präsentiert von
Menü
Interview

Benatia: 'Es war ein großer Schritt'

24 Spiele, 2 Tore, 1 Titel - das sind die Zahlen von Medhi Benatia nach seiner Premierensaison beim FC Bayern. Mit 66,2 Prozent gewonnenen Zweikämpfen war der marokkanische Nationalverteidiger bester Zweikämpfer im FCB-Trikot. Der erste Meistertitel seiner Karriere war der verdiente Lohn nach einer Saison, die auf und neben dem Platz nicht einfach war, wie der 28-Jährige im Gespräch mit fcbayern.de erzählte. Benatias Saisonbilanz ist aber auf jeden Fall positiv: „Ich kann zufrieden sein.“

Das Interview mit Medhi Benatia:

fcbayern.de: Medhi, du hast in der zurückliegenden Saison deinen ersten Meistertitel gewonnen. Wie fühlt sich das an?
Benatia: „Es ist ein schönes Gefühl. Das ist mein erster Titel und ich bin ja zu Bayern gewechselt, um Titel zu gewinnen. Ich kann also zufrieden sein - auch wenn ich die ganze Saison über Verletzungsprobleme hatte und wir zumindest noch das DFB-Pokalfinale gerne erreicht hätten. Im Elfmeterschießen auszuscheiden, ist sehr, sehr schade. Trotzdem behalte ich die Saison - mit der tollen Meisterfeier im Stadion und auf dem Balkon zum Abschluss - in positiver Erinnerung.“

fcbayern.de: Auch in der Champions League war im Halbfinale Schluss.
Benatia: „Dieses Ausscheiden beschäftigt mich noch. Ich hätte so gerne das Endspiel in Berlin erreicht. Nach dem Halbfinal-Hinspiel in Barcelona war das aber sehr kompliziert. Leider. Denn ich bin auch nach München gekommen, um um den Champions-League-Titel mitzukämpfen.“

fcbayern.de: Wie groß war der Schritt von Rom nach München für dich?
Benatia: „Es war ein großer Schritt. Die Sprache, das Land, das Klima - alles ist anders. Deswegen war die Eingewöhnung für mich und meine Familie schwierig. Wir mussten uns an ein völlig anderes Leben gewöhnen. Auch andere Spieler hatten am Anfang diese Probleme, Franck Ribéry zum Beispiel - und haben sie gemeistert. Deswegen bin ich mir sicher, dass auch wir das schaffen werden. Inzwischen geht es ja auch schon viel besser.“

fcbayern.de: Wie groß ist der Unterschied zwischen Italien und Deutschland auf dem Fußballplatz?
Benatia: „In Italien ist das Spiel viel stärker von Taktik geprägt, das Tempo ist anders. In der Bundesliga geht es sehr schnell, man muss viel, viel laufen. Daran muss man sich gewöhnen. Und: Bei Bayern muss man jedes Spiel gewinnen. Sonst gibt es sofort Kritik in der Öffentlichkeit. Auch das kannte ich in diesem Ausmaß nicht.“

fcbayern.de: In deiner letzten Saison in Rom hast du für einen Verteidiger viele Tore erzielt (7). In deinem ersten Jahr in München waren es zwei. Ist diese Ausbeute ausbaufähig?
Benatia: „Bei Rom war ich meist derjenige, der bei Standardsituationen gesucht wurde. Deswegen hatte ich dort häufiger die Gelegenheit, ein Tor zu machen. Bei Bayern ist das anders. Hier gibt es neben mir noch andere starke Kopfballspieler: Jérôme Boateng, Bastian Schweinsteiger, Dante, Robert Lewandowski... Das ist aber überhaupt kein Problem für mich. Ich stelle mich ganz in den Dienst der Mannschaft. Gegen Barcelona und Augsburg habe ich ja getroffen, gegen Freiburg wurde mein Tor nicht anerkannt.“

fcbayern.de: Die Bundesliga und Bayern sind anders, Pep Guardiola aber auch. Worauf legt er besonders Wert?
Benatia: „Pep Guardiola ist ein Trainer, dem nicht nur das Ergebnis wichtig ist, sondern auch die Art und Weise, wie wir spielen. Er sieht es lieber, wenn wir 1:0 gewinnen und ein großes Spiel machen, als wenn wir durch drei Zufallstreffer 3:0 gewinnen. Er will das schöne Spiel. Speziell von uns Abwehrspielern erwartet er, dass wir immer sehr hoch stehen und viel am Spiel teilnehmen. In Italien sollen die Verteidiger verteidigen, bei Pep Guardiola sollen die Verteidiger verteidigen, aber auch mitspielen. Mir gefällt das.“

fcbayern.de: Wie hat dein Wechsel nach München die Wahrnehmung deiner Person in der Öffentlichkeit verändert?
Benatia: „Die Leute in meiner Heimat Marokko haben mich immer unterstützt und anerkannt, was ich auf dem Platz leiste - egal ob ich das Trikot von Udinese, Rom oder der Nationalmannschaft getragen habe. Mit dem Wechsel zu Bayern ist diese Unterstützung noch größer geworden. Ich denke, die Leute sind stolz darauf, einen Marokkaner bei so einem großen Klub und im Halbfinale der Champions League zu sehen.“

fcbayern.de: Du hast die Verletzungsprobleme schon angesprochen, die dich durch dein erstes Jahr begleitet haben. Hast du eine Erklärung dafür?
Benatia: „Ich tue alles dafür, um Verletzungen zu vermeiden. Denn verletzt zu sein, ist für jeden Fußballer eine Katastrophe. Es war einfach eine Saison, in der uns das Glück nicht gerade verfolgt hat. Mich nicht, aber auch die ganze Mannschaft nicht. Durch den späten Wechsel hatte ich im Sommer eine komplizierte Vorbereitung. Darüber hinaus bin ich schon etwas angeschlagen hierhergekommen. Bei meinem Debüt gegen Manchester City hatte ich Wadenprobleme. Dann hat der Rücken gezwickt. Im Winter erschwerten muskuläre Probleme meine Vorbereitung. Ich hoffe, dass ich diese Probleme in der neuen Saison abstellen, regelmäßig spielen und endlich meinen Rhythmus finden kann.“

fcbayern.de: Jetzt ist Urlaubszeit. Was wirst du machen?
Benatia: „Erst einmal fahre ich noch zur Nationalmannschaft. Wir haben ein wichtiges Spiel gegen Libyen. Danach werde ich die Zeit mit meiner Frau und meinen Kindern genießen. Wir hatten viele Spiele, waren viel unterwegs in dieser Saison. Alle drei Tage ging es in den Bus, in den Flieger, ins Hotel. Da bleibt nicht viel Zeit für die Familie. Doch das holen wir jetzt nach. Darauf freue ich mich.“

fcbayern.de: Treibst du Sport während des Urlaubs?
Benatia: „Ich spiele viel Tennis und Squash. Nichts zu tun, viel zu essen und mit fünf Kilo mehr auf den Rippen zurückzukommen, ist nichts für mich. Deswegen werde ich in Bewegung bleiben.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl.

Weitere Inhalte