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'Sekt mit Weißbier verdünnt'

50 Jahre Aufstieg! Werner Olk erinnert sich

Er war mittendrin, als der FC Bayern am 26. Juni 1965 den Aufstieg in die Bundesliga perfekt machte: Werner Olk. Der Abwehrspieler war damals 27 Jahre alt, bestritt jedes der sechs Aufstiegsspiele des FCB 1964/65 und übernahm ein paar Wochen später die Kapitänsbinde beim Bundesliga-Aufsteiger.

In 266 Pflichtspielen, darunter 144 Bundesliga-Partien, machte sich Olk beim FC Bayern zwischen 1960 und 1970 einen Namen als Adler von Giesing. „Den Namen hat mir unser Manager Robert Schwan gegeben, weil ich immer so akrobatisch in die Luftkämpfe gegangen bin“, erzählte der heute 77-Jährige. Den Gewinn der ersten Bundesliga-Meisterschaft 1969, den Triumph im Europapokal der Pokalsieger 1967 sowie die DFB-Pokal-Erfolge 1966, 1967 und 1969 erlebte er aktiv im FCB-Trikot.

Als „wichtigsten Erfolg meiner Karriere“ wertet Olk aber bis heute den Aufstieg 1965. „Darauf fußen bis heute alle anderen Erfolge.“ Im Gespräch mit fcbayern.de erinnert sich der Adler von Giesing an die Zeit vor 50 Jahren, als alles angefangen hat.

Werner Olk erinnert sich...

...an den Alltag als Fußballer:
„Nachdem wir den Aufstieg 1964 knapp verpasst hatten, mussten wir nur noch halbtags arbeiten. So hatten wir am Nachmittag frei fürs Training. Ich war Student der Wirtschafts- und Betriebstechnik. Wenn wir Samstagnachmittags ein Spiel hatten, war ich am Vormittag noch in der Vorlesung.“

...Trainer Tschik Cajkovski:
„Tschik war ein Laisser-faire-Mann, nach dem Motto: Geht’s raus und spielt’s Fußball. Im Training gab es viele spielerische Elemente, das war sehr gut für unsere vielen jungen Spieler. Zum Warmmachen haben wir zum Beispiel Basketball gespielt. Zum Vergleich: Branko Zebec hat uns zum Warmmachen um den Platz gejagt, bis du dachtest, dir platzt gleich die Brust. Bei Tschik haben wir viel gespielt. Wenn er mitgespielt hat, ging es so lange, bis sein Team gewonnen hatte.“

...die Rahmenbedingungen:
„Wenn es nass war, wurde der Ball immer schwerer. Schienbeinschoner gab es schon, mache hatten die vorne und hinten im Stutzen stecken. Wir hatten einen Schuhmachermeister, der an die Säbener Straße gekommen ist, um uns die Schuhe passgenau anzufertigen. Geputzt haben wir die Schuhe selber. Den Zeugwart hat damals die Stadt gestellt. Die Säbener Straße war ja noch eine städtische Anlage. Dort ab es ein kleines Häuschen mit zwei Kabinen, dahinter war eine Baracke. Wir hatten auch einen Doktor und einen Masseur. Der musste 20 und mehr Leute massieren. Da habe ich mal zu Bulle Roth gesagt: Du bist noch jung, du musst nicht massiert werden.“

...den verpassten Aufstieg 1964:
„Nach drei Spielen hatten wir zwei Auswärtssiege und 5:1 Punkte auf dem Konto. Da glaubten wir, wir hätten alles schon in der Tasche. Ich war damals gerade am Meniskus operiert worden, kam in die Sportschule Grünwald und habe gesehen, dass meine Jungs sehr, sehr locker waren. Es wurde mit Äpfeln und Tomaten geworfen. Da habe ich mir gedacht: Das kann noch in die Hose gehen. Und so kam es dann auch. Die nächsten zwei Spiele haben wir verloren - und der Aufstieg war vertan. Nach dieser Enttäuschung war es wichtig, die Mannschaft zusammenzuhalten. Das hat Robert Schwan geschafft.“

...die Aufstiegssaison 1964/65:
„In der Regionalliga haben wir uns bis zum Schluss ein Duell mit Reutlingen geliefert. Wir gewannen die Spiele 6:0, 7:0, 11:0. Am Ende hatten wir 146 Tore geschossen. Die Reutlinger gewannen ihre Spiele 1:0, 2:1, 1:0, 2:1 - die haben uns so richtig nervös gemacht. Am Ende gewannen wir aber in Reutlingen 3:0, wurden Meister und traten wieder in der Aufstiegsrunde an.“

...den Aufstieg:
„Wir sind souverän aufgestiegen. Im letzten Aufstiegsspiel in Berlin lief es wie geschmiert. 8:0! Am gleichen Tag sind wir nach München zurückgeflogen. Dort ging es zum Nockherberg. Wir waren richtig ausgelaugt. Wir haben mit Deinhart Lila, dem Lieblingssekt unseres Präsidenten Wilhelm Neudecker, angestoßen. Der Sekt wurde mit Weißbier verdünnt - und nach zwei, drei Bechern waren wir ganz schön erledigt.“

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