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Spitzenreiter-Interview

Wörle: 'Wir werden alle Kräfte mobilisieren'

Meisterschaft? Im Frauenteam des FC Bayern nimmt dieses Wort kaum jemand in den Mund. Trotz der Bundesligatabelle, die das Team von Trainer Thomas Wörle seit letztem Wochenende anführt. 47 Punkte haben die FCB-Frauen als einziges noch ungeschlagenes Team der Liga auf dem Konto, dahinter folgen Champions-League-Sieger VfL Wolfsburg (45) und der 1. FFC Frankfurt (43), die beide noch ein Nachholspiel in der Hinterhand haben.

„Natürlich ist die Tabellensituation super erfreulich“, sagte Wörle im Gespräch mit fcbayern.de. Doch der Chefcoach will sich nicht mit Was-wäre-wenn beschäftigen. „Wir konzentrieren uns auf eine einzige Sache - und das ist das nächste Spiel“, betonte der 33-Jährige. Im Interview sprach er zudem über die Hoffnung im Umfeld, die Rückkehr von Lena Lotzen und die Planung für die neue Saison.

Das Interview mit Thomas Wörle

fcbayern.de: Glückwunsch zur Tabellenführung, Thomas! Hast du die Tabelle schon ausgedruckt und an die Wand gehängt?
Wörle: „Nein, das habe ich nicht. (lacht) Natürlich ist die Tabellensituation super erfreulich, das tut uns gut. Allerdings haben Wolfsburg und Frankfurt noch ein Spiel weniger. Damit konnte man zu Saisonbeginn mit unserer neu zusammengestellten Mannschaft nicht rechnen. Aber wir wollen die Tabellensituation nicht überstrapazieren. Seit Saisonbeginn tun wir gut daran, von Spiel zu Spiel zu schauen. So sind wir immer im Hier und Jetzt und zerbrechen uns nicht den Kopf über irgendwelche Konstellationen.“

fcbayern.de: Wie groß ist deine Hoffnung, dass ihr am Ende auch ganz oben stehen werdet?
Wörle: „Grundsätzlich wissen wir: Wenn wir unsere verbleibenden drei Spiele gewinnen, sind wir sicher Zweiter. Das wird schwer genug. Uns erwarten noch drei schwierige Aufgaben. Wenn es klappt mit Platz zwei, wäre das sensationell. Alles andere liegt nicht in unseren Händen.“

fcbayern.de: Du sprichst von Platz zwei - Platz eins erscheint jetzt auch greifbar!
Wörle: „Die momentane Tabellenführung gibt uns Selbstvertrauen und Stabilität, ist aber nur eine Momentaufnahme, da Wolfsburg noch ein Nachholspiel hat. Da sind wir realistisch. Wir kümmern uns ausschließlich um die Dinge, die wir beeinflussen können. Wir brauchen dieses ganze Denken, das Hin- und Herschieben von Punkten, das Was-wäre-wenn nicht. Wir konzentrieren uns auf eine einzige Sache - und das ist das nächste Spiel. Denn das können wir beeinflussen.“

fcbayern.de: Aber du kannst schon nachvollziehen, dass im Umfeld die Hoffnung immer größer wird?
Wörle: „Das ist natürlich legitim und verständlich. Wir wehren uns auch nicht dagegen. Ganz im Gegenteil: Wir wollen alles daran setzen, bis zum Schluss oben dabeizubleiben. Es ist einfach stark, was die Mannschaft seit Saisonbeginn leistet. Wir spielen absolut über dem, was wir uns vorstellen konnten. Und trotzdem startet das nächste Spiel nicht mit einer 1:0-Führung für uns, sondern bei 0:0. Die Mannschaft hat sich durch die tollen Leistungen bis hierher viel Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit erarbeitet, ist aber trotzdem bescheiden und bodenständig. Wir orientieren uns wie schon in der ganzen Saison an den inhaltlichen Schwerpunkten, die uns helfen, ein Spiel erfolgreich gestalten zu können.“

fcbayern.de: Im Gegensatz zum FC Bayern sind Wolfsburg und Frankfurt auch noch in der Champions League und im DFB-Pokal gefordert. Ist diese Dreifachbelastung der Konkurrenz ein Vorteil für euch?
Wörle: „Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Ich denke es macht keinen großen Unterscheid. Man muss einfach sehen, dass diese Mannschaften eine unglaubliche Qualität im Kader haben.“

fcbayern.de: Apropos Kader: Beim 2:1-Sieg in Sand am vergangenen Wochenende hat Lena Lotzen ihr Comeback gefeiert. Auch andere Spielerinnen sind auf dem Weg zurück ins Team. Kann euch das noch einen Extraschub im Saisonendspurt geben?
Wörle: „Genau das hatte ich mir erhofft. Leider hatten wir in den letzten drei, vier Monaten keine allzu gute Konkurrenzsituation mehr im Kader, weil wir einige Verletzte hatten. Dieses Sich-gegenseitige-antreiben hat uns in der ersten Saisonhälfte getragen. Es tut uns gut, dass jetzt die eine oder andere Spielerin zurückkehrt: Lena Lotzen, Laura Feiersinger, Nora Holstad. Auch bei Mana Iwabuchi habe ich Hoffnung, dass sie vielleicht in den letzten Spielen wieder dabei ist. Gleichzeitig müssen wir aber mit dem Mittelfußbruch von Vanessa Bürki sowie der Muskelverletzung von Leonie Maier wieder zwei Ausfälle verkraften.“

fcbayern.de: Welche Rolle kann Lena Lotzen im Saisonfinale spielen?
Wörle: „Lena ist eine unheimlich wichtige Spielerin für uns. Sie kann die Mannschaft mit ihrer Art zu spielen mitreißen. Sie hat Präsenz und große Qualität. Es wird aber dauern, bis sie wieder ihr Toplevel erreicht hat. Man darf nicht vergessen: Lena hatte am Sonntag ihren ersten Kurzeinsatz seit sieben Monaten!“

fcbayern.de: Bist du traurig, dass der Spielbetrieb jetzt erst einmal für drei Wochen ruht?
Wörle: „Ehrlich gesagt bin ich froh, dass wir jetzt durchatmen können. Wir haben noch einige Verletzte und auch Angeschlagene. Die drei Wochen werden wir nutzen, um für die letzten drei Spiele noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren.“

fcbayern.de: Blicken wir noch kurz über das Saisonende hinaus: Wie zuversichtlich bist du, dass der Kader auch in der nächsten Saison zusammenbleibt?
Wörle: „Wir werden den Kader definitiv zusammenhalten, werden Kontinuität haben. Aber wir sehen auch den Abstand zu den Topteams, der trotz der sehr erfreulichen, aktuellen Tabellensituation weiterhin vorhanden ist. Um eine Saison wie diese wiederholen zu können, brauchen wir noch mehr Qualität. Angesichts der seit Jahren sehr starken Topmannschaften in Deutschland müssen wir uns in verschiedenen Bereichen nochmals stärker aufstellen, um dauerhaft dranzubleiben.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl.

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