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Belgiens 'großer Bruder'

Van Buyten: 'Wir haben nichts zu verlieren'

Abends klopft Daniel van Buyten im Teamhotel in Mogi das Cruzes häufig noch mal an die Zimmertüren seiner Kollegen. Der Routinier vom FC Bayern kümmert sich bei der WM besonders um die vielen jungen Spieler im belgischen Kader. „Ich bin der große Bruder und versuche, so viel wie möglich mit den Jungs zu reden“, sagt der 36-Jährige, „das wird vielleicht ein langes Turnier für uns, und es nicht gut, wenn Spieler etwas mitschleppen, mit dem sie sich nicht wohl fühlen.“

Van Buyten spricht aus Erfahrung. Er ist der einzige Akteur in der Mannschaft der allseits als Geheimfavoriten gehandelten Belgier, der bereits an einer Fußball-WM teilgenommen hat. In Japan und Südkorea war er vor zwölf Jahren eine feste Größe bei den Roten Teufeln. Damals „saß ich sehr oft alleine im Zimmer“, verriet der Abwehrhüne. Nervös und besorgt.

In seiner kürzlich erschienen Biografie Big Dan erinnert er sich: „Auf dem Hinflug saß ich zum ersten Mal in einer großen Boeing. Ich habe schlecht geschlafen. Ich war sehr nervös. Ich habe nicht gut gespielt und habe mir Sorgen gemacht, dass meine Eltern und meine Frau darunter leiden, was in Belgien in den Zeitungen über mich geschrieben wurde. Dieser Stress hätte mich beinahe erledigt“.

Auftakt am Dienstag gegen Algerien

Mit all seiner Erfahrung will Van Buyten jetzt seinen jungen Teamkameraden - Belgien stellt in Brasilien die zweitjüngste Mannschaft - zur Seite stehen. „Es gibt junge Spieler, die Angst haben, bei Problemen zum Trainer zu gehen, weil sie denken, dass sie dann vielleicht nicht spielen. Zu mir können sie immer kommen. Alles, was wir bereden, bleibt unter uns“, sagte der Innenverteidiger, der 2013 mit dem FC Bayern als erster Belgier überhaupt den Triumph in der Champions League feierte.

Die Erwartungshaltung in der Heimat sei „sehr hoch. Wir haben aber auch selbst sehr hohe Ansprüche“, berichtete der 36-Jährige vor dem ersten Duell am Dienstag gegen Algerien (18 Uhr/Belo Horizonte). „Wir waren seit zwölf Jahren nicht bei einer WM. Wir können nicht gleich sagen, dass wir den Cup gewinnen wollen. Bei uns ist es nicht wie bei Deutschland. Wir haben nichts zu verlieren“, sagt Van Buyten. Diese letzten Worte haben sicher auch schon einige der Spieler gehört, bei denen der Routinier an die Zimmertür klopfte.

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