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Martin Demichelis im Interview

'Als erstes an die Säbener Straße'

Wenn der FC Bayern am Mittwochabend den englischen Meister Manchester City zum ersten Gruppenspiel der neuen Champions-League-Saison empfängt, gibt es ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten: Martín Demichelis. Fast acht Jahre trug der Innenverteidiger das Trikot des Rekordmeisters, mit dem er zahlreiche Titel gewann. Nach einem zweijährigen Gastspiel beim FC Málaga landete er im Sommer 2013 bei den Citizens. Vor seiner Rückkehr nach München nahm sich der erste Argentinier in Diensten des FCB lange Zeit zum Interview mit fcbayern.de und sprach über den Saisonstart, das bevorstehende Spiel gegen seinen ehemaligen Klub und das verlorene WM-Finale gegen Deutschland.

Das Interview mit Martín Demichelis

fcbayern.de: Servus Martin! Willkommen zurück in München! Als Titelverteidiger seid ihr mit zwei Siegen, einem Unentschieden und einer Niederlage in die neue Spielzeit gestartet. Wie beurteilst du den bisherigen Saisonverlauf?
Martín Demichelis: „Der Auftakt war für uns - wie auch für den FC Bayern - nicht einfach. Viele Spieler sind spät von der WM zurückgekommen, in der Vorbereitung war das Team selten vollzählig. Letzte Woche waren dann auch wieder viele mit ihren Nationalmannschaften unterwegs, von daher war es schon schwierig. Aber wir haben sieben von zwölf Punkten geholt, nächstes Wochenende spielen wir zuhause gegen den FC Chelsea. Wenn wir gewinnen haben wir zehn von 15 Punkten, und dabei schon gegen Liverpool, Arsenal und Chelsea gespielt. Damit könnten wir durchaus zufrieden sein.“

fcbayern.de: Du bist als Vize-Weltmeister als einer der letzten Spieler ins Training eingestiegen. Wie steht es um deine Form?
Demichelis: „Die ersten beiden Spiele waren hart, ich hatte nur zehn, zwölf Tage Vorbereitung. In der Länderspielpause habe ich aber nur ein Spiel bestritten und bin zurück zum Verein, um dort zu trainieren. Da habe ich körperlich einiges aufholen können und inzwischen fühle ich mich wieder ganz gut.“

fcbayern.de: Am letzten Wochenende hast du das wichtige 2:2 gegen Arsenal erzielt. War das der erste Gruß an den FC Bayern?
Demichelis: (lacht) „Nein, nein. Das war mein erstes Kopfballtor für City, letzte Saison habe ich zwei Mal mit dem Fuß getroffen. Für einen Abwehrspieler ist es immer schön, auch mal ein Tor zu schießen, in erster Linie besteht meine Aufgabe ja darin, welche zu verhindern. In dem Fall war es doppelt schön, weil es ein wichtiges Spiel war und dann auch noch das Tor, das der Mannschaft einen Punkt gesichert hat.“

fcbayern.de: Wohin würdest du als erstes fahren, wenn du privat nach München kommen würdest?
Demichelis: „Da muss ich nicht lange überlegen, ich denke als erstes würde ich an die Säbener Straße fahren. Da sind noch so viele Leute die ich gerne treffe, ob Spieler wie Claudio Pizarro, Bastian Schweinsteiger oder Philipp Lahm, die medizinische Abteilung mit den Physios Gerry Hofmann, Fredi Binder, Gianni Bianchi und Stephan Weickert, die Zeugwarte - einfach alle Menschen im Verein, die ich in all den Jahren kennenlernen durfte. Das wäre definitiv der erste Ort, den ich aufsuchen würde.“

fcbayern.de: Besteht noch Kontakt noch zum FC Bayern?
Demichelis: „Natürlich. Mit Claudio, mit Basti und mit Philipp habe ich regelmäßig Kontakt. Nach dem Länderspiel gegen Deutschland letzte Woche habe ich mich noch lange mit Basti unterhalten. Aber ich stehe auch noch mit Spielern in Verbindung, die nicht mehr bei Bayern sind. Bixente Lizarazu zum Beispiel, oder Roque Santa Cruz und Zé Roberto.“

fcbayern.de: Du hast als Spieler viele Länder kennen gelernt. Wo wirst du leben, wenn du deine Karriere beendet hast? Argentinien? England? Deutschland? Spanien?
Demichelis: „Das ist eine Frage die, je älter ich werde und umso weniger Zeit mir als Spieler bleibt, immer häufiger aufkommt, bei mir und innerhalb der Familie. Ohne Zweifel hängt unser Herz an Argentinien, das ist unsere Heimat. Aber wir hatten viele gute Jahre in München und auch zwei sehr schöne Jahre in Marbella, wohin wir auch nach dem Wechsel nach England immer wieder zurückkehren. Argentinien und Marbella sind sicherlich die im Moment beiden großen Alternativen, aber diese Frage kann man in dem Job nie wirklich seriös beantworten, ehe es soweit ist.“

