präsentiert von
Menü
Anruf in New York

NYC-Fanclub: 'Wir können es kaum erwarten'

Times Square, Empire State Building, Freiheitsstatue, Wall Street, Broadway, Central Park... Inmitten von Manhattan weht auch die Fahne des FC Bayern. Dafür sorgt der Fanclub New York City, einer von bislang 20 Fanclubs des deutschen Rekordmeisters in den USA, der einzige in New York.

Vor gut zwei Jahren (Februar 2012) gründete Matthias Schmitt diesen Treffpunkt für alle Bayern-Fans. Der 42-Jährige stammt aus dem Badischen, 1996 verschlug es ihn in die USA, seit neun Jahren lebt er in New York, wo er als freischaffender TV-Produzent tätig ist. Mit fcbayern.de sprach Schmitt über das Leben als Bayern-Fan in New York, deutsche Fanclub-Kultur und seine Vorfreude auf den FC Bayern, der am Mittwoch im Big Apple seine Audi Summer Tour USA starten wird.

Das Interview mit Matthias Schmitt

fcbayern.de: Herr Schmitt, wie kommt man auf die Idee, in New York einen Bayern-Fanklub zu gründen?
Schmitt: „Was ich hier in den USA immer vermisst habe, ist das Vereinsleben. Dass man gemütlich zusammensitzt, Fußball schaut und sich austauscht, so etwas gibt es hier einfach nicht. Und da ich schon seit meiner Kindheit Bayern-Fan bin - seit der Zeit von Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge in den späten 70er/frühen 80er Jahren - habe ich mir gedacht: Es muss doch genug Bayern-Fans in New York geben, um einen Fanclub aufzumachen. Es hat sich dann wunderbar entwickelt. Der Fanclub ist stetig gewachsen, von einer Handvoll Leute bis zu etwa 160 Mitglieder heute.“

fcbayern.de: Wie reagieren Ihre amerikanischen Arbeitskollegen, wenn Sie von Ihrem Fanclub erzählen?
Schmitt: „Es ist schon eine gewisse Verwunderung da. In den amerikanischen Sportarten geht man ins Stadion, schaut sich das Spiel an und geht danach wieder heim. Unterhalb der Profimannschaften gibt es High-School- und Collegeteams - nicht solche Vereine wie in Deutschland, wo man von der F-Jugend bis zu den Alten Herren alle Stufen durchläuft. Wo man trainiert, spielt und im Vereinsheim gesellig zusammensitzt. Das ist den Amerikanern völlig fremd.“

fcbayern.de: Wie kommen Ihre amerikanischen Fanclubmitglieder mit dieser deutschen Vereinskultur zurecht?
Schmitt: „Für die ist es wie ein zweites Oktoberfest, das viele schon besucht haben. Zusammensitzen, Bier trinken, singen - unsere Amerikaner fühlen sich wie im Bierzelt auf der Theresienwiese. Wir treffen uns ein-, zweimal im Monat zum Stammtisch, wir schauen zusammen Fußball, ab und zu treten wir selbst gegen den Ball. Regelmäßig besuchen wir in Manhattan auch die Biergärten. Davon gibt es hier einige, auch wenn nicht jeder beer garden tatsächlich auch einen Garten hat.“

fcbayern.de: Wie groß ist denn der Anteil der Deutschen in Ihrem Fanclub?
Schmitt: „Nur circa 25 Prozent sind Deutsche. Wir sind multikulturell aufgestellt und haben eine große Bandbreite an Kulturen, Sprachen und Hintergründen. Dadurch sind wir auch eine prima Anlaufstelle für alle Bayern-Fans, die neu sind in dieser Riesenstadt. Im Fanclub findet man ganz schnell jede Menge neuer Freunde.“

fcbayern.de: Wie muss man sich das vorstellen, wenn Sie mit dem Fanclub Fußball schauen? Wenn bei uns am Samstag um 15:30 Uhr Anstoß ist, sitzen Sie gerade beim Frühstück.
Schmitt: „Ja. Das ist bei uns um halb zehn Uhr morgens, also wirklich Fußball zum Frühstück. Oder zum Brunch, wie man hier sagt. Wir treffen uns in unserer Stammkneipe. Da gibt es auch schon Bier.“

