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Sammer im Interview, Teil II

'Wir müssen weiter top arbeiten'

Winterpause! Nach einem sportlich überaus erfolgreichen, aber auch intensiven und kräftezehrenden Jahr haben sich Spieler, Trainer und Verantwortliche des FC Bayern in den wohlverdienten Weihnachtsurlaub verabschiedet. Für Sportvorstand Matthias Sammer ist der bevorstehende Jahreswechsel ein guter Zeitpunkt, um zurückzublicken und ein Resümee zu ziehen. Im zweiten Teil des Interviews mit fcbayern.de spricht Sammer über die Neuzugänge Juan Bernat und Sebastian Rode, über die etablierten Topstars Arjen Robben und Franck Ribéry - und seine Erwartungen an die Rückrunde.

Das Interview mit Matthias Sammer, Teil II

fcbayern.de: Herr Sammer, eine der großen Überraschungen der Hinrunde ist zweifellos Juan Bernat. Als einziger Feldspieler kam er in allen Pflichtspielen zum Einsatz. Wie beurteilen Sie seine Entwicklung?
Sammer: „Juan Bernat haben wir über einen langen Zeitraum beobachtet und es war relativ schnell klar, dass seine Voraussetzungen wunderbar sind. Er ist athletisch, schnell, beweglich, drahtig und hat eine sehr gute Technik. Dazu ist er ein bodenständiger und familiärer Typ, er passt perfekt zu uns. Er ist erst 21 Jahre alt, aber die Geschwindigkeit, mit der er sich integriert, präsentiert und auch in der Defensive dazugelernt hat, ist schon sehr bemerkenswert. Wir sind glücklich und sehr stolz. Da haben wir als Klub einen Volltreffer gelandet, das muss man klar sagen.“

fcbayern.de: Auch Sebastian Rode hat sich hervorragend eingefügt, oder?
Sammer: „Rode ist ein Teamplayer, wie ihn große Mannschaften einfach brauchen. Wenn er spielt hast du immer das Gefühl, er brennt für die Mannschaft - für sich selber ja sowieso. Ich habe selten erlebt, dass man einen Spieler eher bremsen muss. Er hat einen feinen, sauberen Charakter, ist absolut integriert, anerkannt und sehr beliebt in der Mannschaft. Und auch bei den Fans, weil er in der Tradition steht von Spielern wie Jens Jeremies oder Hasan Salihamidzic. Das waren Spieler, die konntest du hier oder dort einsetzen, die haben immer für die Mannschaft gebrannt und alles gegeben.“

fcbayern.de: Der vielleicht prägende Spieler der Hinrunde war Arjen Robben. Täuscht der Eindruck, dass er von Monat zu Monat immer besser wird?
Sammer: „Arjen ist ein Musterbeispiel dafür, dass man auch im fortgeschrittenen Alter noch dazulernen und sich weiterentwickeln kann und sich nicht mit dem Erreichten zufrieden gibt. Er gibt in jedem Training hundert Prozent. Früher hat er oft versucht, seinen Körper auszutricksen, aber das geht nicht. Jetzt hat er gelernt, sich eine gewisse Gelassenheit und Ruhe zu bewahren und sich gegebenenfalls einen Tag Zeit zu nehmen. Das lebenslange Lernen, auch für einen Fußballer um die 30, bekommt durch ihn eine Botschaft, wie sie besser eigentlich nicht sein kann. Eins möchte ich bei Arjen noch sagen, das auch für Franck Ribéry gilt...“

fcbayern.de: Ja bitte...
Sammer: „Beiden wurde oft vorgeworfen, sie würden nicht genügend für die Mannschaft arbeiten. Das ist absoluter Unsinn, wenn man sieht, wie mannschaftsdienlich sich beide geben. Sie sind beide Weltklasse-Spieler, die sich ihre Individualität und Genialität bewahrt haben, und trotzdem in die Mannschaft integriert sind. Und sie sind absolute Vorbilder, auch im Training und in der Pflege. Hochprofessionell! Ich kann nur jedem jungen Spieler raten, diese beiden Spieler in der täglichen Arbeit zu beobachten und von ihnen zu lernen.“

