ich mir nicht.“

Das Interview führten: Dirk Hauser und Nikolaus Heindl.

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