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'Auf dem richtigen Weg'

Martínez: Schweiß, Geduld & zwölf Trauben

Strampeln! Schnaufen! Schwitzen! Lange hat Javi Martínez warten müssen, bis er sich wieder wie ein Sportler fühlen konnte. Kurz vor Weihnachten tritt er im Leistungszentrum des FC Bayern in die Pedale eines Fahrradergometers. Vor ihm ein Fernseher, es läuft eine Comedy-Sendung. Martínez lacht. „Wir sind voll im Plan“, erzählt er fcbayern.de, „jeden Tag fühle ich mich besser. Ich kann immer mehr Übungen machen. Das ist auch für den Kopf wichtig.“ Denn nach vier Monaten Verletzungspause weiß der 26-Jährige: Der Kreuzbandriss im linken Knie ist das eine, der Kopf das andere. Martínez sagt es so: „Das Bein muss gesund werden, der Kopf muss gesund bleiben.“

Rückblick: 13. August, das Supercup-Spiel in Dortmund. Flanke von links und im BVB-Strafraum setzt Martínez zum Seitfallzieher an. „In dem Moment, als ich mein Bein voll gestreckt hatte, traf ich einen Dortmunder und das führte zu einer unnatürlichen Bewegung im Knie. Ich spürte sofort einen Schmerz“, erinnert er sich genau an den Beginn seiner Leidenszeit. Noch auf dem Rasen habe ihm der Arzt seine Befürchtung mitgeteilt: Kreuzbandriss!

Eine Woche später wurde Martínez in Vail/Colorado operiert, gefolgt von langen Wochen, in denen er sich nur auf Krücken fortbewegen konnte. „Das war die schwerste Zeit. Du kannst nicht gehen, du kannst nichts machen. Freunde, Teamkollegen und die Physiotherapeuten haben immer versucht, mir Mut zu machen, mich aufzuheitern. Das hat gut getan. Aber ich habe mich oft schlecht gefühlt und habe den Kontakt zur Mannschaft gemieden. Das waren keine einfachen Tage.“

Weihnachten in der Heimat

Beim Schwitzen auf dem Ergometer liegen diese Tage weit zurück. „Ich habe den Eindruck, dass es ihm gut geht - auch wenn er natürlich am liebsten mit der Mannschaft auf dem Platz stehen würde“, erzählt Philipp Lahm, „er ist auf dem richtigen Weg.“ Kreislauf- und Oberkörpertraining, vor allem aber Muskelaufbau im verletzten Bein stehen vor Weihnachten auf Martínez' Trainingsplan.

„Ich arbeite jeden Tag hart. Aber ich muss geduldig bleiben - und das ist das Schwierigste“, weiß der spanische Nationalspieler, der auch im Weihnachtsurlaub einen Trainingsplan im Gepäck hat. Erst einmal steht aber auch für ihn die Erholung im Mittelpunkt. Zunächst fährt er in seine Heimatstadt Ayegui, um mit seinen Eltern und drei Geschwistern Weihnachten zu feiern. „Wir sind 14 oder 15 Leute. Meine Mutter kocht, sie ist eine sehr gute Köchin. Traditionell gibt es bei uns Salat mit Wachteln und dann Meeresfrüchte.“

Danach plant er, er innerhalb Spaniens zu verreisen. „Ich werde irgendwohin fahren und versuchen, für ein paar Tage alles zu vergessen: den Fußball, das Knie. Einfach entspannen und genießen“, erzählt er. Und an Silvester wird Martínez, vielleicht bewusster als sonst, einen spanischen Brauch pflegen: „Zu Mitternacht essen wir im Takt der zwölf Glockenschläge zwölf Trauben.“ Das soll Glück bringen. Und das kann Martínez auf seinem Weg zurück auf den Rasen brauchen.

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