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Lahm im Interview, Teil 1

'Das waren Glücksgefühle, Gänsehaut pur'

Er ist Kapitän des FC Bayern. Er ist Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Familienvater. Und mittlerweile 30 Jahre alt. Philipp Lahm hat viele außergewöhnliche Momente erlebt. Das, was im Jahr 2013 geschah, setzte seiner tollen Karriere die Krone auf. Endlich münzte er mit dem FC Bayern die harte Arbeit der vergangenen Jahre in internationale Titel um.

Über die Weihnachtstage hatte der Nationalspieler ausreichend Zeit, um all die Erfolge im Kreise der Familie noch einmal Revue passieren zu lassen. Einige seiner Gedanken verriet er anschließend fcbayern.de. Im ersten Teil des Exklusiv-Interviews stehen die Klub-WM und der Champions-League-Triumph im Mittelpunkt.

Das Interview mit Philipp Lahm, Teil 1

fcbayern.de:
Philipp, hast du die Weihnachtszeit und den Weihnachtsbraten genossen?
Philipp Lahm: „Klar. Es war wie immer sehr gemütlich. Es gab Hirschrücken mit Spätzle. Heiligabend zieht sich immer etwas bei uns, weil die Schwiegermutter am 1. Weihnachtsfeiertag Geburtstag hat und wir so jedes Jahr bis 12 Uhr durchhalten müssen. Immerhin hat man dann viel Zeit für die Geschenke und das Essen.“ (lacht)

fcbayern.de: Wie sehr hast du den Urlaub nach dem ereignisreichen Fußball-Jahr 2013 herbeigesehnt?
Lahm: „Die freien Tage tun schon sehr, sehr gut. Es war super anstrengend - für den Körper, aber auch mental. Die Nationalspieler hatten auch jetzt in der Hinrunde fast nur englische Wochen. Da ist jeder froh, wenn es Richtung Winterpause geht. Aber wir hatten am Ende mit der Klub-WM ja nochmal ein schönes Highlight. Da fiel es leicht, die Kräfte zu bündeln. Es war das perfekte Ende eines unglaublichen Jahres.“

fcbayern.de: Klub-Weltmeister - wie klingt das nach ein paar Tagen Abstand für dich?
Lahm: „Immernoch genauso schön. Dieses Turnier in Marokko war eine tolle neue Erfahrung. Wer weiß, ob ich das jemals wieder erleben darf. Ich hoffe es natürlich, aber wir alle wissen, wie schwierig es ist, die Champions League zu gewinnen.“

fcbayern.de: Warum hat diese Klub-Weltmeisterschaft in Europa nicht diesen Stellenwert wie beispielsweise in Südamerika oder Asien?
Lahm: „Weil die besten Vereinsmannschaften nun mal in Europa spielen und die Champions League hier alles überstrahlt. Der Champions-League-Sieger hat im Normalfall eine so immense Qualität, dass man davon ausgehen muss, dass er die Teams aus den anderen Kontinenten im Griff hat - vielleicht mit Ausnahme der südamerikanischen Mannschaften.“

fcbayern.de: Hattest du nach dem Erfolg bei der Klub-WM Kontakt mit Jupp Heynckes?
Lahm: „Nein, in den letzten Tagen nicht. Aber generell schon. Wir schreiben uns regelmäßig SMS. Er hatte einen großen Anteil an unseren Erfolgen in diesem Jahr. Ohne ihn hätten wir nicht um den europäischen Supercup gespielt, ohne ihn wären wir nicht bei der Klub-WM gewesen. Das darf nicht vergessen werden.“

fcbayern.de: Es gab viele Highlights 2013. Was war persönlich dein größter Moment?
Lahm: „Wenn ich mich entscheiden muss, dann war es natürlich der Augenblick, als ich in London den Henkelpott in die Höhe gereckt habe. Das waren Glücksgefühle, die nur schwer zu beschreiben sind. Endlich hatte sich die harte Arbeit ausgezahlt, endlich hatte es geklappt, endlich hatte ich dieses Ding in meinen Händen. Das war einfach Gänsehaut pur, ein großartiger Moment.“

fcbayern.de: Erinnerst du dich noch an deine Gedanken, als du in Wembley die Treppen hinaufgestiegen bist…?
Lahm: „Ja, ganz genau! Ich habe an das Jahr davor gedacht, an diese unglaublich bitteren Minuten nach dem Finale in München. Das ist mir alles nochmal durch den Kopf geschossen. In London hat sich zum Glück alles zum Guten gewendet.“

fcbayern.de: Hast du dir den Champions-League-Triumph eigentlich jemals anschließend im TV angeschaut?
Lahm: „Nie in voller Länge und bewusst. Am Tag nach dem Sieg war ein Kumpel bei mir. Da lief das Spiel zwar zufällig nochmal im Fernseher, aber wir haben es nur nebenher laufen lassen.“

fcbayern.de: Was hat euch in diesem Jahr so unheimlich stark gemacht?
Lahm: „Nach dem Finale 2012 gab es zwei Möglichkeiten: Entweder man bricht als Mannschaft auseinander. Oder man wächst noch enger zusammen. Bei uns ist Letzteres eingetreten. Die Fußballtragik, diese bitteren Tränen haben wahnsinnige Kräfte bei uns freigesetzt. Das war unser größter Trumpf. Dass unser Kader sehr, sehr stark war und ist, kam ebenfalls dazu. Jeder war zur Stelle, wenn er gebraucht wurde.“

Das Interview führte: Nikolai Kube.

Im zweiten Teil des Interviews, das am Mittwochvormittag erscheinen wird, erklärt Lahm, warum er sich auf der Sechser-Position sofort zurechtgefunden hat. Zudem spricht der Kapitän über Pep Guardiola, Thiago und Mario Götze - und blickt voraus auf die anstehende Rückrunde…

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