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Niklas Dorsch

Der Weg zurück - Comeback eines 17-Jährigen

Endlich kann er den Ball wieder zwischen die Füße nehmen. Dreimal rechts, dreimal links lässt er das Leder springen. Das Lächeln auf seinen Lippen ist dabei unverkennbar. Nach knapp vier langen und quälenden Monaten ist Niklas Dorsch fast schon wieder der Alte. Niklas gilt als eines der hoffnungsvollsten Talente des deutschen Fußballs.

Vor einigen Wochen wurde der 17-jährige Nachwuchskicker des FC Bayern vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit der Fritz-Walter-Medaille in Silber für seinen Jahrgang ausgezeichnet. Doch zuletzt waren Gewichte und Laufschuhe seine täglichen Begleiter, nicht der Ball. Im Kraftraum schuftet Niklas nach einem Wadenbeinbruch für sein Comeback. Bald darf er endlich auch wieder mit seinen Kollegen auf den Platz.

Zum Zuschauen gezwungen

Die Narbe an seinem linken Bein erinnert an den 6. Mai. Im ersten Spiel der U17-Europameisterschaft gegen Belgien lief es richtig gut, bis zu dieser 60. Minute. Niklas schaut sich das Video der Szene nochmal an, das Lächeln auf seinen Lippen verschwindet. Nach einem Zweikampf bleibt er liegen, muss ausgewechselt werden. Einen Tag später dann die bittere Diagnose: Wadenbeinbruch – EM-Traum zerplatzt. „Die ersten Tage waren schon extrem hart“, blickt der Nachwuchskicker des FC Bayern zurück.

Niklas ist zum Zuschauen gezwungen, während sich seine Kollegen der Nationalmannschaft bis ins Finale vorspielen. „Wir hatten gemeinsam diesen Traum vom Titel“, erinnert sich Niklas. Im entscheidenden Spiel gegen Frankreich fehlt „einer unserer Schlüsselspieler“, wie DFB-Trainer Christian Wück den zentralen Mittelfeldspieler bezeichnet. Deutschland verliert deutlich mit 1:4. Niklas ist zu diesem Zeitpunkt schon wieder in der Heimat.

Drei Tage nach dem ersten großen Schock seiner jungen Karriere steht die Operation in Tübingen an. Sechs Wochen lang muss Niklas einen Vakuumschuh tragen, darf den Fuß nicht belasten. Das Reha-Programm absolviert er zunächst in Bad Staffelstein, in der Nähe seiner Heimat Baiersdorf. Ende Juli kehrt der Nachwuchsspieler zurück nach München.

Mit 14 ins Jugendhaus des FCB

Hier, in der bayerischen Landeshauptstadt, spielt Niklas seit Sommer 2012 für den FC Bayern. Mit 14 Jahren wechselt er vom 1. FC Nürnberg zum FCB. Dort zieht er ins Jugendhaus am Trainingsgelände an der Säbener Straße. Der Tagesablauf ist klar strukturiert: Schule, Training, Hausaufgaben, schlafen. Morgens weckt Betreuerin Gertrud Wanke „ihre Jungs“, sie ist quasi die Ersatz-Mutter für die Spieler, die bereits in jungen Jahren ihr gewohntes Umfeld verlassen, um dem Traum vom Profifußballer ein Stück näher zu kommen, so wie Niklas.

Beim deutschen Rekordmeister durchläuft ‚Dorschi‘, wie sie ihn im Verein alle nennen, die Teams der U15-, U16- und U17-Junioren. Im Sommer 2014 macht er seinen Realschulabschluss. Ein Jahr später beendet er die Fachoberschule, um sich fortan voll und ganz auf seinen großen Traum zu konzentrieren.

Beim FC Bayern wird er von Beginn an gefördert, entwickelt sich stetig weiter. Im November 2012 schafft Niklas erstmals den Sprung in eine Nachwuchsauswahl des DFB. Gegen Südkorea trägt der damals 14-Jährige bei der U15-Nationalmannschaft den Adler auf der Brust. Später schafft er es auch in die U17-Nationalmannschaft. Seine bislang letzte Partie für die DFB-Elf war das Spiel am 6. Mai.

'Niklas ist ein außergewöhnliches Talent'

Knapp vier Monate sind seither vergangen, vier Monate radeln, Gewichte stemmen, laufen und vor allem, vier Monate ohne Ball. Jetzt darf er das runde Leder wieder auf den Füßen balancieren. Aktuell trainiert Niklas noch mit den Fitnesstrainern des FCB. Im täglichen Training ist auch endlich der Ball wieder dabei.

In absehbarer Zeit wird Niklas ins Mannschaftstraining einsteigen können. Dann trainiert er mit den Amateuren des FC Bayern. In der neuen Saison ist er bereits für deren Kader nominiert, obwohl er eigentlich noch zwei Jahre für die U19 spielen könnte. „Niklas ist ein außergewöhnliches Talent. Ich freue mich ganz besonders auf das Training, wenn er zum ersten Mal wieder auf dem Platz steht“, meint Heiko Vogel, sportlicher Leiter des junior teams und Trainer der Amateure.

Auch Niklas ist Feuer und Flamme: „Man merkt die Fortschritte im Training. Ich freue mich einfach riesig darauf, bald mit der Mannschaft trainieren zu dürfen.“ Aktuell trainiert er allerdings noch individuell. Krafteinheiten, Stabilisations- und Koordinationsübungen stehen auf der Tagesordnung. Der Ball darf dabei natürlich nicht fehlen, zur großen Freude von Niklas.

Alles geben für den großen Traum

Nach dem Training sitzt der Nachwuchskicker auf einer Bank der Kantine des FC Bayern an der Säbener Straße. Er erzählt von seinem großen Traum, den er schon seit Kindesbeinen lebt. Das linke Bein hat er dabei neben sich auf die Bank gestellt. Langsam fährt er mit der linken Hand über die knapp 15 Zentimeter lange Narbe, die ihm von der Operation am 9. Mai geblieben ist.

„Today I will do what others won’t, so tomorrow I can do what others can’t.” Seit einigen Wochen ziert dieser Spruch den linken Unterarm von Niklas. Es ist sein Lebensmotto, das er sich nach der schweren Verletzung unter die Haut hat stechen lassen. „Ich verzichte auf viele Dinge, die andere Jugendliche in meinem Alter tun. Gehe zum Beispiel trainieren statt feiern“, erzählt der 17-Jährige. Auch die letzten vier Monate hätten nicht wenige verzweifeln lassen und zur Aufgabe gezwungen, nicht aber Niklas. Er kämpft weiter für den großen Traum einer Profikarriere.

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