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Zuversicht trotz Niederlage

'Wir sind immer noch der FC Bayern'

Ein Hauch von Saudade, von portugiesischer Schwermut und Traurigkeit, umwehte am späten Mittwochabend kurz vor Mitternacht das traditionelle Champions-League-Bankett des FC Bayern. Mit 1:3 (1:2) hatte der deutsche Rekordmeister rund zwei Stunden zuvor das Viertelfinal-Hinspiel beim FC Porto verloren und sich damit um eine bessere Ausgangsposition für das Rückspiel am kommenden Dienstag in der heimischen Allianz Arena gebracht. Dort steht dem FCB nun eine schwere, aber keinesfalls unlösbare Aufgabe bevor.

„Ich schaue in etwas traurige Gesichter“, sagte Karl-Heinz Rummenigge bei seiner Bankettrede. „Es ist natürlich kein schöner Abend, wenn man 1:3 verliert. Wir haben große Fehler gemacht, auch nicht gut gespielt. Das muss man selbstkritisch sagen“, erklärte der Vorstandschef. „Wir müssen das jetzt in Ruhe setzen lassen und tun gut daran, uns jetzt zu sammeln. Wir haben am nächsten Dienstag das Rückspiel, das wird schwer. Aber ich habe großes Vertrauen zu dieser großartigen Mannschaft und zu diesem großartigen Trainer.“

'Ein Start zum Vergessen'

Zwei individuelle Fehler in der Anfangsphase leiteten die erste Niederlage der Münchner in Portugal ein. Ricardo Quaresma (3. Minute/Foulelfmeter, 10.) nutzte diese per Doppelschlag zur 2:0-Führung. „Wir haben alle gesehen, dass wir nicht unbedingt grandios begonnen haben. Das war ein Start zum Vergessen“, brachte es Thomas Müller auf den Punkt. „Auf diesem Niveau werden solche Fehler bestraft. Es ist ärgerlich. Wir müssen uns ein bisschen schütteln. Wenn man eine große Mannschaft sein will, muss man in der Lage sein, das wegzustecken“, meinte Sportvorstand Matthias Sammer.

Der FCB steckte es weg, kämpfte sich zurück, übernahm die Spielkontrolle und kam Mitte der ersten Halbzeit durch Thiago (28.) zum verdienten Anschlusstreffer. Es war Thiagos erstes Champions-League-Tor überhaupt in seinem ersten Einsatz nach langer Verletzungspause. „Die Mannschaft hat die richtige Reaktion gezeigt. Mit dem 2:1 hätten wir sehr gut leben können“, erklärte Kapitän Philipp Lahm. Nach dem Seitenwechsel jedoch „haben wir nicht mehr zu unserem Spiel gefunden“, wie Müller analysierte. Jackson Martínez (65.) nutzte eine neuerliche Unsicherheit zum 3:1-Endstand.

'Und trotzdem geht es weiter'

„Ich habe keine Erklärung dafür, bin aber auch nicht bereit, irgendwo den Stab darüber zu brechen“, nahm Sammer die Spieler in Schutz. Auch Rummenigge war „nicht bereit, die Mannschaft zu kritisieren. Das sind 13, 14 Spieler, die wir im Moment noch gesund haben und die seit Wochen drei Mal die Woche spielen. Irgendwann ist dann der Tag, wo du ein bisschen kaputt bist. Wo du müde bist, wo die Beine schwer sind und wo im Kopf die Konzentration ein bisschen fehlt“, so Rummenigge weiter.

„In der zweiten Halbzeit war ein bisschen die Luft raus und wir kriegen ein blödes drittes Tor“, erklärte Jérôme Boateng. „Enttäuschend“ fand es Müller, dass der FCB es in der zweiten Halbzeit „nicht geschafft hat, das Spiel zu beruhigen. Es war dann sehr viel Schlacht im Mittelfeld, sehr zerfahren“, so der Stürmer. „Wir haben uns zu wenige Tormöglichkeiten herausgespielt und haben es nicht geschafft, wirklich in die Gefahrenzone zu kommen. Wir wissen, dass wir es heute zusammen verbockt haben. Und trotzdem geht es weiter“, sagte Torhüter Manuel Neuer.

Ein 'kompliziertes Ergebnis'

Und so richtete sich kurz vor Mitternacht der Blick bereits wieder nach vorne. „Wir liegen jetzt etwas am Boden und werden kritisiert. Zu Recht auch. Aber es gibt noch ein Rückspiel“, erinnerte Sammer daran, dass trotz des aus Münchner Sicht „komplizierten Ergebnisses“ (Pep Guardiola) erst die Hälfte der Strecke absolviert ist. „Wir dürfen nicht die Nerven verlieren und müssen ruhig bleiben. Wir müssen jetzt zu Hause mindestens zwei Tore machen und in der Lage sein, ob 2:0, 3:1 mit Verlängerung oder wegen mir 5:2 zu gewinnen. Wir sind voller Optimismus, wir brauchen eine Topleistung“, sagte Sammer.

Auch die Spieler des FCB wissen, dass der Einzug in die Runde der letzten Vier alles andere als unmöglich ist. „Wichtig ist, dass wir als Mannschaft geschlossen da rausgehen. Dienstag ist noch die Chance da, das zu korrigieren“, appellierte Boateng an den in den letzten Spielen gezeigten Teamgeist. Und Müller ergänzte: „Wir haben schon gesagt, wir hauen am Dienstag alles raus. Wir sind ja immer noch der FC Bayern, zu Hause eine starke Mannschaft. Es wäre kein Fußball-Wunder, wenn wir zu Hause 2:0 gewinnen sollten. Aber es steckt noch viel Arbeit drin.“

Für fcbayern.de in Porto: Carsten Zimmermann

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