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'Haben nicht existiert'

Weltmeister-Trainer lässt Guangzhou träumen

Als Deutschland sein Wunder von Bern feierte, träumte im knapp 9.300 Kilometer entfernten Guangzhou noch niemand von Toren und Triumphen. Jedenfalls nicht im Fußball. Denn während die Herberger-Elf den ersten deutschen Weltmeistertitel einfuhr, wurde das Guangzhou Football Team gerade erst gegründet. Fast 60 Jahre später aber spielen die Chinesen mit Weltmeistertrainer Marcello Lippi und neuem Namen gegen den FC Bayern um den Einzug ins Finale der Klub-Weltmeisterschaft.

„Gegen Bayern werden wir von 100 Partien 99 verlieren und nur eins gewinnen, aber vielleicht passiert das im nächsten Spiel“, hofft Lippi auf einen Sieg seines Klubs, den er seit seinem Amtsantritt vor 19 Monaten zu den Landestiteln zwei und drei in Serie führte. Höhepunkt seiner bisherigen Amtszeit ist der Gewinn der asiatischen Champions League, die ein chinesischer Verein zuletzt 1990 gewinnen konnte. „Wir haben das alles sehr schnell auf die Beine gestellt, vor eineinhalb Jahren haben wir international noch nicht existiert“, analysierte Lippi den Aufschwung.

'Es braucht Zeit'

Auch wenn mit Guangzhou Evergrande jetzt ein chinesisches Team um die Krone im Weltfußball kämpft, sieht Lippi den Fußball in China noch zurückhaltend. „Er beginnt, sich zwischen Tischtennis und Badminton Platz zu schaffen, aber es liegt noch ein langer Weg vor ihm“, erklärte der Italiener, der in seinem Team auf drei Profis aus Südamerika setzt. „Es ist eine Frage der Fußball-Kultur. In China habe ich damit begonnen, das einzuführen, aber es braucht Zeit.“ Vor allem in taktischer Hinsicht scheint noch Bedarf zu herrschen: „Mit 20 Jahren erst die Taktik zu lernen, ist viel Arbeit.“

Im Spiel gegen den Triple-Sieger dürfte Lippis Elf nicht weniger Arbeit verrichten müssen. Der Weltmeistercoach von 2006, der dem deutschen Sommermärchen mit Italien im Halbfinale ein schmerzhaftes Ende setzte, ahnt, was seiner Elf bevorsteht. „Bayern ist eines der besten Teams der Welt. Gegen sie zu spielen, wird eine der größten Befriedigungen in meiner Karriere sein“, so der fünfmalige Serie-A-Meistercoach.

Die Vereinsweltmeisterschaft wird auch von den chinesischen Medien als wichtiger Entwicklungsschritt angesehen. Selbst die zentralen Abendnachrichten des Staatsfernsehens erwähnten den 2:0-Sieg im Viertelfinale gegen Al-Ahly Kairo und das bevorstehende Spiel gegen den FC Bayern. Die Staatsagentur Xinhua sieht in den „berühmten und mächtigen Bayern“ gar ein „kosmisches Team“. Doch Pep Guardiola weiß: „Lippi hat viel Erfahrung. Wir müssen uns so gut wie möglich vorbereiten.“

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