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Frauen-Neuzugang im Interview

Vero Boquete über 'eine perfekte Verbindung'

Sie hat in den USA, in Schweden und in Deutschland gespielt. Sie ist Spielführerin der spanischen Nationalmannschaft. Sie hat vor ein paar Monaten die Champions League gewonnen. Sie ist nominiert als Europas Fußballerin des Jahres. Jetzt trägt Verónica Boquete das Trikot des FC Bayern.

Die 28 Jahre alte Mittelfeldspielerin aus Santiago de Compostela wechselte zu Saisonbeginn vom 1. FFC Frankfurt nach München, um „Teil von etwas Großem“ zu werden, wie sie fcbayern.de erzählte. Im Interview sprach Boquete, die aktuell noch von einer kleinen Muskelverletzung ausgebremst wird, über ihre ersten Tage beim FC Bayern, ein Treffen mit Pep Guardiola und ihre Ziele in München.

Das Interview mit Vero Boquete:

fcbayern.de: Vero, willkommen beim FC Bayern! Wie war deine erste Woche in München?
Boquete: „Danke. Sehr schön. Ich war schon ein bisschen aufgeregt, nach München und zu Bayern zu kommen - und fühle mich jetzt total willkommen. Alles ist so unbeschwert und gleichzeitig so professionell. Die Qualität im Training ist richtig hoch. Nur die Verletzung hält mich noch ein bisschen auf. Aber ich hoffe, dass ich nächste Woche endlich loslegen kann.“

fcbayern.de: Kanntest du vorher schon jemanden aus der Mannschaft?
Boquete: „Nur Torhüterin Tinja-Riikka Korpela. Wir haben zusammen in Schweden bei Tyresö gespielt. Die anderen kenne ich nur aus den Spielen in der Bundesliga. Aber die Integration läuft super. Jeder hilft mir, jeder spricht englisch. Die Mannschaft macht es mir wirklich sehr einfach.“

fcbayern.de: Und wie ist dein erster Eindruck von Trainer Thomas Wörle?
Boquete: „Er ist einer der wichtigsten Gründe, weswegen ich nach München gekommen bin. Ich hatte mehrere Gespräche mit ihm, danach wusste ich: Ich will zu Bayern! Es war eine einfache Entscheidung.“

fcbayern.de: Was hat er dir denn gesagt?
Boquete: „Er hat mir gesagt: Wenn du in einem fertigen Team spielen willst, wenn du die Sicherheit haben willst, Titel zu gewinnen, dann ist Bayern München nicht dein Klub. Aber wenn du Teil von etwas Großem werden willst, wenn du hohe Intensität und Inspiration suchst, wenn du dich weiter verbessern willst, wenn du gemeinsam um etwas kämpfen willst, dann ist Bayern München dein Klub. Diese zweite Option habe ich gewählt. Thomas besitzt so viel Energie, sein Training ist so fordernd. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihm.“

fcbayern.de: Anfang der Woche hast du einen anderen Trainer an der Säbener Straße getroffen: Pep Guardiola.
Boquete: „Das war toll! Wir haben gemeinsame Freunde, hatten uns aber noch nie getroffen. Wir haben uns ein bisschen unterhalten und Fotos gemacht. Er hat mir seine Hilfe angeboten, wenn ich etwas brauche. Auch Thiago und Javi Martínez waren total freundlich und haben mich willkommen geheißen.“

fcbayern.de: Hattest du bei deiner Entscheidung für Bayern im Hinterkopf, dass du an der Säbener Straße auf Pep Guardiola treffen würdest?
Boquete: „Pep war nicht der Grund, weswegen ich mich für Bayern entschieden habe. Es ist nur ein Extra obendrauf. Ich liebe Fußball und bei Bayern kann ich beobachten, wie Pep auf dem Trainingsplatz arbeitet. Das ist unbezahlbar!“

fcbayern.de: Welche Qualitäten kannst du in die Mannschaft einbringen?
Boquete: „Ich bin eine kreative Spielerin, will den Ball am Fuß haben. Ich hoffe, ich kann dem Team noch mehr Ballsicherheit geben und Tore vorbereiten. Und ich bringe viel Erfahrung aus den besten Ligen der Welt mit. Ich denke, ich kann dem Team helfen, sich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass auch ich als Spielerin noch weiter wachsen kann. Ich werde mein Bestes geben. “

fcbayern.de: Wie beurteilst du die Chancen auf die Titelverteidigung?
Boquete: „Jedes Spiel wird noch schwerer sein als letzte Saison. Jeder Gegner wird noch mehr fokussiert sein und darauf brennen, den Meister zu schlagen. Aber wir haben in der Mannschaft eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielerinnen. Das ist eine gute Voraussetzung, um noch einen Schritt zu machen und dem Druck standzuhalten.“

fcbayern.de: Du hast einmal erzählt, dass du für jeden Titelgewinn einen Teil des Jakobwegs gehst. Warst du nach dem Champions-League-Titel im Sommer schon auf Wanderschaft?
Boquete: „Noch nicht. Nach der Weltmeisterschaft hatte ich keine Zeit dazu. Aber ich plane, das in der Winterpause zu machen. Und ich hoffe, dass ich nächsten Sommer noch weitere Teile des Wegs gehen muss.“

fcbayern.de: Du bist eine von zwölf Spielerinnen, die von der UEFA nominiert wurden als Beste Spielerin in Europa 2014/15. Wie siehst du deine Chancen?
Boquete: „Es ist unglaublich, auch weil ich im dritten Jahr in Folge nominiert wurde. Allein auf dieser Liste zu stehen, ist schon eine Riesenehre. Es freut mich, aber ich habe keine Erwartungen, keine schlaflosen Nächte. Ich arbeite ja nicht für individuelle Auszeichnungen, sondern für Mannschaftserfolge. Ich sehe diese Nominierung eher als eine große Motivation. Sie sagt mir, dass ich in der Vergangenheit gut gearbeitet habe - und das will ich auch weiterhin, am liebsten sogar noch eine Schippe drauflegen.“

fcbayern.de: Du hast unter anderem in Schweden und in den USA gespielt. Wie siehst du den Frauenfußball in Deutschland?
Boquete: „Die Bundesliga ist zurzeit die beste und schwerste Liga der Welt. Es gibt vier Teams, die um den Titel kämpfen, aber auch die übrigen Mannschaften haben ein gutes Niveau. Taktisch und physisch ist das Level richtig hoch.“

fcbayern.de: In einer TV-Dokumentation hat dein Bruder Adrían gesagt: „Veronica will bei Allem immer gewinnen.“
Boquete: (lacht) „Er weiß das besser als jeder andere. Er ist drei Jahre älter als ich. Und als wir Kinder waren, wollte ich ihn immer übertrumpfen. Mein Motto ist: Träume, um zu leben! Lebe, um zu spielen! Spiele, um zu gewinnen!“

fcbayern.de: Eine solche Siegermentalität wird auch dem FC Bayern nachgesagt.
Boquete:
(lacht) „Wahrscheinlich bin ich deswegen hier. Das könnte eine perfekte Verbindung werden.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl.

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