fcbayern.de: Umso bedauerlicher ist es, dass neben Manuel Neuer in diesem Jahr nicht auch Robben im Kreis der drei Kandidaten für den Weltfußballer ist.
Sammer: „Ich freue mich zunächst einmal darüber, dass Arjen in Holland zum Sportler des Jahres gewählt worden ist. Das ist etwas ganz Außergewöhnliches, damit gehört er in die Kategorie der ganz Großen. Ich weiß, dass ihm das viel bedeutet. Zur Weltfußballerwahl: Das ist eine subjektive Bewertung, die aber objektiv nicht messbar ist. Es gibt eine ganze Kategorie an Spielern, auch bei uns, die Weltmeister geworden sind und zum Kandidatenkreis gehören könnten. Es ist manchmal bedauerlich, dass in einem Jahr nur einer gewinnen kann. Ob Arjen den Titel hat oder nicht: Er ist einer der besten Spieler der Welt! Und ich drücke Manuel Neuer alle Daumen, dass er Weltfußballer wird.“

fcbayern.de: Nach langer Pause ist Bastian Schweinsteiger kurz vor der Winterpause wieder in den Spielbetrieb zurückgekehrt. Wie froh sind Sie darüber und was kann man von ihm in der Rückrunde erwarten?
Sammer: „Für mich ist Bastian ein Phänomen. Er hat hart dafür gearbeitet, um wieder auf dem Platz zu stehen, das hat mich schon sehr beeindruckt. Auch wie er sich jetzt wieder präsentiert, wie er gespielt hat, davor habe ich großen Respekt und Hochachtung. Er verfügt über eine Robustheit, eine Power und eine Willenskraft, das ist beeindruckend. Ich hoffe, dass ihm seine Zwangspausen hintenraus zugutekommen und ihm bei seiner Spielweise ermöglichen, keine Jahre zu verlieren.“

fcbayern.de: Worauf wird es in der Vorbereitung auf die Rückrunde ankommen?
Sammer: „Zunächst einmal hoffe ich, dass sich in der Winterpause alle gut erholen. Das ist notwendig, das vergangene Jahr war sehr intensiv. Dann werden wir ab dem ersten Trainingstag konzentriert und fokussiert auf das Wolfsburg-Spiel hinarbeiten. Es wird sehr wichtig sein, dass wir schnell in den Rhythmus kommen, Mitte Februar kommt schon das erste Champions-League-Spiel. Ab dem Moment, wenn das Training wieder beginnt, müssen wir das, was war, zu den Akten legen.“

fcbayern.de: Hat das Spiel gegen Wolfsburg schon vorentscheidenden Charakter?
Sammer: „Rein rechnerisch ist das nicht möglich, daher ist das irrelevant. Selbst wenn wir das Spiel erfolgreich gestalten, ändert es nichts an der Tatsache, dass wir täglich weiter top arbeiten müssen.“

fcbayern.de: Wer ist Ihrer Meinung nach der Hauptkonkurrent um die Meisterschaft?
Sammer: „Immer wir selber. Die Herausforderung liegt darin, uns jeden Tag immer wieder aufs Neue zu beweisen und in jedem Wettkampf unser eigenes Spiel immer wieder durchzusetzen. Wir müssen unsere Qualität abrufen, dann wissen wir, dass wir gut sind. Das ist unsere Aufgabe.“

fcbayern.de: Wie verbringen Sie die Winterpause?
Sammer: „Im Urlaub, mit der gesamten Familie – und ich brauche die Pause auch. Ich freue mich auf schöne Gespräche, ausgedehnte Spaziergänge, die Gemütlichkeit und das familiäre Miteinander. Es ist für mich ein Höhepunkt, mit meiner Familie eine etwas längere Zeit so intensiv zusammen zu sein.“

Das Interview führten: Niko Heindl und Carsten Zimmermann

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