präsentiert von
Menü
Hospitant Hashemian

'Hier kann ich viel lernen'

Etwas schüchtern lehnt er sich an die Seitenwand des Holzstüberls, wo die Trainingsutensilien lagern: Hütchen, Hürden, Stangen, Seile. Gegenstände, die Vahid Hashemian wohl selbst bald häufiger brauchen wird. Denn der frühere Stürmer des FC Bayern ist auf dem besten Wege, Trainerkollege von Pep Guardiola zu werden - und dem FCB-Chefcoach darf Hashemian in diesen Tagen über die Schulter schauen.

„Ich mache gerade meine Ausbildung zum DFB-Fußballlehrer“, erzählt der Iraner im Interview mit fcbayern.de, für das sich der frühere Stürmer zwischen zwei Trainingseinheiten Zeit genommen hat. Hashemian spricht über sein dreiwöchiges Praktikum in München, erste Erfahrungen als Trainer - und blickt mit offenen Worten auf seine Zeit als Spieler beim FCB zurück.

Das Interview mit Vahid Hashemian

fcbayern.de: Hallo Vahid! Weißt du noch, wo du am 14. August 1999 gewesen bist?
Vahid Hashemian: „Bestimmt in Teheran. Oder?“

fcbayern.de: Nicht ganz. Du hast für den Hamburger SV dein Debüt in der Fußball-Bundesliga gefeiert - hier in München gegen den FC Bayern.
Hashemian (denkt nach): „Stimmt! Wir haben 2:2 gespielt, weil Giovane Elber in der letzten Minute noch den Ausgleich gemacht hat. Ich wurde nach 72 Minuten für Anthony Yeboah eingewechselt. Meine Gegenspieler waren Lothar Matthäus und Thomas Linke - zwei Nationalspieler, die schon viel geleistet hatten. Das war ein ganz schön stressiger Start in die Liga, aber ich habe mich schnell an das Tempo in Deutschland gewöhnt.“

fcbayern.de: Abseits des Rasens gab es zu Beginn jedoch leichte Irritationen...
Hashemian: „Bei meinem ersten Interview in Hamburg habe ich gesagt: Mein Traumverein ist der FC Bayern! Die Journalisten mussten lachen. Sie fragten mich: 'Du bist gerade zum HSV gewechselt - warum also Bayern München? ' Ich wollte sie nicht belügen. Der FC Bayern war schon in meiner Kindheit sehr bekannt im Iran. Für mich war das schon immer ein toller Verein.“

fcbayern.de: Nach deinem Durchbruch beim VfL Bochum wurdest du 2004 selbst Teil des Rekordmeisters. Wie hat sich das angefühlt?
Hashemian:
„Ich hatte viele Angebote von verschiedenen Vereinen. Für mich war jedoch sofort klar: Ich will nur zum FC Bayern. Das war immer mein heimliches Ziel, und plötzlich habe ich diese Gelegenheit bekommen. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen.“

fcbayern.de: Welche Dimensionen hatte der FCB im Vergleich zu deinen vorherigen Stationen?
Hashemian:
„Der Hamburger SV war schon ein großer Verein. Aber beim FC Bayern hast du noch viel größere Möglichkeiten. Dafür sind die Erwartungen höher, die Konkurrenz im Kader ebenso. Wenn du vom Trainer eine Chance bekommst, musst du sofort da sein. Schaffst du das nicht, wird es schwierig für dich.“

fcbayern.de: Du hast mit dem FC Bayern 2005 das Double gewonnen. Deine persönliche Bilanz fällt mit 15 Pflichtspielen und einem Tor trotzdem durchwachsen aus.
Hashemian: „Ich habe meine Zeit in München noch mal analysiert. Als ich herkam, dachte ich: Ich bin ein Mensch, ich brauche Zeit, um mich anzupassen. Aber das geht hier nicht. Du musst herkommen, sofort Leistung bringen und deine Chance nutzen. Das habe ich nicht geschafft. Trotzdem habe ich nur gute Erinnerungen an den FC Bayern.“

fcbayern.de: Jetzt bist du als Hospitant wieder hier. Wie kam der Kontakt zustande?
Hashemian:
„Nachdem ich die Aufnahmeprüfung beim DFB bestanden hatte, habe ich Hermann Gerland kontaktiert. Er ist wie ich früherer Bochumer und hat mir direkt geholfen – natürlich in Absprache mit Matthias Sammer und dem Trainerstab. Ich bin dem FC Bayern sehr dankbar, dass er mir diese Gelegenheit gibt.“

fcbayern.de: Was hat sich im Vergleich zu deiner Zeit als Spieler beim FCB verändert?
Hashemian:
„Alles hier ist noch mal professioneller geworden - das Training, die Organisation, die Bedingungen. Das Gelände ist beeindruckend. Der Verein ist sehr, sehr gut strukturiert, überall sind Profis am Werk. Deshalb war für mich sofort klar: Ich will beim FC Bayern hospitieren. Vor allem, weil auch der Trainerstab einer der besten auf der Welt ist.“

fcbayern.de: Wann hast du dich entschieden, Trainer zu werden?
Hashemian: „Schon zu Spielerzeiten habe ich in Deutschland nebenher meine B- und A-Lizenz gemacht. Dann war ich 14 Monate Trainer in der Oberliga Hamburg, bevor ich mich auf die Aufnahmeprüfung zum DFB-Lehrgang konzentriert habe. Ich wollte die Trainerausbildung unbedingt in Deutschland machen, denn die ist auf der ganzen Welt anerkannt. Hier kann ich viel lernen.“

fcbayern.de: Du bist ein ruhiger, höflicher Typ. Kann der Trainer Hashemian auch mal laut werden?
Hashemian:
  „Bei meinen Halbzeitansprachen in der Oberliga bin ich manchmal schon explodiert (lächelt). Normalerweise kann ich mich aber sehr gut kontrollieren. Ich bin diszipliniert, will viel arbeiten und analysieren.“

fcbayern.de: Deine Trainer waren unter anderem Frank Pagelsdorf, Peter Neururer, Felix Magath und Ali Daei. Hast du ein Vorbild?
Hashemian:
„Nein. Eine Kopie ist nie wie das Original. Jeder hat einen anderen Charakter, eine andere Philosophie, andere Gedanken. Deshalb muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er arbeiten will. Ich kann von jedem meiner früheren Trainer aber sicher etwas Gutes mitnehmen und mit meinen Ideen kombinieren.“

fcbayern.de: Welchen Klub würdest du gerne mal übernehmen?
Hashemian:
„Ich würde jeden Verein trainieren, bei dem ich mal gespielt habe (lacht). Auch die iranische Nationalelf reizt mich natürlich sehr. Das Problem ist nur: Du bist als Trainer von Angeboten abhängig, man kann sich den Job nicht aussuchen. Deshalb will ich mich zunächst mal gut entwickeln. Der Rest kommt von allein.“

Das Interview führte: Marco Donato

Weitere Inhalte