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Comeback im Old Trafford

Zickler: 'Ich kriege heute noch eine Gänsehaut'

Fußballpause? Von wegen! Für die AllStars des FC Bayern steht am 14. Juni ein Riesenspiel auf dem Programm. Angeführt von Paul Breitner reisen Alexander Zickler, Roy Makaay, Jorginho, Mark van Bommel & Co. nach Manchester – und messen sich im Old Trafford mit den United Legends.

„Das wird ein tolles Erlebnis – für uns Spieler und die Zuschauer“, freut sich Zickler auf das Duell im Theater der Träume. Was Zico heute macht, wie er die Leistung des FC Bayern in dieser Saison einschätzt und wie er das irrste Meisterschaftsfinale der Bundesliga-Geschichte erlebte, verrät er im Interview mit fcbayern.de.

Das Interview mit Alexander Zickler

fcbayern.de: Hallo, Alex! Zunächst mal dürfen wir zum Jubiläum gratulieren: Du lebst jetzt seit zehn Jahren in Österreich. Fühlst du dich schon als Österreicher?
Zickler: „In diesem Jahr kann ich bei der Bürgermeisterwahl zum ersten Mal abstimmen - ich bin also gut integriert (lacht). Und ich habe eine österreichische Frau. Aber wenn Deutschland gegen Österreich spielt, sitzen wir auf getrennten Sofas.“

fcbayern.de: Du arbeitest bei RB Salzburg. In welcher Funktion?
Zickler:
„Ich bin Trainer der U14 und Co-Trainer der U15. Diese Doppelfunktion ist zeitaufwendig, macht aber viel Spaß. Zum Glück unterstützt mich meine Familie. Bei uns dreht sich vieles um Fußball, mein Sohn spielt auch bei RB. Wir versuchen aber immer wieder, andere Dinge zum Tagesthema zu machen.“

fcbayern.de: Und doch rückt das AllStar-Spiel in Manchester immer näher. Wie groß ist die Vorfreude auf das legendäre Old Trafford?
Zickler: „Es kribbelt schon! Zu Profi-Zeiten haben wir uns in Manchester richtig gute Duelle geliefert. Die Stimmung im Stadion ist unfassbar. Im letzten Sommer haben wir bereits in der Allianz Arena gegeneinander gespielt (3:3, d. Red.), deswegen erwarte ich ein richtig cooles Rückspiel. Das wird ein tolles Erlebnis – für uns Spieler und die Zuschauer.“

fcbayern.de:
Was macht dein Fitnesszustand?
Zickler: „Nach meinem Karriereende hatte ich ein paar Probleme. In den ersten zwei Jahren ohne Fußball habe ich einfach mal gelebt, an Weihnachten auch mal das Essen genossen. Als die Zahl auf der Waage dreistellig geworden ist, sagte ich mir: So geht es nicht weiter! Seitdem laufe ich regelmäßig. Jetzt habe ich ein richtig gutes Gewicht, bin fit und kann immer noch laufen. Das ist die Hauptsache.“

fcbayern.de: Bist du noch so schnell wie damals?
Zickler: „Fast! Ich habe nicht viel Geschwindigkeit verloren. Meine Mitspieler bei den AllStars oder bei unserem Montagskick in Salzburg spüren das auch. Sie freuen sich, wenn sie mit mir in einer Mannschaft sind.“ (lacht)

fcbayern.de: Wie ist es, mit den alten Kollegen zu kicken?
Zickler: „Es macht unfassbar viel Spaß! Ich freue mich über jede Einladung. Der Spaß steht im Vordergrund, aber je länger das Spiel dauert, desto mehr merkst du: Es stehen Profis auf dem Platz, die immer gewinnen wollen. Ansonsten freust du dich, die Jungs zu sehen und sie zu fragen, was bei ihnen so passiert ist. Das ist eine tolle Geschichte.“

fcbayern.de: Bis heute hast du die meisten Joker-Tore der Bundesliga-Geschichte geschossen (18, d. Red.). Befürchtest du, dass Paul Breitner dich erst in der zweiten Halbzeit bringt?
Zickler:
„Dann wäre er selbst schuld! (lacht) Im Ernst: Wenn es so wäre, hätte ich damit kein Problem. Ich habe schon früher immer mein Bestes gegeben, auch wenn ich erst später ins Spiel kam. Das ist auch eine Qualität. Der Trainer wusste: Wenn der kommt, kann er was bewegen.“

fcbayern.de: Wir müssen natürlich kurz über das Duell mit United im Champions-League-Finale 1999 reden. Mit welchen Gefühlen blickst du heute, 16 Jahre später, auf diesen späten K.o. zurück?
Zickler: „Das war einer der bittersten Momente, die du als Sportler erleben kannst. Wir waren so nah dran! Leider haben wir das Spiel in der Nachspielzeit aus der Hand gegeben. Aber wir sind nach dem Spiel noch mal enger zusammengerückt…“

