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'Glück im Unglück'

Gruppensieg mit 'gewissen Lehren'

Da war es. Dieses penetrante Ziehen irgendwo zwischen Magen und Milz, dieses unangenehme Grummeln hinter der Bauchspeicheldrüse. In einem Jahr wie diesem bleibt es ja nicht aus, dass es so gut wie in Vergessenheit gerät. Dieses Gefühl, verloren zu haben. Am Mittwochabend meldete es sich zurück - und legte sich zuerst einmal wie Blei auf die Zungen. Fast wortlos klatschten sich die Spieler ab, Dante schüttelte unverständlich den Kopf, selbst Thomas Müller brachte nur mühsam eine Diskussion in Gang. Dieses 2:3 gegen Manchester City musste man erst einmal verdauen.

„Wir hätten leicht gewinnen können“, brachte Karl-Heinz Rummenigge die ganze Ambivalenz des Ergebnisses auf den Punkt. Denn schon nach zwölf Spielminuten hatten die Bayern nach Toren von Müller (5.) und Mario Götze (12.) 2:0 vornegelegen, hatten den Gegner total beherrscht. Rummenigge verglich Manchester in dieser insgesamt rund 20-minütigen Phase mit einem „taumelnden Boxer. Wir haben nur vergessen, den K.o.-Schlag anzusetzen. Das hat sich gerächt.“

David Silva (28.), Aleksandar Kolarov (58.) per Foulelfmeter (Dante: „Aus meiner Sicht war’s nichts.“) und James Milner (62.) bestraften die Nachlässigkeit der Münchner und sorgten für eine - da waren sich alle einig - unnötige Niederlage, die erste seit dem Supercup-Finale  Ende Juli, die insgesamt erst dritte des Jahres. „Man muss daraus gewisse Lehren ziehen. Ein Spiel ist nicht nach 20 Minuten beendet. Vor allem nicht gegen einen Gegner, der diese Qualität hat“, meinte Rummenigge, „diesen kleinen Vorwurf müssen wir uns machen: Dass wir ein Spiel, das man sicherlich hätte gewinnen können, fast müssen, noch aus der Hand gegeben haben.“

'Zu leichtfertig'

„Da sind so ein bisschen die Menschen in uns durchgekommen. Wir haben zu leichtfertig gespielt“, erklärte Müller den Bruch im Spiel des FC Bayern. „Nach unserem super Start haben wir es abreißen lassen. Da muss man in die Köpfe wieder mehr diesen Siegeswillen reinbrennen.“ Franck Ribéry meinte: „Nach dem 2:0 waren wir weniger konzentriert, haben vorne weniger Druck und zu viele Fehler gemacht. Vielleicht haben wir gedacht, das ist einfach heute.“

So fand Manchester zurück ins Spiel, fügte den Münchnern die erste Niederlage nach zehn CL-Siegen am Stück (Rekord!) zu und verhagelte dem FCB einen neuen Gruppenphasen-Klubrekord (6 Spiele, 6 Siege). „Es ist ein bisschen schade“, meinte Manuel Neuer, verwies aber auch darauf, „dass es nicht das allerwichtigste Spiel war“. Denn trotz Niederlage schlossen die Bayern die Gruppe auf Platz eins ab. „Es war Glück im Unglück“, sagte Rummenigge, „es ist nichts passiert. Es bleibt wie es ist: Wir sind Erster.“

'Traurig über das Ergebnis'

Vielleicht könne sich die Erfahrung gegen ManCity sogar noch als nützlich erweisen, meinte Pep Guardiola: „Eine Niederlage ist nie gut, aber vielleicht braucht dieser Verein, der Trainer und die Mannschaft eine Niederlage, um zu wissen, wie schwierig es ist, die Spiele zu gewinnen.“ Es war also ein Schuss vor den Bug, ein blaues Auge - ärgerlich, aber „nicht schmerzhaft“, wie Rummenigge sagte.

„Wir sind Gruppenerster, aber wir sind traurig über das Ergebnis“, fasste Ribéry den Abend zusammen. Jetzt gelte es, die Partie abzuhaken und am Samstag gegen den Hamburger SV zu „reagieren“, betonte der frisch gekürte französische Fußballer des Jahres. „Wir müssen, wollen gewinnen“, sagte auch Rummenigge, „weil wir dann vorzeitig Herbstmeister und unabhängig vom Ausgang des letzten Spieltag wären.“ Und jenes Gefühl von Mittwochabend darf sich ruhig wieder zwischen Magen und Milz verkriechen.

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