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Interview

Pizarro: 'Der FC Bayern muss immer oben sein'

Seine Haare triefen noch vom Training, die Füße stecken in Badelatschen, schnell greift er sich noch eine Flasche Wasser - abgekämpft, aber bestens gelaunt ging Claudio Pizarro ins Zwiegespräch mit fcbayern.de. Der 35-Jährige - seines Zeichens ausländischer Rekordspieler (363 Spiele) und Rekordtorschütze (169 Tore) der Bundesliga - spielt inzwischen seine achte Saison im Trikot des FC Bayern (2001-07 und seit 2012). Im Interview spricht er über Meisterschaften, Titelhunger, Pep Guardiola und das Leben als Peruaner in Deutschland.

Das Interview mit Claudio Pizarro

fcbayern.de: Pizza, vor den anstehenden englischen Wochen hattet ihr gestern Abend noch einmal die Gelegenheit, in Ruhe zusammenzusitzen und die fünf Titel des letzten Jahres Revue passieren zu lassen. Wie war’s?
Pizarro: „Noch einmal an die fünf Titel zurückzudenken und miteinander darauf anzustoßen, war sehr schön. Das Jahr 2013 war außergewöhnlich. Es war auch etwas Besonderes, Jupp Heynckes wiederzusehen. Das hat mich sehr gefreut.“

fcbayern.de: Die Titel des letzten Jahres sind Geschichte, ein neuer Titel ist bereits in Sichtweite: die Deutsche Meisterschaft. Erinnerst du dich noch an deine erste Meisterschaft?
Pizarro: „Natürlich, 2003 war das. Die erste Meisterschaft ist immer etwas Besonderes, aber auch wenn man es schafft, einen Titel zu verteidigen. Die Meisterschaft 2003 war aber etwas ganz Großes für mich: Es war mein erster Meistertitel in Europa!“

fcbayern.de: Alle deine bisherigen vier Meisterschaften hast du bei einem Auswärtsspiel perfekt gemacht.
Pizarro: „Wirklich? Das wusste ich gar nicht. Und diesmal wird es vielleicht auch wieder so sein. Das ist natürlich Pech, auch für unsere Fans in der Allianz Arena, mit denen wir gerne sofort feiern würden. Aber es ist halt so. Wichtig ist, dass wir überhaupt Meister werden. Und die große Feier mit den Fans werden wir nachholen.“

fcbayern.de: Schon am Samstag in Mainz könnte die Titelverteidigung perfekt sein. Vielleicht dauert es aber auch noch ein bisschen länger. Hast du einen Wunschtermin?
Pizarro: „Es ist wirklich völlig egal, wann. Wichtig ist, dass wir den Titel bald in der Tasche haben und uns auf die anderen Wettbewerbe konzentrieren können. Ich bin überzeugt, dass wir wieder das Triple gewinnen können. Wir haben eine super Mannschaft, einen super Trainer.“

fcbayern.de: Vor 13 Jahren bist du zum ersten Mal nach München gewechselt. Wie war das damals für dich?
Pizarro: „Ich war noch sehr jung und kam zum amtierenden Champions-League-Sieger. Das war nicht einfach. Ich hatte großen Respekt vor den Spielern. Heute bin ich einer der Ältesten. Ich versuche, der Mannschaft dabei zu helfen, oben zu bleiben. Der FC Bayern muss immer oben sein.“

fcbayern.de: Mit deiner Erfahrung bist du heute eine Art Elder Statesman in der Mannschaft. Siehst du das auch so?
Pizarro: „Ja. Meine Erfahrung hilft mir viel. Jeder Spieler will natürlich immer spielen. Mit der Zeit habe ich aber zu verstehen gelernt, dass alle Spieler sehr wichtig sind. Nur gemeinsam können wir unsere Ziele erreichen. Ich versuche daher, fit zu sein und meine Chance zu nutzen, wenn ich sie bekomme.“

fcbayern.de: Der Spieler, mit dem du am längsten zusammenspielst, ist Bastian Schweinsteiger. Er kam 2002 zu den Profis. Wie hat er sich seitdem verändert?
Pizarro: „Bastian ist jetzt fast 30, hat viel Erfahrung und ist einer der wichtigsten Spieler beim FC Bayern. Er ist heute immer noch hungrig, er will immer noch alles gewinnen. Wichtig ist aber auch, dass er noch immer der Spaßbursche von früher ist, wenn auch ein bisschen ruhiger als damals.“

fcbayern.de: Du bist jetzt lange Jahre Profi. Was hast du bei Pep Guardiola noch dazugelernt?
Pizarro: „Ich wusste natürlich, welche Titel er mit Barcelona geholt hat. Und ich habe Vieles gehört, bevor er hierher gekommen ist. Wir wussten, dass wir einen großen Trainer bekommen. Jetzt arbeiten wir seit fast einem Jahr mit ihm und konnten sehen, warum er so groß ist. Seine Philosophie von Fußball, sein System, wie er den Gegner analysiert, wie er uns auf den Gegner einstellt... Es ist einzigartig, wie fokussiert er arbeitet.“

fcbayern.de: Pep Guardiola hat erzählt, dass du am Anfang seiner Zeit in München der wichtigste Mann für ihn warst. Wobei hast du ihm denn geholfen?
Pizarro: „In ein fremdes Land zu kommen, ist nicht einfach. Ich kenne inzwischen die deutsche Mentalität, ich kenne die Spieler und den Verein. Da konnte ich ihm bei der einen oder anderen Sache helfen.“

fcbayern.de: Du bist 1999 nach Deutschland gekommen. Was war für dich die größte Umstellung?
Pizarro: „Die Pünktlichkeit. (lacht) Auch wenn das für mich nicht so schwer war. Meine Frau sagt immer, dass ich Deutscher geworden bin. Auch Ordnung und Organisation sind unglaublich hier. Und die Sauberkeit. Als ich aus Peru nach Deutschland gekommen bin, war es ein großer Schock für mich, wie sauber es hier ist.“

fcbayern.de: Dein Vertrag beim FC Bayern läuft Ende der Saison aus. Weißt du schon, wie es dann weitergeht?
Pizarro: „Ich weiß, dass ich 35 Jahre alt bin. Aber ich habe keine Eile. Ich will erst einmal die Saison zu Ende spielen und Titel holen. Im Sommer werde ich dann sehen, wie es weitergeht. Ich will auf jeden Fall noch weiter Fußball spielen.“

fcbayern.de: Hast du dir grundsätzlich schon einmal Gedanken gemacht, was du nach deiner aktiven Karriere machen willst?
Pizarro: „Auf jeden Fall etwas mit Fußball. Konkret weiß ich es aber noch nicht. Trainer werde ich jedenfalls nicht, das kann ich ausschließen.“

fcbayern.de: Wirst du mit deiner Familie nach Peru zurückkehren?
Pizarro: „Wir bleiben in Europa, das ist sicher. Ich würde gerne in München bleiben, aber meine Familie ist sich noch nicht ganz sicher. Der Winter...“

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