präsentiert von
Menü
Interview

Heinz Müller: 'Dieser Hunger ist beeindruckend'

Vor einem Monat trainierte Heinz Müller noch alleine für sich, seit zwei Wochen ist er mittendrin beim FC Bayern - der 36 Jahre alte Torwart, der seit letzten Sommer vereinslos ist, nimmt als Praktikant am Training von Pep Guardiola teil. So hält er sich fit und füllt gleichzeitig die Lücken im Bayern-Training, die durch die Verletzungen von Pepe Reina und Tom Starke entstanden ist.

Müller kann auf eine lange Karriere mit Stationen in der zweiten Liga, in Norwegen, England und der Bundesliga zurückblicken. Bis letzten Sommer stand er im Tor des 1. FSV Mainz 05. fcbayern.de sprach mit ihm über seine ersten Eindrücke vom FC Bayern und eine zweite Karriere im Motorsport, über die er laut nachgedacht hat.

Das Interview mit Heinz Müller:

fcbayern.de: Heinz, was macht die Motorsportkarriere?
Heinz Müller: „Wenn mit dem Fußball irgendwann mal Schluss ist, werde ich versuchen, ein paar Rennen mitzufahren. Der Motorsport hat mich mein ganzes Leben lang begleitet. Ich habe auch eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht. Autos sind meine Leidenschaft. Ich habe aber immer in den Vordergrund gestellt, dass ich erst einmal weiter Fußball spielen will.“

fcbayern.de: Jetzt trainierst du beim FC Bayern. Wie ist es dazu gekommen?
Heinz Müller: „Seit Sommer bin ich vereinslos und die Verletzungssituation bei den Bayern-Torhütern ist ja bekannt. Über meinen Berater kam die Anfrage von Herrn Reschke - da musste ich nicht lange überlegen, auch wenn’s nur ein Praktikum ist.“

fcbayern.de: Du hast dich seit Sommer selbst fit gehalten?
Heinz Müller: „Ja, so gut es ging. Ich hatte aber kein Mannschaftstraining mehr - und das kann man nicht simulieren. Wenn ich den Ball gegen die Wand schieße und fange, ist das nicht zu vergleichen damit, wenn Thomas Müller oder Franck Ribéry vor einem stehen und ihre Täuschungen machen. Dann ist alles viel komplexer. Dann fehlen hier ein halber Schritt und da zehn Zentimeter.“

fcbayern.de: Wie waren dann die ersten Trainingseinheiten?
Heinz Müller: „Es gibt leichtere Aufgaben, als bei Bayern München aus der kalten Hose einzusteigen. Das habe ich in der ersten Woche gemerkt. Hier spielen nur Weltmeister und Weltstars. Das Tempo, die Ballsicherheit und die Handlungsschnelligkeit der Spieler, wie schnell sie Situationen erkennen, den Ball verarbeiten, den Torwart ausgucken und den Ball in die Ecke legen - das Niveau ist extrem hoch. Das hat mich an den ersten Tagen schon beeindruckt.“

fcbayern.de: Mittlerweile trainierst du zwei Wochen mit. Wie läuft es jetzt?
Heinz Müller: „Inzwischen geht es ziemlich gut. Ich fühle mich von Tag zu Tag besser. Jetzt merke ich, wie die Abläufe stimmen, wie das Gefühl für das Tor wieder da ist. Ich habe mein Limit aber noch lange nicht erreicht.“

fcbayern.de: Wie war das eigentlich, als du am ersten Tag in die Kabine kamst?
Heinz Müller: „Nervös war ich nicht. Ich habe ja schon oft gegen Bayern gespielt und kenne daher viele Spieler. Sie haben mich auch toll aufgenommen. Alle sind super freundlich, keiner hat die Nase oben. Es war easy. Trotzdem war es etwas Besonderes, auch weil hier viele Weltmeister spielen und weil ich mit Manuel Neuer trainieren darf. Manuel ist einfach klasse! Man sieht im Training, was der Bursche alles drauf hat.“

fcbayern.de: Wie hat dich Trainer Pep Guardiola begrüßt?
Heinz Müller: (schmunzelt) „Er hat zu mir gesagt: Wir sind ein super Verein, eine super Mannschaft, eine super Kabine - und ein überragender Trainer! Da konnte ich natürlich nicht widersprechen.“ (lacht)

fcbayern.de: Wie ändert sich die Sicht auf den FC Bayern, wenn man hinter die Kulissen schauen kann?
Heinz Müller: „Von außen spricht man immer vom typischen Bayern-Dusel. Jetzt sehe ich, dass das nichts mit Glück zu tun hat. Der Verein ist total auf Erfolg ausgerichtet, jeder tut alles für den Erfolg. Die Spieler haben drei Spiele in der Woche und arbeiten trotzdem eine Stunde vor dem Training im Kraftraum an sich selbst. Dieser Hunger ist beeindruckend.“

fcbayern.de: Wie geht es nach deiner Zeit beim FC Bayern bei dir weiter?
Heinz Müller: „Erst einmal genieße ich die Zeit hier. Es macht riesig Spaß! Hier reinschnuppern zu dürfen, ist nochmal ein schönes kleines Kapitel in meiner Karriere. Ich trainiere auf dem besten Niveau der Bundesliga - das schadet mir sicher nicht. Was danach kommt, ist offen.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl.

Weitere Inhalte