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Die Kovac-Brüder im Interview

'Pep geht bis ins Atom hinein'

Zwischen den enthusiastischen Fans und den interessierten Beobachtern haben sich auch zwei altbekannte Gesichter gemischt, die ganz genau hinschauen, wenn Pep Guardiola seine Elf auf den Trainingsplatz bittet. Schon von Berufswegen her: Denn Niko Kovac, kroatischer Nationaltrainer, und sein jüngerer Bruder (und Co-Trainer) Robert wollen sich weiterbilden.

Im exklusiven Interview mit fcbayern.de verraten die früheren Bayern-Profis, wie die Arbeit mit der Nationalelf Kroatiens läuft, von welchen Trainern sie besonders viel gelernt haben, welchen Eindruck Pep Guardiola auf sie macht und wieso 2001 ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen ist.

Das Interview mit Niko und Robert Kovac:

fcbayern.de: Niko, Robert, der FC Bayern bereitet sich in Doha auf die Rückrunde vor. Ihr seid ebenfalls vor Ort. Was hat Euch nach Katar verschlagen?
Niko Kovac: „Wir haben in unserem Job als Nationaltrainer manchmal mehr Freizeit, als uns lieb ist. Diese Zeit nutzen wir, um uns weiterzubilden und zu schauen: Was machen die Toptrainer auf der Welt? Wir wollen sehen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es gibt. Wir wollen uns weiterentwickeln.“
Robert Kovac: „Wir gucken uns jedes Training an und analysieren es. Ansonsten schauen wir uns die Spiele unserer Mannschaft an und bereiten uns auf das nächste EM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen im März vor.“

fcbayern.de: Spötter behaupten, der Job als Nationaltrainer sei vergleichsweise entspannt…
Niko Kovac: „Nein, wir sitzen nicht zuhause und drehen Däumchen, sondern schauen uns regelmäßig unsere Spieler an. Wir arbeiten sehr koordiniert in unserem kleinen Mitarbeiterstab. Wir sind ein kleines Land, aber die Erwartungshaltung ist bei uns genauso groß wie in Deutschland. Das kann man sich nicht vorstellen!“

fcbayern.de: Früher habt Ihr als Spieler mit dem FC Bayern im Trainingslager geschwitzt. Ist es schöner, nur noch zuzuschauen?
Robert Kovac:
„Ich bin froh, nicht mehr hinterherlaufen zu müssen. Die Vorbereitung war immer anstrengend. Natürlich juckt‘s manchmal, wenn man die Jungs spielen sieht. Bei den Bayern merkt man sofort: Die Spieler haben trotz der Anstrengung viel Spaß! Klar erinnere ich mich gerne an meine Profizeit. Aber man muss sich eingestehen, dass die Knochen heute nicht mehr mitmachen.“

fcbayern.de: Bei Profisportlern sind Trainingslager nicht immer beliebt, oder?
Niko Kovac: „Die Vorbereitung ist für einen Spieler nicht sehr angenehm. Grundsätzlich ist die Winterpause aber gut. Da kann man sich etwas erholen. Es ist schwieriger, wenn man durchspielen muss - wie in England und Spanien, teilweise auch in Italien, wo die Spieler nur eine Woche Pause haben.“

fcbayern.de: Früher Spieler, heute Trainer: Was ist der größte Unterschied?
Robert Kovac:
„Als Spieler musst du dich vor allem darauf konzentrieren, dass du in einem Top-Zustand bist. Als Trainer hast du das Ganze im Blick: die Spieler, die Medien, die Physiotherapeuten, das ganze Drumherum - man muss alles in Einklang bringen. Das ist ein 24-Stunden-Job. Und je kleiner der Verband ist, desto schwieriger ist es. In großen Vereinen wird dir vieles abgenommen.“
Niko Kovac: „Du hast als Spieler natürlich auch die Mannschaft im Blick, aber wenn du Trainer bist, muss wirklich alles stimmen. Das Aufgabenfeld ist viel größer.“

fcbayern.de:
Niko, Du warst zwei Jahre in München, Robert, Du doppelt so lange. Was fällt Euch zuallererst ein, wenn Ihr an Eure Zeit beim FC Bayern denkt?
Niko Kovac: „Die Erfolge. Bayern München ist immer erfolgreich. Wir haben damals schon das Beste gehabt. Aber heute ist alles noch viel, viel größer. Allein, wie viele Leute um die Mannschaft herum arbeiten… Bei uns war alles sehr viel kleiner.“
Robert Kovac: „Mir fallen zuerst die Titel ein, die wir errungen haben. Und die vielen Freunde, die ich in den vier Jahren gewinnen konnte. Ich habe immer noch ein gutes Verhältnis zu einigen Angestellten oder ehemaligen Spielern. Ich bin bei den Bayern-Allstars aktiv und tausche mich mit den alten Kollegen aus. Das macht Spaß. Der FC Bayern ist immer noch eine große Familie.“
Niko Kovac: „Stimmt! Wir sind häufig in München, kommen an die Säbener Straße und gehen ins Stadion. Wenn man beim FC Bayern gespielt hat, sind die Türen immer offen. Das macht den Klub auch so sympathisch.“

fcbayern.de: Robert, Du sollst mal gesagt haben, dass sich mit Eurem gemeinsamen Wechsel zum FCB ein Kindheitstraum erfüllt hat.
Robert Kovac: „Ja, wir waren von klein auf Bayern-Fans. Niko hatte ein Trikot mit der Nummer 11, die damals Karl-Heinz Rummenigge gehörte. Es war ein Traum, als wir Jahre später unser großes Ziel erreicht haben, für diesen Verein zu spielen. Dieses Glück hatte ich vier Jahre lang. Es war eine schöne Zeit.“