fcbayern.de: Eine Frage zum WM-Finale muss erlaubt sein: Wie sehr schmerzt die Niederlage noch?
Demichelis: „Das war natürlich eine Niederlage, die weh tut und an die man wohl nie vergessen wird. Wir haben gegen Deutschland ja nicht so klar verloren wie zuvor Brasilien, wo die deutsche Mannschaft sehr, sehr überlegen war. Wir haben gegen den großen Favoriten das Spiel offen gestaltet, hatten selbst zwei, drei klare Torchancen, diese aber leider nicht genutzt. Da sind die Enttäuschung, der Ärger und der Schmerz über die Niederlage im ersten Moment riesengroß. Auf der anderen Seite dürfen wir nicht undankbar sein. Man muss anerkennen, dass Deutschland ein würdiger Sieger war, wir ein hervorragendes Turnier gespielt und unser Land gut vertreten haben. Man darf nicht vergessen, dass Argentinien in den letzten 24 Jahren nie über das Viertelfale hinausgekommen ist. Von daher haben das die Menschen in unserem Land sehr genossen.“

fcbayern.de: Für dich persönlich lief die WM sehr gut. Du warst plötzlich Stammspieler. Auch bei Manchester City bist du gesetzt in der Innenverteidigung. Bist du mit jetzt 33 Jahren ein noch besserer Spieler als damals in München? Wo genau hast du dich verbessert?
Demichelis: „Es besteht kein Zweifel darin, dass mich die Erfahrung, in verschiedenen europäischen Topligen zu spielen, enorm weitergebracht hat. Der Spielstil in Spanien unterscheidet sich sehr von der Bundesliga, jetzt in England geht es noch einmal ganz anders zur Sache. Ich würde sogar sagen, dass für einen Abwehrspieler die Premier League die vielleicht schwerste Prüfung darstellt. Da wird man physisch und psychisch immer bis zum Maximum gefordert. Nicht zuletzt dadurch bin ich noch in den WM-Kader gerutscht. Aber auch die Zeit in Málaga war wichtig und hat mir geholfen, mich weiterzuentwickeln. Jeder hat ja gedacht, ich mache da Urlaub und lasse die Karriere ausklingen. Und dann sind wir in der Champions League erst im Viertelfinale gegen Dortmund ausgeschieden. Die Summe all dieser Erfahrungen, und das Alter, haben sicherlich dazu beigetragen, dass ich mich insgesamt verbessert habe.“

fcbayern.de: Du kennst die Allianz Arena seit ihrer Eröffnung. Mit was für einem Gefühl wirst du dort am Mittwoch einlaufen?
Demichelis: „Ehrlich gesagt ist jede Rückkehr nach München etwas ganz Besonderes für mich und mit vielen Emotionen verbunden. Und dieses Mal sogar noch etwas mehr, wenn ich in dem Stadion spielen kann, das ich so gut kenne und in dem ich so oft spielen durfte. Für mich ist die Allianz Arena eines der schönsten Stadien der Welt. Ich werde es sehr genießen, gegen den Klub zu spielen, der mir so viel bedeutet und dem ich so viel zu verdanken habe. Das wird sicher wieder eine sehr emotionale Angelegenheit für mich.“

fcbayern.de: Wie beurteilst du Manchesters Ausgangslage in der Gruppe mit Bayern, Rom und Moskau?
Demichelis: „Die Gruppe ist sogar noch stärker als im Vorjahr, mit Rom haben wir den italienischen Vizemeister anstelle von Viktoria Pilsen als Gegner. Ich denke, die Gruppe ist sehr ausgeglichen, sehr schwer, da kann dich der kleinste Fehler schon das Weiterkommen kosten. Aus diesem Grund fahren wir nach München mit der Absicht, drei Punkte zu holen und damit optimal in diese schwere Gruppenphase zu starten. Wir wollen in dieser Saison mindestens so weit kommen wie im letzten Jahr, also ins Achtelfinale. Ein großes Ziel ist der Gruppensieg, um dann einem der Topteams aus dem Weg zu gehen. Das wird sicher nicht einfach, aber wir werden es versuchen. Man muss sich immer die höchsten Ziele setzen.“

fcbayern.de: Was für ein Spiel erwartest du am Mittwoch?
Demichelis: „Jetzt auf den FC Bayern zu treffen ist für uns die beste Prüfung, um zu sehen, auf welchem Niveau wir uns befinden. Bayern ist wie immer einer der Topfavoriten auf den Titel und am Mittwoch werden wir sehen, wo wir stehen und wo wir uns noch verbessern müssen. Ich erwarte ein ausgeglichenes Spiel zweier Mannschaften, die ähnliche Qualitäten haben. Beide sind auf Ballbesitz aus, wollen offensiv spielen und stellen sich nicht hinten rein. Ich freue mich sehr auf das Spiel.“

Das Interview führten: Nikolaus Heindl und Carsten Zimmermann

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