präsentiert von
Menü
Standing Ovations

Hoeneß' emotionaler Auftritt

Es war kein leichter Gang, aber die Bayern-Familie empfing Uli Hoeneß mit offenen Armen. Mit minutenlangem Applaus, Standing Ovations und „Uli Hoeneß“-Sprechchören wurde der 62-Jährige auf der Außerordentlichen Hauptversammlung am Freitagabend im Audi Dome begrüßt. Exakt sieben Wochen nach seinem Rücktritt stärkten die 1.593 anwesenden Vereinsmitglieder ihrem langjährigen Präsidenten, Vorstand, Manager und Spieler den Rücken, nachdem dieser in einem Steuerprozess zu einer Haftstrafe verurteilt worden war und daraufhin seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender zur Verfügung gestellt hatte.

„Uli Hoeneß ist Kopf, oft Bauch, stets Herz und immer Seele von Bayern München“, betonte Karl Hopfner, der sich direkt an Hoeneß wandte, ehe er im Laufe des Abends zu seinem Nachfolger gewählt wurde: „Lieber Uli, du hast eine tolle Familie. Du hast aber auch eine Familie, die zu dir steht, in unserem Klub. Für die dir bevorstehende sehr schwere Zeit wünschen wir dir die nötige Kraft. Du kannst in aller Ruhe entscheiden, was du danach machen möchtest.“

'Werde mich nicht zur Ruhe setzen'

Sichtlich ergriffen trat Hoeneß um 19:14 Uhr selbst ans Rednerpult. „Das wird jetzt eine schwere Rede“, begann er und bedankte sich für die „einfühlsamen Worte“ Hopfners. „Sie haben gut getan - wie mir alles gut tut, was von Seiten des Klubs, der Mitglieder und vieler Fans an mich und meine Familie herangetragen wird“, sagte Hoeneß und berichtete von „tausenden Briefen“, die er in den letzten Wochen erhalten habe.

Es wird eine emotionale Rede, in der Hoeneß einen Blick in sein Innerstes gewährt und nicht verhehlt, wie sehr ihm und seiner Familie die Berichterstattung in den letzten Monaten zugesetzt hat. In den letzten Monaten  habe er „etwas in mir entdeckt, was ich nie hatte: Hass. Und Hass ist nie gut! Er ist kein guter Ratgeber, kein Wegbegleiter“, sagte Hoeneß und versicherte: Er werde alles dafür tun, „dieses Wort wieder aus meinem Kopf hinauszubekommen.“

Er habe „einen Riesenfehler“ gemacht. „Dafür muss ich die Konsequenzen tragen“, weiß der 62-Jährige, der ankündigte, nach der Haft seinem FC Bayern wieder mit Rat und Tat zur Verfügung zu stehen: „Ich werde für alles gerade stehen. Und dann, wenn ich zurück bin, werde ich mich nicht zur Ruhe setzen. Das war’s noch nicht!“

'Mit ruhigem Gewissen'

Zunächst einmal verabschiedet sich Hoeneß aber „mit ruhigem Gewissen. Ich mache mir um diesen Verein überhaupt keine Sorgen.“ Der Klub ruhe „in sich selbst“, betonte der ehemalige Präsident. Alle Gremien - von Vorstand über Präsidium bis Verwaltungsbeirat - befänden sich „in einem phantastischem Zustand. Das ist ein Traum. Wenn ich den FC Bayern irgendwann hätte malen müssen, dann hätte ich ihn so gemalt, wie er sich jetzt darstellt: als große Familie, als bald mitgliederstärksten Verein der Welt, in dem die Mitglieder wirklich was zu sagen haben.“

Am Ende seiner viertelstündigen Ansprache gab es wieder minutenlang Standing Ovations im Audi Dome. „Ich finde es wunderbar, dass du gesagt hast: Du kommst zurück. Das freut mich“, sagte Karl-Heinz Rummenigge. Und Hopfner drückte Hoeneß „ein ganz herzliches Dankeschön für dein bisheriges Wirken in unserem Klub“ aus. Eine Ehrung durch den Klub habe Hoeneß abgelehnt, berichtete der neue FCB-Präsident, „aber, lieber Uli, aus unserer Sicht ist das nur aufgeschoben und nicht aufgehoben.“

Weitere Inhalte