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Geburtstagsinterview

'FCB kann auf seine 114 Jahre stolz sein'

Happy birthday, FC Bayern München! Der amtierende Klub-Weltmeister wird am heutigen Donnerstag 114 Jahre alt. Eine große Feier wird zwei Tage vor dem wichtigen Bundesliga-Heimspiel gegen Schalke 04 nicht steigen - es ist ja schließlich auch kein runder Geburtstag. Dennoch werde man den Klub „in gebührender Art und Weise hochleben lassen“, erklärt Karl-Heinz Rummenigge im exklusiven Geburtstagsinterview mit fcbayern.de. Der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters blickt aber nicht nur auf die große Geschichte des FC Bayern zurück, sondern analysiert auch ausführlich das aktuelle Geschehen.

fcbayern.de: Herr Rummenigge, der FC Bayern München wird am Donnerstag 114 Jahre alt. Wird im Vorstand darauf angestoßen?
Rummenigge: „Wir werden den FC Bayern in gebührender Art und Weise hochleben lassen. Wir haben eine große Geschichte, ganz speziell die letzten 30, 40 Jahre waren sehr erfolgreich. Der FC Bayern kann auf seine 114 Jahre stolz sein. Euphorie lassen wir aber keine aufkommen. Eine richtig große Feier gab es nur beim 100-Jährigen, als Loriot eine phänomenale Laudatio gehalten hat.“

fcbayern.de: Es liegt das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte hinter dem Verein…
Rummenigge: „Ja. Es war einfach wunderbar. Wir schreiben gerade eine Erfolgsgeschichte, die wir in dieser Art und Weise noch nicht erlebt haben. Wir hatten viele große Mannschaften. Angefangen in den 70er Jahren mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier, die damals dreimal in Folge den Europapokal der Landesmeister gewonnen haben. Eine unglaubliche Leistung! Aber es war eine andere Zeit. Das, was wir heute an Qualität auf dem Platz und auf der Trainerbank haben, ist absolute Extraklasse. Der Klub erlebt gerade seine vielleicht bislang beste Phase.“

fcbayern.de: Sind Sie stolz, an der Spitze dieses Klubs zu stehen?
Rummenigge: „Wir hatten einmal einen Vizepräsident namens Hans Schiefele. Der hat nach Siegen immer gesagt: 'Ruhig bleiben, meine Herren, wir alle dienen nur dem FC Bayern.'“

fcbayern.de: Der FC Bayern hat am vergangenen Wochenende in Hannover in der Bundesliga zum 14. Mal in Serie gewonnen. Konnten Sie auch dieses Spiel auf der Tribüne genießen?
Rummenigge: „Ich genieße derzeit jedes Spiel - auch wenn es mal enger zugeht wie in London. Die Mannschaft hat individuell überragende Qualität. Aber: Diese Qualität muss in einer Philosophie gebündelt sein. Genau das haben Jupp Heynckes und jetzt Pep Guardiola hinbekommen. Es ist in jedem Spiel eine Handschrift, ein total klarer Plan zu erkennen. Und wir treten gegen jeden Gegner mit dem nötigen Respekt an. Ich habe Pep noch nie arrogant reden hören. Das gefällt mir besonders und ist mir damals schon in seiner Zeit beim FC Barcelona aufgefallen. Unsere Sympathiewerte sind so hoch wie nie zuvor. Das ist auch ein Verdienst von Pep.“

fcbayern.de: Welchen Anteil hat Pep Guardiola am derzeitigen Erfolg?
Rummenigge: „Dieser Mann ist ein Glücksfall für Bayern München, weil er eine Qualität und einen Fleiß an den Tag legt, der seinesgleichen sucht. Alles, was im Moment für die Öffentlichkeit so locker aussieht, ist von Montag bis Freitag hart erarbeitet. Diese Intensität im Training, die ich regelmäßig von meinem Büro aus beobachten kann, ist ein Meilenstein. Es ist kein Zufall, dass wir diese Erfolgsstory schreiben.“

fcbayern.de: Sind 19 Punkte Vorsprung in der Liga eine Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft?
Rummenigge: „Es ist ein unglaublich großer Vorsprung. Es gab noch nie eine Mannschaft, die nach 22 Spieltagen so viele Punkte hatte. Aber: Wir gehen weiter souverän und ruhig mit der Situation um, wir feiern uns nicht selbst.“

fcbayern.de: Bastian Schweinsteiger kehrte am Sonntag in die Startelf zurück. Wie wichtig ist er für den FC Bayern?
Rummenigge: „Bastian ist ein Musterbayer. Er ist hier groß geworden, hat sich als junger Spieler etabliert und ist extrem beliebt bei den Fans. Ich bin froh, dass er uns in diesem letzten Saisondrittel, der heißen Phase, die jetzt ansteht, wieder zur Verfügung steht. Wir brauchen ihn, um unsere Ziele zu erreichen. Genau wie Franck Ribéry. Er ist für jede gegnerische Defensive ein Schreckgespenst. Wir wissen um seine Qualität.“

