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'Ein großartiger Mensch'

Dettmar Cramer wird 90

Wenn jemand weiß, wie sich ein Weltreisender fühlt, dann ist es Dettmar Cramer. Als erster großer deutscher Fußball-Trainer überhaupt wagte der spätere Bayern-Coach den Schritt ins Ausland – und verrichtete bis zu seinem Karriereende in mehr als 90 Ländern Pionierarbeit. Beheimatet aber ist der Weltenbummler im oberbayerischen Reit im Winkl, wo Cramer am Samstag seinen 90. Geburtstag begeht.

„Herzlichen Glückwunsch, lieber Dettmar! Wir werden in Gedanken auf dich anstoßen“, gratulierte Karl-Heinz Rummenigge dem Jubilar, zu dem der Vorstandschef des FC Bayern eine besondere Beziehung pflegt. Unter dem Trainer Cramer machte der junge Rummenigge wichtige Schritte auf dem Weg zum Weltklassespieler. „Ich habe ihm viel zu verdanken“, so der frühere Stürmer, „er war ein echter Fußball-Lehrer, der speziell uns junge Burschen ausgebildet hat. Ohne ihn hätte ich diese Karriere nie machen können, die mir glücklicherweise beschieden war.“

Bis 1974 arbeitete Cramer für den Weltverband FIFA als Instrukteur und Trainer in rund 70 Ländern, ehe er für wenige Monate US-Nationalcoach wurde. Im Januar 1975 kam er schließlich zum FC Bayern – und war prompt erfolgreich. „Er ist der einzige Trainer, der mit Bayern München zweimal die Champions League – damals noch den Europapokal der Landesmeister – gewonnen hat“, erinnert sich Rummenigge, für den der Titelgewinn 1976 in Glasgow (1:0 gegen AS Saint-Étienne, Anm. d. Red.) der „größte Triumph“ war.

'Er war ein großartiger Trainer'

Nur der deutsche Meistertitel blieb ihm verwehrt, dem nur 1,65 Meter großen Fußball-Lehrer, der von Sepp Maier einmal despektierlich als „laufender Meter“ bezeichnet wurde (Cramer: „Sepp hat halt einen ganz eigenen Witz“), sich aber genüsslich in einer Napoleon-Uniform ablichten ließ. Besonders eng war seine Beziehung zu Franz Beckenbauer, denn „wenn der Franz und ich zusammen sind, dann senden und empfangen wir auf derselben Wellenlänge“, erklärte Cramer.

Der Fußball-Liebhaber konnte sich für neue Kulturen begeistern - auch, um sich Respekt zu verschaffen. Vor seiner Station Ende der 1980er Jahre in Japan hatte er mit zwei Bleistiften ausgiebig das Stäbchenessen geübt. Tags darauf konnte er Spiegeleier damit zerteilen; die Spieler staunten. Dank seiner Fähigkeiten als Fußball-Professor, wie er oft tituliert wurde, sehen die Japaner in Cramer bis heute den Vater des modernen japanischen Fußballs.

Nichts hasste Cramer mehr als Misserfolge. „So lange besser möglich ist, ist gut nicht genug“, war sein Leitspruch. „Ich habe versucht, es immer noch ein bisschen besser zu machen.“ Bleibenden Eindruck hat Cramer aber nicht nur in seiner Funktion als Fußball-Lehrer hinterlassen, wie Rummenigge versichert. „Er war ein großartiger Trainer – und ist vor allem ein großartiger Mensch.“

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