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Jérôme Boateng im Interview

'Auch dieser Titel soll nach München'

Direkt neben einem Golfplatz, zwischen den Palmen, hausieren die Bayern in diesen Tagen in Agadir. Das Meer ist einige Kilometer entfernt. Zum Baden aber sind die Münchner so oder so nicht nach Marokko gereist, stattdessen will der FCB dem Jahr 2013 bei der Klub-Weltmeisterschaft die Krone aufsetzen. „Auch dieser Titel soll nach München“, kündigte Jérôme Boateng im Exklusiv-Interview mit fcbayern.de an, „natürlich merkt man, dass die Kräfte etwas nachlassen. Aber in zwei Spielen kann man noch einmal alles raushauen.“

Bayerns Innenverteidiger spricht im Interview aber nicht nur über die Klub-WM und den ersten Gegner Guangzhou Evergrande, sondern auch über seine rasante Entwicklung, die Herbstmeisterschaft, die Rückrunde und die anstehende WM in Brasilien.

Das Interview mit Jérôme Boateng

fcbayern.de: Jérôme, eine langes, kräftezehrendes Jahr geht bald zu Ende. Vorher aber könnt ihr euch auch noch Titel Nummer fünf schnappen - den des Klub-Weltmeisters. Wie viel Power steckt noch in euch?
Jérôme Boateng: „Das ist reine Kopfsache. Natürlich merkt man, dass die Kräfte etwas nachlassen. Aber in zwei Spielen kann man noch einmal alles raushauen - und das werden wir. Auch dieser Titel soll nach München!“

fcbayern.de: Die Euphorie in Marokko ist riesig. Welchen Stellenwert hat dieser Titel bei dir?
Jérôme Boateng: „Einen hohen. Wer weiß, ob ich jemals wieder die Chance bekomme, bei diesem Turnier mitzuspielen. Jeder Fußballer lechzt danach. Und wir dürfen dabei sein. Das ist schon Motivation genug.“

fcbayern.de: Am Dienstag geht es im Halbfinale gegen Guangzhou Evergrande. Was erwartet euch gegen den asiatischen Champions-League-Sieger?
Jérôme Boateng: „Wichtig wird sein, dass wir die Sache konzentriert angehen. Technisch und körperlich werden wir überlegen sein. Es geht gegen viele kleine, quirlige Spieler. Darauf müssen wir uns einstellen.“

fcbayern.de: Du hast kürzlich deinen Vertrag beim FC Bayern bis 2018 verlängert. Warum passt dieser Klub perfekt zu dir?
Jérôme Boateng: „Ich fühle mich einfach unheimlich wohl - und zwar vom ersten Tag an. Der Verein, die Fans, die Stadt München. Besser geht’s nicht. Ich bin stolz, Teil dieser super Mannschaft zu sein. Wer den FC Bayern einmal erlebt hat, will hier nicht mehr weg.“

fcbayern.de: Seit Samstag steht fest, dass ihr in diesem Jahr als Bundesliga-Tabellenführer überwintern werdet. Ist die Herbstmeisterschaft im Team ein Thema?
Jérôme Boateng: „Ich habe bislang nicht mitbekommen, dass auch nur irgendjemand darüber gesprochen hat. Und das ist auch gut so. Wir haben erst die Hälfte der Saison hinter uns. Für diesen inoffiziellen Titel können wir uns nichts kaufen. Aber: Die Ausgangslage für die Rückrunde ist jetzt natürlich bestens.“

fcbayern.de: Ist Leverkusen oder Dortmund der härteste Konkurrent im Meisterrennen?
Jérôme Boateng: „Durch die Niederlage der Leverkusener haben wir uns schon mal ein kleines Polster verschafft. Derzeit ist Leverkusen unser erster Verfolger, sie spielen eine starke Saison. Dortmund hatte viele Verletzte und wird in der Rückrunde, wenn einige Spieler wieder zurückkommen, sicher wieder viele Punkte einfahren. Entscheidend wird sein, dass wir nach dem Winter sofort da sind und nicht nachlässig werden.“

fcbayern.de: Das 2:3 gegen Manchester City war ein warnendes Beispiel…
Jérôme Boateng: „Ja, da haben wir gesehen, dass es nicht von alleine geht, dass man nicht lässig auftreten darf. Vor allem gegen Spitzenteams wird das sofort bestraft.“

fcbayern.de: Auch für dich lief es an jenem Abend nach zuletzt überragenden Leistungen nicht so gut. Wie gehst du persönlich mit so einem Spiel um?
Jérôme Boateng: „Ich bin sehr selbstkritisch. Klar, Fehler passieren, auch ich bin keine Maschine. Aber das fuchst mich schon. Als ich nach Hause gekommen bin, habe ich mir das ganze Spiel nochmal angeschaut und die Situationen sofort analysiert. Warum ist der Fehler passiert? Wie kam er zustande? Am nächsten Tag im Training versuche ich dann, solche Szenen nachzustellen und es richtig zu machen. Das klappt meist ganz gut.“

fcbayern.de: Insgesamt aber liegt ein unglaubliches Jahr hinter dir und der Mannschaft…
Jérôme Boateng: „Es war sicherlich das beste und erfolgreichste meiner bisherigen Karriere. Und hier in Marokko könnte ja noch ein Titel dazukommen.“

fcbayern.de: Auch du persönlich hast dich super entwickelt und lieferst tolle Leistungen ab. Was macht dich so stark?
Jérôme Boateng: „Ich habe einfach hart an mir gearbeitet. Im Zweikampf agiere ich cleverer, am Ball ruhiger, im Aufbauspiel präziser, im defensiven Kopfball dynamischer, im Stellungsspiel sicherer. Ich spüre schon, dass ich ein höheres Level erreicht habe. Aber ich bin noch jung und habe noch reichlich Potenzial. Vor allem beim offensiven Kopfball muss ich torgefährlicher werden. Es kann ja bei meiner Körpergröße nicht sein, dass ich den Ball mit dem schwachen Fuß in den Winkel schießen muss (wie beim 3:0 gegen Augsburg am 9. November, Anm.d.Red), damit ich mal treffe.“ (lacht)

fcbayern.de: Besonders beeindruckend ist deine Athletik und Schnelligkeit…
Jérôme Boateng: „Ich mache viele Schnellkraftübungen. Trotzdem gibt es auch da noch einiges zu tun. Als großer Spieler muss ich vor allem am Antritt, an den ersten fünf Metern und an schnellen Drehungen arbeiten.“

fcbayern.de: Im kommenden Jahr steht die WM in Brasilien an. Wie groß ist die Vorfreude?
Jérôme Boateng: „Bei der Auslosung hat es schon gekribbelt. Vor allem, als das Los Ghana gezogen wurde. Es geht wieder gegen meinen Bruder, das ist der Hammer. Ich hoffe natürlich, dass ich viel Spielzeit bekomme. Einfordern werde ich das aber nicht. Ich möchte den Bundestrainer durch Leistung von mir überzeugen. Jetzt liegt mein Fokus aber erst einmal wieder auf dem FC Bayern.“

Das Interview in Agadir führte: Nikolai Kube

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