fcbayern.de: Am kommenden Samstag geht es zu Hause gegen Schalke. Was erwarten Sie von dieser Partie?
Rummenigge: „Schalke hatte - mit Ausnahme des Real-Spiels - einen guten Rückrundenstart. Aber fest steht: Wir wollen unsere Serie aufrechterhalten und gewinnen, um weiter in diesem positiven Rhythmus zu bleiben. Jeder Sieg gibt uns mehr Selbstvertrauen, mehr Sicherheit.“

fcbayern.de: Blicken wir noch einmal zurück auf das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League beim FC Arsenal. Hatten Sie in den ersten brenzligen Minuten Bedenken, es könnte schiefgehen?
Rummenigge: „Es ist Standard in England, dass die Mannschaften raus kommen und sofort attackieren. Vor allem zu Hause. Fast hätten sie uns überrascht. Aber nach dem gehaltenen Elfmeter haben wir zu unserer Dominanz zurückgefunden. Dann kam schnell die Hoffnung zurück, dass wir als Sieger vom Platz gehen.“

fcbayern.de: Manuel Neuer zeigte ein großes Spiel...
Rummenigge: „Er ist ja nicht zufällig zum Welttorhüter des Jahres 2013 gekürt worden. Er ist ein fantastischer Torwart. Spieler wie er machen in großen Spielen den Unterschied. Darüber hinaus ist er auch ein wunderbarer Mensch. Leute wie er tun dem FC Bayern gut.“

fcbayern.de: Können Sie sich überhaupt noch einen anderen im Bayern-Tor vorstellen?
Rummenigge: „Das müssen wir derzeit nicht. Manu hat einen Vertrag bis 2016. Ich kann mir gut vorstellen, dass er sehr, sehr lange bei uns spielen wird. Er ist glücklich - und wir sind es auch!“

fcbayern.de: Wie muss die Mannschaft das Rückspiel gegen den FC Arsenal angehen?
Rummenigge: „Anders als im letzten Jahr. (lacht) Man sollte aber nicht zu sehr an dieses Spiel von damals denken. Da lief vieles schief. Beim 0:1 ist einer ausgerutscht. Dann hatten wir viele Chancen, die nicht genutzt wurden. Am Ende mussten wir zittern. Aber es ist uns vielleicht eine Lehre. Wir werden auch in dieses Spiel mit dem notwendigen Respekt gehen.“

fcbayern.de: Der FC Bayern hat auch dieses Jahr noch Chancen auf alle Titel…
Rummenigge: „Wir sind auf einem sehr guten Weg, was die Verteidigung der Deutschen Meisterschaft betrifft. Das ist der Titel, den wir als Ziel ausgegeben haben. Im DFB-Pokal sind wir gegen Kaiserslautern Favorit, keine Frage. Für eine Prognose zur Champions League ist es mir zu früh. Sollten wir gegen Arsenal weiterkommen, stehen wir erst im Viertelfinale. Ich träume nachts nicht vom Triple, aber ich weiß, dass jeden einzelnen Tag alles getan wird, um diese Mannschaft physisch, taktisch und mental bestens vorzubereiten. Das lässt uns ruhig schlafen.“

fcbayern.de: Im Sommer steht eine Weltmeisterschaft an, die Vorbereitung auf die Saison 2014/15 wird dadurch beeinträchtigt. Wie sehen die Planungen - Stand Ende Februar - aus?
Rummenigge: „Final muss das alles noch abgestimmt werden. Natürlich wird es nicht so leicht, weil der FC Bayern wahrscheinlich weltweit das größte Kontingent abstellen wird. Und die Bundesliga beginnt ja bereits am 22. August wieder. Wir müssen Sorge tragen, dass die Spieler ausreichend Zeit zur Regeneration haben. Sicher ist, dass wir wieder ins Trainingslager ins Trentino gehen werden. Zudem reisen wir Ende Juli nach Amerika. Dort sind zwei bis drei Spiele geplant. New York und Portland stehen als Spielorte bereits fest.“

fcbayern.de: Der FC Bayern ist zuletzt auf die Fans zugegangen - unter anderem mit einer freien Blockwahl in der Südkurve. Wie hat sich das Verhältnis entwickelt?
Rummenigge: „Wir haben ein wunderbares, harmonisches und kooperatives Miteinander gefunden. Ich hoffe, dass das lange aufrechterhalten werden kann. Wir werden unseren Beitrag dafür leisten und nehmen die Wünsche der Fans sehr ernst. Wo auch immer sich Möglichkeiten der Verbesserung ergeben, werden wir diese wohlwollend prüfen. Auf der anderen Seite bin ich glücklich darüber, dass Probleme der Vergangenheit - wie die Pyrotechnik - kein Thema mehr sind. Wir tun gut daran, diesen Status Quo weiter partnerschaftlich zu leben.“

Das Interview führte: Nikolai Kube.

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