fcbayern.de: Heute seid Ihr als Chef- und Co-Trainer für die kroatische Nationalmannschaft verantwortlich. Unter Brüdern geht es aber nicht immer harmonisch zu… Wie oft habt Ihr Euch schon wegen der Aufstellung gestritten?
Niko Kovac: „Es ist im Kinder- und Jugendalter ganz normal, dass man sich mal fetzt. Aber heute, auf dem Platz, verstehen wir uns fantastisch. Wir ergänzen uns, jeder unterstützt den anderen. Bei der Aufstellung sind wir fast nie unterschiedlicher Meinung. Das hat vielleicht etwas mit dem Blut zu tun.“ (lacht)
Robert Kovac:
„Vielleicht auch mit der Philosophie, die wir verfolgen. Wir denken gleich über Fußball.“

fcbayern.de: Ihr seid in Deutschland geboren und aufgewachsen. Macht es das schwieriger, von den Kroaten akzeptiert zu werden?
Robert Kovac: „Es ist schwierig, wenn man die deutsche Denkweise, die deutsche Arbeitsauffassung hat. In Kroatien ticken die Uhren etwas anders, dort wird mehr improvisiert und weniger geplant. Wir hatten am Anfang natürlich Schwierigkeiten, aber wir versuchen, unser Konzept durchzusetzen.“
Niko Kovac: „Wir haben sowohl die deutsche als auch die kroatische Mentalität, wobei erstere überwiegt. Das ist manchmal schon ein Problem. Aber wir werden dafür sorgen, dass unser Fußball dorthin kommt, wo er hingehört: unter die ersten 10 der Welt.“

fcbayern.de: Ihr tragt die Hoffnungen einer begeisterten Fußballnation auf Euren Schultern. Kann man diesem Druck als ehemaliger Bayern-Spieler eher standhalten?
Niko Kovac: „Der Druck ist groß, ja. Aber wer damit nicht klarkommt, darf diesen Job nicht machen. Uns war bewusst, dass es nicht einfach wird. Die Erwartungshaltung ist riesig. Nach dem Premierminister und dem Präsidenten kommt bei uns schon der Nationaltrainer. Das muss man abschütteln. Du musst bleiben, wie du bist, sonst wirst du unglaubwürdig - das haben mir auch meine ehemaligen Trainer gesagt.“

fcbayern.de: Gibt es Dinge, die Ihr von Euren Ex-Trainern für Eure eigene Arbeit mitgenommen habt?
Robert Kovac: „Natürlich. Man nimmt immer das Positive mit. Ottmar Hitzfeld bei Bayern, Christoph Daum zu Leverkusener Zeiten oder Hermann Gerland, den ich in Nürnberg ein Jahr hatte. Auch Fabio Capello bei Juventus. Man nimmt von jedem ein paar Dinge mit, die man umsetzen kann.“

fcbayern.de: Zum Beispiel?
Robert Kovac: „Vor unseren WM-Play-Off-Spielen gegen Island hat uns Ottmar Hitzfeld ein paar Tipps gegeben. Der hatte mit der Schweiz schon gegen die Isländer gespielt. Das konnten wir gut nutzen.“
Niko Kovac: „Robert sagt es richtig: Man nimmt immer etwas mit. Auch von Mitarbeitern des Trainerstabs kann man lernen. Wir gehen offen durchs Leben. Aber man kann nicht alles perfekt machen. Wir sind nur Menschen.“

fcbayern.de:
Ähnelt Ihr vom Trainertypus her eher Ottmar Hitzfeld oder Felix Magath?
Robert Kovac:
„Also Felix Magath auf keinen Fall! (lacht) Spaß beiseite: Wir haben mit vielen unserer Nationalspieler ja noch zusammengespielt, deshalb ist das Verhältnis zu ihnen ohnehin anders. Aber du darfst nicht zu gut mit den Spielern sein. Du brauchst eine gewisse Distanz.“
Niko Kovac: „Die Mischung macht’s. Ein total autoritärer Führungsstil bringt in der heutigen Zeit nichts mehr. Das Verhältnis zwischen Spielern und Trainern hat sich verändert. Das Zwischenmenschliche ist für den Erfolg sehr wichtig.“

fcbayern.de: Welchen Eindruck macht Pep Guardiola auf Euch?
Niko Kovac: „Er ist total detailliert, arbeitet sehr akribisch. Er seziert das ganze Spiel. Der Unterschied zwischen ihm und anderen Trainern ist: Er geht bis ins Atom hinein. Es gibt bei ihm keine Zufälle. Und der Erfolg gibt ihm Recht! So versuchen wir auch zu arbeiten. Es gibt einige Sachen, die wir auch schon machen. Andere Dinge hingegen sind ein Anstoß für uns.“

fcbayern.de:
Ihr seid Kinder der Bundesliga. Ist es denkbar, dass wir Euch eines Tages als Vereinstrainer in Deutschland wiedersehen?
Robert Kovac: „Irgendwann wollen wir vielleicht auch als Klub-Trainer arbeiten, und da ist Deutschland sicherlich eine super Adresse, weil wir die Liga in- und auswendig kennen. Das ist neben Spanien die Top-Liga in Europa. Im Moment aber zählt für uns nur eines: Wir wollen uns mit Kroatien für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich qualifizieren. Bis jetzt sieht es gut aus.“
Niko Kovac: „Es stimmt: Unsere volle Konzentration gilt nur der EM. Und: Wir wollen lernen. Wir haben ein gewisses Grundwissen. Klar ist aber auch: Man lernt nie aus.“

Das Interview führte: Marco Donato.

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