präsentiert von
Menü
Katar-Interview

Sammer: 'Wir müssen schnell in die Spur kommen'

Tatsächlich. Es regnete am Montagvormittag in Doha - mitten in der Wüste. Den Trainingsbetrieb der Bayern störte dies freilich nicht, die Mannschaft wirkte äußerst konzentriert. Dies beobachtete auch Matthias Sammer, der die Einheiten im Volkswagen Camp Qatar von der Trainerbank aus am Spielfeldrand verfolgt. Mit fcbayern.de traf sich der Sportvorstand in Doha zu einem ersten Interview im Jahr 2014. Dabei erinnerte sich Sammer an seine eigene Zeit als Spieler, sprach über seine Erwartungen an das Trainingslager und die Entwicklung der Mannschaft.

Das Interview mit Matthias Sammer

fcbayern.de: Herr Sammer, wie war Ihr Urlaub?
Sammer:
„Ich habe die Zeit mit meiner Familie sehr genossen. Wir waren wie immer in Österreich. Ich konnte abschalten, obwohl auch im Urlaub immer wieder gewisse Themen einfach anstehen. Die arbeitet, telefoniert man dann ab. Das gehört dazu, ist aber zeitlich absolut begrenzt. Und da der Beruf ohnehin etwas Schönes für mich ist, etwas, das mich nicht belastet, konnte ich trotzdem total zur Ruhe kommen.“

fcbayern.de: Spätestens seit dem Lewandowski-Transfer ist der Urlaub für Sie vorbei...
Sammer:
„Das ist ein großer Transfer für den FC Bayern. Wir sind froh, dass er uns gelungen ist. Wir sind aber der Meinung, dass wir genug darüber gesagt haben. Robert Lewandowski ist ein Spieler von Borussia Dortmund, er soll sich jetzt voll auf seinen Klub konzentrieren. Auch ich werde mich jetzt nicht mehr groß dazu äußern. Robert Lewandowski ist erst ab nächsten Sommer Gesprächsthema bei Bayern München.“

fcbayern.de: Das Trainingslager in Katar hat begonnen. Waren Sie als Spieler gerne im Trainingslager?
Sammer:
„Nicht so gerne wie jetzt. Weil ich jetzt nicht mehr so hart arbeiten muss (schmunzelt). Früher war die Vorbereitung viel anstrengender. Erstens weil die Spielpausen länger waren, zweitens weil in punkto Leistungssteuerung und Sportwissenschaft andere Maßstäbe angesetzt wurden. Ich kann mich erinnern: Um diese Zeit waren wir immer mit Dynamo Dresden im Wintertrainingslager, da haben wir viermal am Tag trainiert - und das knapp zwei Wochen lang! Heute kann ich sagen: Es ist schön im Trainingslager.“

fcbayern.de: Was erwarten Sie von der Mannschaft in den kommenden Tagen und Wochen bis zum Rückrundenstart?
Sammer:
„Erst einmal hoffe ich, dass wir von Verletzungen verschont bleiben und zumindest Bastian Schweinsteiger im Laufe des Trainingslager ins Mannschaftstraining integriert werden kann. Basti ist ein bisschen weiter als Arjen Robben. Aber das wird man sehen. Bei den anderen hoffe ich, dass sie intensiv, konzentriert, fokussiert, diszipliniert, aber auch mit Freude und Leidenschaft arbeiten. Die Message ist relativ einfach: Von den ersten acht Pflichtspielen haben wir sechs auswärts! Wir müssen schnell in die Spur kommen, sowohl physisch als auch mental!“

fcbayern.de: Pep Guardiola hat zum Ende der Hinrunde gesagt, dass er mit den Ergebnissen und der Entwicklung der Mannschaft zufrieden sei. Wie zufrieden sind Sie?
Sammer: „Es war nicht zu erwarten, dass wir nach den Riesenerfolgen der letzten Saison in der Hinrunde solch herausragende Ergebnisse erzielen würden. Das ist eine ganz große Leistung der Mannschaft und des Trainers. Denn es war für alle Beteiligten eine neue Situation im letzten Sommer. Einerseits den Erfolg genießen zu wollen, andererseits zu wissen: Mit dem Start der neuen Saison, der Ankunft des neuen Trainers gilt es, wieder auf Angriffsmodus umzuschalten, offen zu sein für Entwicklung. Entwicklung ist notwendig, um Erfolg zu wiederholen. Stillstand bedeutet vielleicht ein bisschen Stabilität, aber auch Rückschritt.“

fcbayern.de: Guardiola sprach vor dem Urlaub auch davon, dass noch viel Arbeit auf die Mannschaft warte. Wie weit ist er in seinem ersten FCB-Halbjahr bei der Umsetzung seiner Ideen gekommen?
Sammer:
„Wir befinden uns in einem Prozess. Wir haben noch einmal eine Spielidee kennen gelernt, die nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann. Erst einmal sind die Ergebnisse das Wichtigste. Auf dieser Grundlage weiter im Detail zu arbeiten, die Mechanismen immer besser zu verstehen, darum geht es auch jetzt im Trainingslager.“

fcbayern.de: Mit nach Katar gereist sind auch drei Nachwuchstalente. Was geben Sie Julian Green, Alessandro Schöpf und Ylli Sallahi mit auf den Weg?
Sammer:
„Erst einmal ist es ein Signal des Trainers und des Vereins, dass wir weiter auf die zwei Säulen, gestandene Profis und junge Nachwuchsspieler, setzen. Diese drei Spieler haben sich angeboten, sie befinden sich in einer guten Entwicklung. Sie haben unser Vertrauen. Jetzt liegt es an ihnen. Sie müssen nur noch fliegen.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl.

Weitere Inhalte