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Paderborns Kachunga im Interview

'Wir wollen die Atmosphäre aufsaugen'

Der überraschende, aber wohlgeplante Aufstieg des SC Paderborn sorgte in der ostwestfälischen Stadt für einen nie dagewesen Fußball-Boom. In Rekordzeit verzehnfachte der nächste Gegner des FC Bayern seine Mitgliederzahl – und ein Ende der Euphorie ist nicht abzusehen. Erst recht nicht vor dem Spitzenspiel in München, zu dem der Liga-Neuling als Tabellenführer reist.

Erfolgreich gestartet ist der SC Paderborn auch dank Stürmer Elias Kachunga, der mit drei Treffern aus vier Spielen bisher zu den besonders auffälligen Akteuren gehörte. Im exklusiven Interview mit fcbayern.de spricht der U21-Nationalstürmer über den gelungenen Auftakt, das Spitzenspiel beim FCB - und einen alten Bekannten im Bayern-Kader.

Das Interview mit Elias Kachunga

fcbayern.de: Hallo, Herr Kachunga! Haben Sie eigentlich einen Farbdrucker zuhause?
Kachunga: „Ja, klar. Wieso?“

fcbayern.de: Weil Sie sich doch bestimmt die Tabelle ausgedruckt haben.
Kachunga: „Ach so! (lacht) Nein, das nicht. Natürlich habe ich sie mal fotografiert oder einen Screenshot gemacht, sie ist schließlich eine schöne Momentaufnahme. Aber wir machen kein großes Ding daraus. Unser Ziel ist der Klassenerhalt, und bis dahin ist es noch ein weiter Weg.“

fcbayern.de: Mal ehrlich: Wenn ein Hellseher Ihnen vor der Saison gesagt hätte, dass Sie am 5. Spieltag als Tabellenführer zum FC Bayern fahren - was hätten Sie geantwortet?
Kachunga: „Ich hätte ihm den Vogel gezeigt und mein Geld zurückgefordert (lacht). Es ist eine super Sache, nach München zu kommen – und das noch als Tabellenführer. Vor allem aber freuen wir uns auf das Spiel. Es ist etwas Besonderes für uns, hierher zu fliegen und beim FC Bayern zu spielen – und nicht wie in den Jahren zuvor bei 1860.“

fcbayern.de: Trainer André Breitenreiter sieht im SC Paderborn den „krassesten Außenseiter der Bundesliga-Geschichte“. Wie ein Außenseiter sind Sie in den ersten vier Spielen aber nicht aufgetreten.
Kachunga: „Von den Rahmenbedingungen her sind wir wirklich nur krasser Außenseiter, weil andere Vereine bessere Möglichkeiten haben als wir. Aber auf dem Platz wollen wir alles geben, jeder kämpft für den anderen und macht die Meter. Wir haben jeden Tag Spaß zusammen. Deshalb läuft es gut im Moment.“

fcbayern.de: Ihr Präsident Wilfried Finke hat vor dem Saisonstart zehn Punkte aus den ersten vier Spielen gefordert. Geworden sind es „nur“ acht. Gab es schon Ärger?
Kachunga: „Nein, nein (lacht). Unser Präsident freut sich auch, wie es momentan läuft. Wir haben uns keinen Druck gemacht und wollten einfach spielen. Das macht uns stark. Und das ist einer der Gründe, warum wir immerhin schon acht Punkte auf dem Konto haben. Wir können ganz befreit aufspielen.“

fcbayern.de: Durch die jüngsten Erfolge werden viele Leute auf den SC aufmerksam, die den Verein vorher noch nicht auf der Rechnung hatten. Wie geht die Mannschaft damit um?
Kachunga: „Wir freuen uns darüber. Wenn man gute Auftritte hinlegt, wird man anders und mehr wahrgenommen. Das ist kein zusätzlicher Druck, sondern toll, dafür spielt man Fußball! Viele sehen uns immer nur als das kleine Dorf. Jetzt sieht man, dass wir doch nicht so klein sind und dass auch wir etwas Großes schaffen können. Wir wissen, dass schwierige Phasen kommen werden. Aber wir haben einen Trainer, der weiß, wie wir dann reagieren müssen.“

fcbayern.de: Der Trainer hat Ihnen den Auftrag gegeben, das Spiel beim FC Bayern zu genießen. Leichter gesagt als getan?
Kachunga: „Wir freuen uns einfach, gegen eine der besten Mannschaften der Welt zu spielen. Wir machen uns überhaupt keinen Druck, sondern wollen die Atmosphäre aufsaugen. Und dann schauen wir mal, was am Ende herausspringt.“

fcbayern.de: Wahrscheinlich kommt es zum Stürmerduell mit Robert Lewandowski. Freuen Sie sich drauf?
Kachunga: „Klar. Er ist ein überragender Spieler, ein Weltklassestürmer. Wenn man sieht, wie er sich in den letzten Jahren entwickelt hat – das ist schon stark, da schaue ich mir auch etwas ab. Aber ich freue mich einfach, dass ich Moment selbst sehr gut treffe.“

fcbayern.de: Unser Abwehrspieler Dante lobte Sie als schnellen und sehr gefährlichen Stürmer. Muss er sich warm anziehen?
Kachunga: „Als ich 17, 18 Jahre alt war, habe ich bei den Profis in Mönchengladbach meine ersten Schritte gemacht. Dante hat mich damals sehr gut aufgenommen und in den Zweikämpfen härter rangenommen. Es freut mich, wenn ein Spieler wie Dante so positiv über mich redet. Ich hoffe, ich kann es ihm im Spiel so schwer wie möglich machen.“

fcbayern.de: Pep Guardiola erwartet, dass Sie auch in München mutig auftreten werden, zumal Sie nichts zu verlieren haben. Hat er Recht?
Kachunga: „Über taktische Dinge kann ich natürlich nichts sagen. Der Trainer weiß aber, wie er uns richtig einstellen muss. Ich bin sicher, er wird uns den perfekten Matchplan an die Hand geben.“

fcbayern.de: Ihr Spiel ist sehr laufintensiv. Wie lange kann man das durchhalten?
Kachunga: „Der FC Bayern hat meistens viel Ballbesitz, deshalb werden wir viel laufen müssen. Wir sind die englischen Wochen nicht unbedingt gewohnt, haben im Sommer aber gut gearbeitet, deshalb machen wir uns keine Sorgen. Wir gehen positiv ins Spiel, werden alles geben und hoffen, dass es am Ende für etwas Zählbares reicht.“

Das Interview führte: Marco Donato.

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