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'Wirft uns nicht um'

Guardiola lobt – und hofft auf Lerneffekt

Der Applaus fiel laut und herzlich aus, als die Bayern um 22:58 Uhr Ortszeit den Ballsaal des Lowry Hotels betraten. Das Last-Minute-Gegentor in der Champions League bei Manchester City, das die erste Pflichtspiel-Niederlage dieser Saison besiegelte, taugte nicht als Stimmungskiller bei den rund 250 Gästen. Vielmehr überwog der Stolz - denn der bereits feststehende Gruppensieger hat beim letztlich bedeutungslosen 2:3 (2:1) einmal mehr Charakter bewiesen.

„Ich bin kein Freund davon, Niederlagen schönzureden. Diese hätte man vermeiden können. Trotzdem gibt es keinen Grund, etwas zu dramatisieren“, wollte auch Karl-Heinz Rummenigge den Finger nicht allzu tief in die Wunde legen, als er Mannschaft, Offizielle und Gäste mit seiner Bankettrede willkommen hieß. „Es hat heute Abend nicht geklappt, aber das wird der Stimmung trotzdem nicht schaden.“

Auch Pep Guardiola konnte schon wieder ein wenig lächeln. Der spanische Trainer war „sehr, sehr stolz“ auf seine Mannschaft, die beim englischen Meister mit „großer, großer Persönlichkeit“ aufgetreten war. „Es ist überragend, was die Spieler gemacht haben.“ Und: „Jeder konnte sehen: Wir sind nicht hergekommen, um Urlaub zu machen. Wir sind gekommen, um das Spiel zu gewinnen.“

Kraftakt in Unterzahl

Stolz war die Reisegruppe vor allem auf die Reaktion der Bayern nach den zwei heftigen Rückschlägen, als die Münchner nach einer Notbremse erst Medhi Benatia verloren und durch den fälligen Strafstoß in Rückstand gerieten (21.). „Wir haben uns super zurückgekämpft“, fand Jérôme Boateng lobende Worte für die Moral der Mannschaft, die ihre mitgereisten Fans noch vor der Pause doppelt jubeln ließ. Geburtstagskind Xabi Alonso (40.) und Robert Lewandowski (45.) drehten mit ihren Toren die Partie - in Unterzahl!

„Wir haben uns nicht versteckt und waren stark am Ball“, hielt Arjen Robben fest, der seiner Mannschaft ein „Riesenkompliment“ machte. Dass die Bayern über 70 Minuten mit nur zehn Spielern auf dem Feld standen, sollte sich erst spät bemerkbar machen, als beim Champions-League-Sieger von 2013 mehr und mehr die „Kräfte schwanden“, wie Manuel Neuer wusste. „Aber das ist normal, wenn man so lange in Unterzahl spielt.“ Erst recht, weil die Bayern „viel gerannt“ sind, ergänzte Boateng.

'Wir müssen daraus lernen'

„Es ist schwer, so lange mit einem Mann weniger zu spielen“, stellte auch Rafinha fest, vor allem „gegen Spieler wie Aguero, Navas und Nasri. Das ist immer gefährlich“, wusste Guardiola. Vor allem Ersterer zeigte sich brutal effektiv (85., 91.) und nutzte eiskalt „zwei blöde Fehler, die nicht passieren dürfen“, wie Boateng selbstkritisch anmerkte. Und Neuer, der an „allen Bällen fast dran“ war, ärgerte sich, weil die Bayern beim englischen Meister zu zehnt „die Sensation hätten schaffen können“.

So unnötig die weitgehend folgenlose Niederlage im ersten Moment auch war – sie könnte sich noch als nützlich erweisen. „Es ist gut, dass es heute passiert ist. Vielleicht ist es eine Lehre für uns“, hofft Guardiola. „Denn wenn sowas im Achtel- oder Viertelfinale passiert, bist du raus. Wir müssen daraus lernen.“ Der Bayern-Trainer ist sicher: „Dieses Spiel ist gut für unsere Entwicklung.“ Und auch Boateng kündigte an: „Das wirft uns nicht um!“

Für fcbayern.de in Manchester: Marco Donato

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