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FCB-Frauen vor Herzschlagfinale

'Wir sind alle sehr, sehr heiß aufs Wochenende'

Die Entscheidung naht. Am Sonntag (14 Uhr, Grünwalder Stadion) können die Fußballfrauen des FC Bayern gegen die SGS Essen eine tolle Saison krönen. Mit einem Sieg haben sie Platz zwei und damit die Champions-League-Saison sicher. Gewinnt zeitgleich der VfL Wolfsburg nicht beim 1. FFC Frankfurt, würden die Münchnerinnen sogar erstmals seit 1976 die Deutsche Meisterschaft gewinnen. Im Falle eines Remis oder eine Niederlage könnte das Team von Trainer Thomas Wörle die Saison aber auch auf Rang drei beenden (Tabelle).

„Es wird sehr spannend. Trotzdem müssen wir locker bleiben, an uns glauben und unsere Leistung abrufen“, sagte Spielführerin Melanie Behringer fcbayern.de. Eine Meisterschaft fehlt der 29 Jahre alten Welt- und Europameisterin noch in ihrer Titelsammlung. Ganz anders im Fall von Raffaella Manieri. Die Italienerin ist mit fünf gewonnenen Meisterschaften die Rekordmeisterin im FCB-Kader. Vor dem Herzschlagfinale hat sich fcbayern.de mit beiden unterhalten.

Das Interview mit Melanie Behringer und Raffaella Manieri

fcbayern.de: Raffaella, kannst du Melanie mal beschreiben, wie es sich anfühlt, eine Meisterschaft zu gewinnen?
Manieri: „Es ist pure Emotion. Man arbeitet ein Jahr lang sehr hart und träumt davon, den Titel zu gewinnen. In diesem Jahr ist der Weg zum Titel besonders schwer, weil noch zwei andere Teams diesen Traum träumen können und die Entscheidung erst am letzten Spieltag fällt. Bei meinen bisherigen Meisterschaften war alles schon immer vor dem letzten Spiel klar. Am Sonntag will ich unbedingt gewinnen und hoffe, dass Mel diese Emotion dann auch kennen lernt.“

fcbayern.de: Melanie, wie groß ist dein Glaube, dass es am Sonntag tatsächlich klappt?
Behringer: „Riesig! Ich spiele die zwölfte Saison in der Bundesliga und war noch nie Meister. Es würde ein Riesentraum in Erfüllung gehen, wenn wir es jetzt schaffen. Es würde mich auch für die Mannschaft total freuen, weil wir es uns einfach verdient hätten.“

fcbayern.de: Wegen des DFB-Pokal-Endspiels musstet ihr zwei Wochen lang auf das Entscheidungswochenende warten. Wie groß ist das Kribbeln jetzt?
Behringer: „Für mich persönlich war die Pause sogar noch länger, weil ich in Herford nicht gespielt habe. Jetzt sind wir alle sehr, sehr heiß aufs Wochenende. Am liebsten hätten wir gleich am Tag nach dem letzten Spiel (6:0 in Herford, Anm. d. Red.) wieder gespielt. Es wird sehr spannend. Trotzdem müssen wir locker bleiben, an uns glauben und unsere Leistung abrufen. Gut war, dass wir letzten Sonntag ein Freundschaftsspiel hatten.“
Manieri: „Das stimmt. Nach einer Woche Regeneration haben wir in den letzten Tagen Spannung aufgebaut, um am Sonntag Vollgas geben zu können. Wir sind bereit.“

fcbayern.de: Im Hinspiel gegen Essen gab’s ein 0:0. Was für einen Gegner erwartet ihr am Sonntag?
Behringer: „Es wird wieder ein schweres Spiel werden. Essen wird uns nichts schenken. Ganz im Gegenteil: Die wollen die erste Mannschaft sein, die uns schlägt. Sie haben einige sehr aggressive Spielerinnen in ihren Reihen. Darauf müssen wir uns einstellen. Aber ich bin überzeugt, dass wir am Sonntag über 100 Prozent gehen - auch mit Hilfe der Zuschauer, die hoffentlich zahlreich kommen. Es wird ein guter Fight werden.“