fcbayern.de: … und habt zwei Jahre später doch den Titel geholt. Hat erst der Sieg 2001 den Schmerz von 1999 getilgt?
Zickler: „Du kannst eine solche Niederlage einfacher verarbeiten, wenn du ein zweites Mal ins Finale kommst und es gewinnst. Aber: Sowas kannst du nicht planen, dazu gehört auch das nötige Glück. Wir haben es uns damals erarbeitet. Jeder wollte diesen Titel holen.“

fcbayern.de: War das der schönste Erfolg deiner Karriere?
Zickler: „Es war einer der schönsten; mehr kannst du im Vereinsfußball nicht erreichen! Mein persönlich größter Erfolg war aber ein anderer. Ich war verletzt, konnte zwei Jahre nicht spielen und wurde schon abgeschrieben. Trotzdem bin ich zurückgekommen. Das war eine Riesengeschichte! Auch die Zeit in Salzburg hat mich geprägt.“

fcbayern.de:
Dein wichtigstes und schönstes Tor für den FCB hast du am 33. Spieltag der Saison 2000/01 geschossen. Es war das 2:1 gegen Kaiserslautern in der 90. Minute, das Olympiastadion kochte über…
Zickler: „Die Konstellation war verrückt! Am 32. Spieltag hatten wir spät in Leverkusen gewonnen. Am 33. Spieltag habe ich praktisch in letzter Sekunde gegen Kaiserslautern getroffen, und zeitgleich geriet unser Konkurrent Schalke beim VfB Stuttgart in Rückstand. Und der letzte Spieltag mit dieser 94. Minute…  In diesen Wochen warst du vom Kopf her am Limit. Danach war ich fertig.“

fcbayern.de: Noch mal zurück zu deinem Tor. Wie hast du diese Momente erlebt?
Zickler: „Ich mache mich warm, die Minuten vergehen. In der 87. Minute kriege ich das Zeichen: „Du kommst jetzt rein!“ Ich versuche sofort, die Bindung zum Spiel zu bekommen. Dann fahren wir diesen Konter. Ich ziehe von links nach innen, versuche, abzuschließen. Der Ball wird abgeblockt und ist oben in der Luft. Ich konzentriere mich nur auf den Ball und gehe volles Risiko. Der Ball hätte über das Stadion fliegen können – auch wenn das schwierig ist im Olympiastadion (lacht). Aber ich habe ihn optimal getroffen!“

'Wir haben versucht, Unruhe zu stiften'

fcbayern.de: Und der Wahnsinn war noch nicht vorbei…
Zickler: „Ich lag jubelnd auf dem Rasen, die ganze Mannschaft auf mir. Plötzlich kam Markus Hörwick und sagte: Stuttgart führt 1:0 gegen Schalke! Es war unfassbar. Ich kriege heute noch eine Gänsehaut, wenn ich das erzähle. Das waren unbeschreibliche Momente!“

fcbayern.de: Am letzten Spieltag genügte in Hamburg ein Remis zum Titel. Doch der HSV ging in der 90. Minute in Führung…
Zickler: „Der einzige Spieler, der nach diesem Gegentor noch zu 100 Prozent an den Titel geglaubt hat, war Oliver Kahn. Er hat uns innerhalb von zehn Sekunden vermittelt: Jungs, da geht noch was! Es ging ein Ruck durch die Mannschaft.“

fcbayern.de: Dann kam der Freistoß von Patrik Andersson in der 94. Minute. Der Ball konnte doch eigentlich nicht reingehen!
Zickler: „Es hat zunächst ewig gedauert, bis der Freistoß freigegeben war – bestimmt anderthalb oder zwei Minuten. Wir haben versucht, Unruhe zu stiften, für Unordnung zu sorgen. Das Motto war: Einfach nur das Tor treffen, irgendwo die Lücke finden. Und dann zappelte das Ding im Netz! Wahnsinn. Uns war klar: Da passiert jetzt nichts mehr!“

fcbayern.de: War dieser Triumph wegweisend für das Champions-League-Finale wenige Tage später in Mailand?
Zickler: „Wenn wir das Ding in Hamburg verloren hätten, hätte der Trainer richtig Aufbauarbeit leisten müssen. Insofern war es schon wichtig, die Euphorie mitzunehmen.“

fcbayern.de: 2015 hat der FC Bayern die Schale erheblich früher gewonnen – und das trotz Weltmeisterschafts-Nachwehen.
Zickler: „Eine enorme Leistung! Bei der WM waren viele Bayern dabei, die bis zum Ende um den Titel gespielt haben. Nach dem Turnier konnten die Spieler kaum regenerieren. Später kamen noch Verletzungssorgen, die Dreifachbelastung und weitere Länderspiele dazu. Die Mannschaft hat das super gelöst.“

fcbayern.de: Wie sehr fieberst du noch mit?
Zickler: „Durch meinen Beruf kann ich nicht so oft in München sein, aber ich verfolge die Spiele am Fernseher – genau wie mein Sohn, der ist absoluter Bayern-Fan. Und was mich angeht… Ich bin immer noch mit dem Herzen dabei.“

Das Interview führte: Marco Donato

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