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Überraschung im Regen

Ribéry, sein Entdecker und der goldene Ball

Tag 7 in Doha. Beim Vormittagstraining regnet es in Strömen. Zuschauer und Journalisten, suchen unter Bäumen und einem Zeltdach Unterschlupf. Einer steht unbeirrt im Regen, ganz nah am Rasen. Ohne Schirm, ohne Mütze, ohne Regenjacke. Das Wasser rinnt ihm übers Gesicht. Konzentriert beobachtet Jean Fernandez das Training, vor allem den Spieler, den er einst entdeckt hat: Franck Ribéry.

Es war vor ziemlich genau zehn Jahren. Im Februar 2004 gastierte das drittklassige Stade Brest im Achtelfinale des französischen Pokals beim FC Nantes - eine klare Sache für den Erstligisten (4:0), eine klare Sache für Fernandez. Nur eine Szene genügte dem damaligen Trainer des FC Metz: Als der linke Außenstürmer von Brest zwei Gegenspieler schwindelig spielte. „Da habe ich gewusst: Das wird einer“, erinnert sich Fernandez heute. Ein paar Monate später unterschrieb Ribéry in Metz seinen ersten Profivertrag.

„Oh!“ Die Überraschung steht Ribéry ins Gesicht geschrieben, als er in Doha nach der Einheit von seinem ehemaligen Trainer überrascht wird. Fernandez sei sein „geistiger Vater“, hat er die Beziehung zu seinem ersten Profitrainer mal beschrieben. Fernandez holte ihn 2005 auch von Galatasaray Istanbul nach Marseille und arbeitete dort noch ein Jahr mit ihm zusammen. Im Regen von Doha fallen sich beide in die Arme und verabreden sich für später im Mannschaftshotel.

Es gibt viel zu erzählen zwischen Europas Fußballer des Jahres und seinem Entdecker. Über Ribérys Nominierung bei der Weltfußballer-Wahl zum Beispiel. Nur noch 53 Stunden sind es bis zur feierlichen FIFA-Gala am Montagabend (18:30 Uhr) in Zürich, als Ribéry am Samstagmittag in Doha zur Pressekonferenz erscheint. Die Spannung steigt. „Ich schlafe gut“, berichtet der 30-Jährige, „Pep hat mir geraten, ruhig und locker zu bleiben - und den Pokal vor der Verleihung einfach zu schnappen und wegzulaufen.“

'Franck hätte es verdient'

„Nein, nur Spaß“, sagt Ribéry und lacht. Der FIFA Ballon d’Or, wie die Weltfußballer-Auszeichnung offiziell heißt, sei „ein Traum“, erzählt der Franzose. Und weiter: „Das ist ein großer Titel. Ich habe eine große Chance. 2013 war mein bestes Jahr, mit der Mannschaft, aber auch individuell.“ Ribéry weiß aber auch: „Ich habe eine super Konkurrenz.“ Namentlich Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. „Ich bin so glücklich, dass ich mit diesen zwei großen Spielern dabei bin.“

Wenn es nach den Bayern geht, kann der Sieger aber nur Franck Ribéry heißen. „Für mich ist klar, dass Franck es dieses Jahr verdient hätte“, sagt Philipp Lahm, der als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft mit abstimmen durfte. „Ich habe Franck gewählt.“ Auch Matthias Sammer hofft, dass Ribéry am Ende die Nase vorne hat: „Franck war der kompletteste und beste Spieler. Er bringt seine individuelle Qualität in die Mannschaft so ein, dass sie erfolgreich ist.“ Ein Sieg Ribérys ist für Sammer „die logische Konsequenz“.

'Immer 100 Prozent für die Mannschaft'

Der FCB-Sportvorstand betonte in Doha noch einmal die Entwicklung Ribérys in den letzten Jahren: „Neben dem, was er in der Offensive ohnehin gut konnte, arbeitet er in der Defensive so gut, so diszipliniert und teamorientiert mit.“ Die Teamkollegen zahlten ihm das ihrerseits zurück: „Ich habe selten erlebt, dass eine Mannschaft einen Spieler so unterstützt. Das hat mit seiner Entwicklung zu tun.“

„Die Mannschaft vertraut mir. Sie weiß, was ich kann. Sie merkt auch sofort, wenn es mir mal nicht gut geht“, erzählt Ribéry. Zwei Tore zu schießen, aber am Ende 2:3 zu verlieren, sei für ihn keine Option. „Ich bin kein Egoist. Ich gebe immer 100 Prozent für die Mannschaft.“ Jean Fernandez kann stolz sein.

Für fcbayern.de in Doha: Nikolaus Heindl

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