fcbayern.de: Werdet ihr während des Spiels Informationen vom Spielstand in Frankfurt erhalten?
Behringer: „Ich gehe davon aus, dass wir keine Infos bekommen oder nur dann, wenn wir in Führung liegen.“
Manieri: „Das ist auch nicht so wichtig. Es ist besser, wenn wir uns auf unser Spiel konzentrieren. Erst mal müssen wir gewinnen.“

Bayern-Fans, aufgepasst! Für das Spiel gegen Essen gibt es ab sofort im ServiceCenter an der Säbener Straße ein begrenztes Kontingent an Freikarten. Es besteht auch die Möglichkeit, sich Freikarten an der Stadionkasse des Grünwalder Stadions hinterlegen zu lassen. Dazu einfach bis Freitag (6. Mai), 10:00 Uhr, eine Mail mit Vor- und Nachname an tickets@fcb-frauenfussball.de senden.

fcbayern.de: Die Ausgangssituation ist einmalig: Ihr könnt Meister werden, ihr könnt Zweiter werden, im schlimmsten Fall könntet ihr aber auch ungeschlagen die Saison auf Platz drei beenden. Wie groß ist der Druck?
Behringer: „Ich empfinde positiven Druck. Vor der Saison hat niemand erwartet, dass wir am Ende in der Tabelle so weit oben stehen würden. Darauf können wir jetzt schon stolz sein. Aber natürlich sind wir total ehrgeizig und wollen uns am Sonntag mit einem Sieg mindestens den Champions-League-Platz sichern. Wenn wir Dritter werden, wäre das immer noch stark, würde aber unserer Leistung in dieser Saison nicht gerecht werden.“

fcbayern.de: Raffaella, bleibst du dank deiner Meister-Erfahrung in der jetzigen Situation besonders cool?
Behringer: (lacht) „Sie ist sowieso immer cool.“
Manieri:
„Ich kann mit Druck auf jeden Fall gut umgehen. Wir haben seit letztem Sommer hart gearbeitet, um jetzt diese Situation zu haben. Wir hatten diesen Traum - und jetzt haben wir auch eine Chance.“

fcbayern.de: Letzten Sommer gab es einen großen Umbruch in der Mannschaft. Trotzdem spielt ihr eine klasse Saison. Was ist der Schlüssel dazu?
Behringer: „Dass es so gut lief, war nur über den tollen Teamspirit möglich. Erst recht, wenn man so viele Ausfälle hat, wie wir sie hatten. Kaum war man froh, dass zwei Verletzte zurückkamen, fielen zwei andere aus. Jede Spielerin hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt, der Trainer hat es richtig gut gemacht. Es macht total Spaß mit dieser Mannschaft.“
Manieri: „Wir sind in dieser Saison alle gewachsen. Der ganze Trainerstab hat richtig gute Arbeit geleistet. Und auch zu Melanie möchte ich etwas sagen: Sie ist unser Kapitän und war total wichtig für den Zusammenhalt in der Mannschaft. Sie ist auch ein Beispiel für die jungen Spielerinnen, was man erreichen kann, wenn man hart arbeitet.“
Behringer: (lacht) „Hör auf, Raffa. Das reicht schon.“

fcbayern.de: Jetzt musst du Raffa am Sonntag aber ein Tor auflegen...
Behringer: „Mindestens. Gerne auch zwei oder drei.“

fcbayern.de: Was passiert nach dem Spiel am Sonntag? Habt ihr eine Feier vorbereitet?
Manieri: „Darüber denke ich gar nicht nach. Das machen wir spontan.“
Behringer:
„Ich gehe schon davon aus, dass wir uns auf jeden Fall noch zusammensetzen werden. Wenn wir wirklich Meister werden, schaun wir mal...“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl.

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