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Urlaub statt Party

Voller Lebensfreude! Sepp Maier wird 70

Eine Feier zum 70. Geburtstag? Nein, danke. „Was will ich denn im Februar feiern? Da kannst du ja nicht mal in nen Biergarten gehen!“ Okay, dieses Jahr wäre es vielleicht sogar möglich gewesen. Sepp Maier hat sich trotzdem dagegen entschieden. „Wir wollten ihm eigentlich ein großes Fest bereiten. Aber er hat uns in seiner unnachahmlichen Art und Weise erklärt, dass er in den Urlaub fährt und in Ruhe seinen Festtag feiern möchte“, verriet Karl-Heinz Rummenigge, der dem Rekordspieler des FC Bayern (473 BL-Einsätze) im Namen des Klubs zum 70. gratuliert: „Sepp hat für Bayern München etwas Außergewöhnliches dargestellt. Ich hatte das große Glück, mit ihm zusammenzuspielen.“

Josef Dieter Maier, Deutschlands Torhüter des 20. Jahrhunderts, wusste die Menschen zu begeistern - als Sportler, aber auch als Entertainer. Wenn er auf Banketts nach großen Spielen unter die Tische krabbelte und Kollegen die Schnürsenkel verknotete, weil die „doch Verbundenheit demonstrieren sollen“. Wenn er Kaninchen im Medizinkoffer des Teamarztes versteckte oder während der 90 Minuten durch den Strafraum hechtete, um Luftballons zum Platzen zu bringen und Enten zu jagen.

„Ich bin eher ein Situationskomiker“, erklärte der „Karl Valentin des Fußballs“ im Gespräch mit fcbayern.de, „die Menschen sollen lachen. Nur darum geht’s mir. Mein Antlitz spiegelt wieder, dass ich bisher ein glückliches Leben hatte und immer ein positiver Mensch war.“ Nun wird Maier 70 - von seiner „großen Lebensfreude“ hat die „Katze von Anzing“ nichts, rein gar nichts, eingebüßt.

Er lacht. Er scherzt. Und erzählt Geschichten aus seiner bewegten Vergangenheit, als hätte er sie erst gestern erlebt. So kurios es auch klingen mag: Der gelernte Maschinenschlosser hatte nicht immer im Tor gestanden. Seine große Karriere begann er als Rechtsaußen beim TSV Haar, wo er sogar Torschützenkönig wurde. Aushilfsweise stellte ihn sein damaliger Trainer zwischen die Pfosten. Sein Team verlor 0:12 - Maier überzeugte dennoch und schaffte den Sprung in eine oberbayerische Jugendauswahl.

Als Maier dort vom Coach als Nummer 1 aufgestellt wurde, fiel er aus allen Wolken. „Herr Weiß, ich bin doch kein Torwart, sondern Stürmer. Ich habe auch gar keine Torwartklamotten dabei“, erinnerte sich Maier. Verhindern konnte das seinen Einsatz als Keeper nicht - zum Glück. „Wir haben 3:1 gewonnen und ich habe zwei Elfmeter gehalten - was mir nie wieder in meinem Leben gelungen ist.“

1958, im Alter von 15, führte Maiers Weg zum FC Bayern, 1962 erhielt er seinen ersten Profivertrag, 1963 löste er Fritz Kosar als Stammtorhüter ab. Die Achse Sepp Maier - Franz Beckenbauer - Gerd Müller gewann in den kommenden Jahren alles, was es zu gewinnen gab (siehe Tabelle 'Erfolge'). „Ich bin stolz zu der Generation gehört zu haben, die den Grundstein für das gelegt hat, was der FC Bayern heutzutage darstellt: ein nationaler und internationaler Spitzenklub“, sagte Maier.

Verrückt: Zwischen 1966 und 1979 absolvierte die Torwartlegende 442 BL-Spiele in Serie - ein Rekord für die Ewigkeit. Ob es an der speziellen Sportlernahrung lag? „Da haben wir am Abend vor dem Spiel einen Schweinsbraten gegessen und dazu gab’s ein Weißbier“, blickte Maier zurück, „der Bulle Roth hat vorm Spiel immer drei Stück Torte gegessen - und es hat ihm gutgetan.“ Heutzutage undenkbar.

1979 fand seine aktive Laufbahn ein jähes Ende. Bei einem Autounfall wurde Maier schwer verletzt. Er sprang dem Tod gerade so von der Schippe, weil Uli Hoeneß seinen Kumpel geistesgegenwärtig in ein anderes Krankenhaus verlegen ließ. „Ein paar Stunden noch, dann wäre es um mich geschehen gewesen. Dann wäre ich jetzt nicht hier, sondern seit 35 Jahren unter der Erde“, dankte Maier seinem „Lebensretter“ Hoeneß.

Auch als Torwarttrainer vollbrachte Maier Großes. Als 1994 Hoeneß bei ihm anrief und erzählte, er habe „einen Edelstein aus Karlsruhe gekauft. Sepp, schleif ihn dir zum Diamanten“, zögerte er nicht lange. Bis 2008 bildete er mit Oliver Kahn ein unzertrennliches und erfolgreiches Duo. Heute begegnen sich beide gelegentlich auf dem Golfplatz - neben dem Wandern („Da hat man seine Ruhe und sieht, wie schön doch die Welt ist.“) Maiers Lieblingsbeschäftigung.

Zu Besuch in der Allianz Arena ist der 70-Jährige kaum. Auf diesen Trubel verzichtet er gerne. Stattdessen genießt er jedes Spiel gemütlich auf der Couch. „Ich bin begeistert. Es macht Spaß zuzuschauen. Die spielen echt super“, so Maier, „unsere damalige Mannschaft würde gegen die heutige zehn Stück kriegen.“ Er lacht verschmitzt, gönnt sich eine Priese Schnupftabak - und sieht dabei einfach nur glücklich und zufrieden aus.

Die FC Bayern Erlebniswelt ehrt Sepp Maier zu seinem 70. Geburtstag mit einer Sonderausstellung. „Das kann ich den Fans nur empfehlen“, so Karl-Heinz Rummenigge. Ab Sonntag, den 16. März 2014, können Besucher von Deutschlands größtem Vereinsmuseum im angrenzenden Veranstaltungsraum in die Welt der Torwart-Legende eintauchen. Es warten spannende private und sportliche Geschichten der „Katze von Anzing“ - von ihm persönlich multimedial und emotional präsentiert.

Für Besucher der FC Bayern Erlebniswelt ist der Besuch der Sonderausstellung kostenlos.

http://fcb-erlebniswelt.de/de/news/news/2014/sepp-maier.php

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