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'Kirche im Dorf lassen'

FCB schüttelt sich und blickt nach vorne

Es lief die 81. Minute in der Münchner Allianz Arena, als die Fans des FC Bayern voller Inbrunst sangen: „Wir sind stolz auf unser Team, halleluja!“ 0:3 stand es zu diesem Zeitpunkt aus Sicht des deutschen Rekordmeisters im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid, der Traum von der Endspielteilnahme in Lissabon war da längst geplatzt. Am Ende musste sich der FCB den Königlichen gar mit 0:4 (0:3) geschlagen geben; es war die höchste Heimniederlage der Münchner in ihrer Europacup-Geschichte. Der guten Stimmung der Fans tat dies aber keinen Abbruch.

„Ich muss mich bei den Zuschauern bedanken. Sie haben großartig gearbeitet und uns wunderbar unterstützt“, lobte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die FCB-Anhänger, die vor dem Anpfiff in der mit 68.000 Zuschauern ausverkauften Arena eine großartige Choreographie präsentierten und während des gesamten Spiels ihre Mannschaft nach vorne peitschten. „Leider haben wir zu wenig Kapital daraus geschlagen“, fuhr Rummenigge fort. „Wir haben ein Stück zu wenig Leidenschaft in die Waagschale gelegt, um dem Gegner Probleme zu bereiten.“

Nicht so dominant

„Nach vorne spielen, unser Spiel spielen und Tore schießen“ hatte Arjen Robben vor der Partie gegen den spanischen Rekordmeister als Devise ausgegeben, um den 0:1-Rückstand aus dem Hinspiel wett zu machen und zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren das Endspiel der Königsklasse zu erreichen. Doch leider kam es ganz anders. „Wir hatten sehr viel Hoffnung. Die Stimmung war sehr gut, die Fans haben uns unterstützt. Wir haben von der ersten Minute an angegriffen, kriegen dann zwei Gegentore. Dann weißt du, dass es vorbei ist“, sagte Robben hinterher enttäuscht.

Anders als im Hinspiel vor einer Woche in Madrid agierte der Titelverteidiger im eigenen Stadion nicht so dominant wie gewohnt. „Der Grund, warum wir verloren haben, ist, wir hatten keinen Ballbesitz“, analysierte Bayern-Trainer Pep Guardiola. „Wenn du gegen diese tollen Spieler von Real keine Spielkontrolle hast, hast du keine Chance“, meinte der 43 Jahre alte Spanier, der die Schuld für die Niederlage gegen seine Landsleute auf sich nahm. „Heute hatten wir nur ganz wenige Chancen. Wir haben schlecht gespielt, das ist meine Verantwortung, da habe ich mich vertan.“

'Eine riesen Enttäuschung'

Mit zwei Kopfbällen nach Standardsituationen zerstörte Innenverteidiger Sergio Ramos (16./20. Minute) schon früh alle Münchner Hoffnungen auf eine historische Titelverteidigung. „Dann stehst du erst mal da und schaust dich blöd an, was ist hier los?“, schilderte Thomas Müller den Moment nach dem Doppelschlag der Spanier. Weltfußballer Cristiano Ronaldo (34./89.) besiegelte mit zwei weiteren Treffern den ersten Sieg der Madrilenen im zehnten Gastspiel in München. „0:4 zuhause ist knallhart. Das ist eine riesen Enttäuschung“, erklärte Robben.

„Wir haben ein Stück weit unsere Grenzen aufgezeigt bekommen“, erkannte Rummenigge die Überlegenheit der Spanier an. „Sie haben uns in der Offensive nicht zur Entfaltung kommen lassen und in der Defensive mit ihren schnellen Spielern in Verlegenheit gebracht. Real Madrid ist im Moment eine großartige Mannschaft.“ Auch Sportvorstand Matthias Sammer räumte nach dem Schlusspfiff ein, dass Real „sich in beiden Spielen verdient durchgesetzt hat. In solchen Situationen muss man gratulieren, Größe zeigen und sich eingestehen, dass wir leider recht deutlich verloren haben. Wir sind nicht gern Verlierer, aber wir müssen auch akzeptieren, dass ein Anderer besser war.“

Nächstes Ziel: Pokalsieg

Nach zuletzt 38 Partien nacheinander in der Champions League muss sich der FCB am 24. Mai nun erstmals wieder mit der Zuschauerrolle begnügen. „In den letzten fünf Jahren waren wir drei Mal im Finale, vier Mal im Halbfinale. Es tut mir leid, da bin ich noch immer stolz auf meine Mannschaft“, erinnerte Robben daran, dass die Bayern seit 2010 immer unter den letzten Vier standen. Auch Thomas Müller befand, man solle die „Kirche im Dorf lassen. Wir waren in den letzten eineinhalb Jahren durchgehend erfolgreich, jetzt haben wir wieder mal eine Klatsche bekommen. Wir werden uns jetzt nicht drei Wochen in den Keller sperren. Es war immerhin ein Champions-League-Halbfinale.“

Und so richtet sich im Lager der Münchner nach dem Halbfinal-Aus der Blick bereits nach vorne, zumal nicht viel Zeit zum „Wunden lecken“ (Rummenigge) bleibt. „Jetzt müssen wir uns schütteln“, appellierte Sammer dahingehend, die zwei noch ausstehenden Bundesligaspiele gegen den Hamburger SV und den VfB Stuttgart „ordentlich“ zu bestreiten, um in guter Verfassung in das anstehende DFB-Pokalfinale am 17. Mai gegen Borussia Dortmund zu gehen. „Dort wollen wir den Titel holen, weil wir aus einer guten eine sehr gute Saison machen wollen.“

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