fcbayern.de: Wie unterscheidet sich das Fußball-Schauen in New York zum Kneipenbesuch in Deutschland?
Schmitt:
„Der große Unterschied ist vielleicht, dass in Deutschland nicht nach jedem Tor gesungen wird. Wir hier in New York sind sehr singfreudig.“

fcbayern.de: Was singen Sie denn?
Schmitt:„Nach jedem Tor machen wir die Ansage, die auch Stephan Lehmann in der Allianz Arena macht: 'Toooooooor für den FC Bayern! Torschütze in der soundso-vielten Minute war unsere Nummer... ' Oder: 'Auf geht’s, Bayern, schießt ein Tor! ' Die gängigen Fangesänge eben, die man auch unseren englischsprachigen Mitgliedern einfach beibringen kann.“

fcbayern.de: Wie fremd ist den Amerikanern immer noch die Sportart Soccer?
Schmitt: „Ich lebe jetzt 18 Jahre in den USA und habe festgestellt: Von Weltmeisterschaft zu Weltmeisterschaft werden Verständnis und Affinität zum Fußball hier größer. Am Anfang war das noch eine kleine Subkultur, jetzt gibt es immer mehr Soccer-Fans. In allen größeren Städten gibt es Jugendakademien und Teams, in denen Kinder Fußball spielen. Hier in New York findet Soccer sowieso großen Anklang, weil die Stadt so multikulturell ist. Es gibt hier auch gleich drei Profi-Teams: Red Bull, Cosmos und den neuen New York City FC.“

fcbayern.de: Während der WM gingen Bilder von feiernden und jubelnden Amerikanern um die Welt. Ist wirklich Soccer-Fieber ausgebrochen?
Schmitt: „Es war wirklich so, die Bilder täuschen nicht. Schade nur, dass die USA schon im Achtelfinale ausgeschieden sind. Die Euphorie hat natürlich immer auch mit dem sportlichen Erfolg zu tun.“

fcbayern.de: Gehen Sie nach dem WM-Triumph der deutschen Mannschaft eigentlich anders durch die Stadt?
Schmitt: „Es ist schon so, dass man als Deutscher ein bisschen aufrechter geht. Man wird auch ständig auf den WM-Titel angesprochen und sieht immer wieder jemanden im Deutschland-Trikot durch die Stadt laufen.“

fcbayern.de: Und jetzt kommt der FC Bayern. Wie groß ist Ihre Vorfreude?
Schmitt: „Erst der Gewinn des WM-Titels, jetzt die Bayern - das ist fantastisch! Wir haben als Fanclub ein tolles Rahmenprogramm vorbereitet und freuen uns auch auf die anderen Bayern-Fans, die in die Stadt kommen. Wir haben schon regen E-Mail-Kontakt mit Leuten aus Baltimore, Philadelphia, Washington und Montreal, die zum Spiel nach New York kommen.“

fcbayern.de: Wie sieht das Fanclub-Programm denn konkret aus?
Schmitt: „Zunächst einmal werden wir am Mittwoch das Training besuchen, danach auch noch das Legenden-Spiel in Brooklyn. Am Donnerstag sind wir dann natürlich beim Spiel gegen die Chivas. Davor treffen wir uns schon in unserer Stammkneipe. Wir haben auch ein riesiges Banner und T-Shirts angefertigt, von denen wir einige den Bayern als Willkommensgeschenk überreichen werden. Am Freitagabend machen wir dann noch eine große Sause für alle Bayern-Fans in New York.“

fcbayern.de: Gibt es einen Münchner, auf den Sie sich ganz besonders freuen?
Schmitt: „Auf Pep Guardiola natürlich, der ja selbst ein Jahr in New York gelebt hat. Aber wir freuen uns zum Beispiel auch auf Robert Lewandowski. Oder auf Holger Badstuber, der sich so stark zurückgekämpft hat. Natürlich ist es schade, dass die deutschen Weltmeister nicht mit in New York sein werden. Aber wir haben dafür Verständnis. Egal! Der FC Bayern kommt! Wir können es kaum erwarten!“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl.

Weitere Inhalte