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'Spezieller Moment'

Meistermacher Guardiola genießt - und will mehr

Für einen Moment fiel die ganze Last ab, für einen Moment ließ er den Gefühlen freien Lauf. Als Mario Götze nach knapp einer Viertelstunde in Berlin das 2:0 gelang, riss Pep Guardiola die Arme in die Höhe. Ein klitzekleines Meisterlachen war nicht zu übersehen. Doch nur für zwei, drei Sekunden. Dann schaltete Guardiola wieder in den Arbeitsmodus um, gab David Alaba detaillierte Anweisungen - und strahlte erst wieder, als dann um 21:50 Uhr endlich zu 100 Prozent feststand: Guardiola ist zum ersten Mal Deutscher Meister. Mit dem FC Bayern München!

„Für mich ist es das ein sehr spezieller Moment“, erklärte der 43-Jährige später in den Katakomben des Berliner Olympiastadions. Er bedankte sich bei Uli Hoeneß, bei Karl-Heinz Rummenigge, bei Matthias Sammer, die ihm „die Möglichkeit gegeben haben, diese überragenden Spieler trainieren zu dürfen“. Ein bescheidener, demütiger Mann mit Stil, dieser Pep Guardiola. Sich selbst lobte der Spanier natürlich nicht. Das übernahmen andere - Matthias Sammer zum Beispiel.

„Ich kann nur betonen, dass es nicht so einfach war für Pep Guardiola, das von Jupp Heynckes im letzten Jahr Aufgebaute weiterzuführen und noch ein bisschen zu verändern“, merkte der Sportvorstand an. Man habe mit Guardiola einen Trainer gefunden, „der wunderbar zu diesem Klub und dieser Mannschaft passt. Er ist nicht nur ein guter Fachmann, sondern auch ein fantastischer Mensch.“ Rummenigge hatte Guardiola erst kürzlich als „einen Glücksfall für den FC Bayern“ bezeichnet.

'Noch mehr Druck nach vorne'

Die Spieler, die tagtäglich mit dem spanischen Fußballlehrer zusammenarbeiten, bestätigen die Meinung ihrer Bosse. „Wir sind froh, dass wir Pep Guardiola haben. Er bringt uns weiter“, sagte Manuel Neuer. Teamkollege Toni Kroos beschrieb den Coach, der nun seine erste Meisterschaft außerhalb Spaniens holte, als „unglaublich engagiert, akribisch und detailliert. Und dazu total menschlich und sympathisch. Es ist beeindruckend, wie er mit uns arbeitet.“

Und so ist es kein Zufall, dass es Guardiola gelungen ist, diesen FC Bayern, der schon in der vergangenen Saison unter Heynckes Fußball zelebrierte, spielerisch und ergebnistechnisch noch einmal auf ein höheres Level zu hieven. „Wir schalten bei Ballbesitz noch schneller um, wollen direkt ins Gegenpressing und den Ball zurückgewinnen“, erklärte Kroos. Für Arjen Robben ist die größte Änderung, „dass wir noch mehr dominieren wollen, noch mehr Druck nach vorne machen“.

Unabhängig vom weiteren Saisonverlauf in Champions League und DFB-Pokal - es ist schon jetzt eine außergewöhnliche erste Saison unter Guardiola, denn: „Als Trainer zu einer Mannschaft zu kommen, die gerade das Triple gewonnen hat, ist nicht einfach“, weiß Kroos. Guardiola hat genau die richtigen Mittel gefunden, um den Erfolg fortzuführen. Sein erster Meistertitel mit dem FC Bayern ist der Lohn dafür. Ein „bisschen Rotwein und ein bisschen Weißwein“ versüßten ihm die Berliner Nacht. Völlig ausgelassen aber ging es nicht zu. Denn Pep bleibt Pep. Er will mehr!

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