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Interview

Alonso: 'Es war ein guter Start, nicht mehr'

Die Nationalspieler sind ausgeflogen, im Training an der Säbener Straße war in den letzten Tagen aber immer noch genügend Länderspielerfahrung auf dem Platz. Wegen Philipp Lahm und wegen Xabi Alonso (beide 113 Länderspiele). Letzterer sprach im Interview mit fcbayern.de über seine Talente abseits des Rasens, sein erstes Jahr im FCB-Trikot und sein „großes, großes Ziel“ in der Champions League.

Das Interview mit Xabi Alonso:

fcbayern.de: Xabi, auf deinem Twitter-Profil geht es nicht nur um Fußball, sondern auch um Filme und Musik.
Alonso: „Klar interessiere ich mich auch noch für andere Sachen als Fußball. Ich habe mir schon immer gerne Filme und TV-Serien angesehen. Auch Musik höre ich sehr gerne, obwohl ich zuletzt nicht so oft dazu kam, Konzerte zu besuchen.“

fcbayern.de: Spielst du selbst ein Instrument?
Alonso: „In der Schule habe ich ein bisschen Gitarre gelernt, musste aber einsehen: Ich habe andere Talente...“ (lacht)

fcbayern.de: Wenn du eine Fußballmannschaft mit einer Band vergleichst, wo wäre dein Platz?
Alonso: „Wahrscheinlich am Schlagzeug. Ich würde im Hintergrund den Rhythmus vorgeben. Das Rampenlicht gehört den anderen, den Sängern bzw. den Stürmern, wenn wir bei dem Vergleich bleiben wollen.“

fcbayern.de: Und im Film-Geschäft? Wo wäre da dein Platz?
Alonso: „Da sehe ich mich hinter der Kamera, vielleicht als Regisseur.“

fcbayern.de: Auf dem Rasen hattest du im letzten Bundesligaspiel gegen Leverkusen eine besondere Rolle...
Alonso: „Wir mussten ohne Jérôme (Boateng, d. Red.) und Medhi (Benatia) spielen. Da hat der Trainer entschieden, dass ich zwei Positionen auf einmal spielen soll: in der Rückwärtsbewegung Innenverteidiger, in der Vorwärtsbewegung vor der Abwehrkette. Ich hatte ein gutes Gefühl damit und bin wirklich zufrieden, wie wir alle es gelöst haben. Wir haben 3:0 gewonnen gegen eine sehr gute Mannschaft. Und wir hätten noch mehr Tore schießen können.“

fcbayern.de: Für Pep Guardiola ist Flexibilität sehr wichtig. Wie fordernd ist die Arbeit mit ihm für den Kopf?
Alonso: „Bei allen meinen Klubs habe ich mir immer Gedanken über Fußball gemacht. Über die verschiedenen Philosophien. Über Dinge, die gut laufen, und Dinge, die weniger gut laufen. So habe ich im Laufe der Jahre viel gelernt, auch im letzten Jahr unter Pep. Er macht sich sehr viele Gedanken über Fußball, über jedes kleine Detail. Damit alle Rädchen im Spiel so gut wie möglich ineinandergreifen. Dadurch lernen wir Spieler alle. Und das ist es, was ich will: lernen.“

fcbayern.de: Wie hat dieser Lernprozess euer Spiel in der neuen Saison verändert?
Alonso: „Es geht immer darum, sich weiter zu verbessern. Aber ich würde nicht sagen, dass sich unser Spiel groß verändert hat. Natürlich sind Spieler gekommen und Spieler gegangen. Aber wichtig ist, dass es bei Bayern ein starkes, deutsches Fundament gibt. Ausländischen Spieler wie ich müssen das annehmen und verstehen, was es heißt, für Bayern München zu spielen.“

fcbayern.de: Wie war es für dich, dieses Bayern-Gen anzunehmen?
Alonso: „Neuer Klub, neue Mannschaft, neues Land, neue Sprache - es war ein intensives erstes Jahr, aber kein schwieriges. Ich habe mich vom ersten Tag an wohlgefühlt. Auch jetzt haben sich die neuen Spieler schon wieder sehr gut integriert.“

fcbayern.de: Douglas Costa zum Beispiel.
Alonso: „Ja. Solche Spieler wie Douglas brauchen wir. Wir versuchen als Team, die Partie zu kontrollieren und so eine Basis für die Spieler zu schaffen, die diesen Funken, diese besonderen individuellen Aktionen in der Offensive haben. Douglas spielt fantastisch bisher. Auch Arturo (Vidal, d. Red.). Er hat sehr schnell verstanden, wie unser Spiel funktioniert. Für den Moment können wir zufrieden sein. Aber wir sind noch am Anfang. Es war ein guter Start, nicht mehr.“

fcbayern.de: Du spielst jetzt seit einem Jahr in der Bundesliga. Welche Auswirkungen hatte die Bundesliga auf dein Spiel?
Alonso: „Die Bundesliga ist sehr intensiv. Die Gegner sind sehr aggressiv, physisch stark und lassen einem kaum Zeit zum Denken. Wenn man nicht auf Toplevel spielt, bekommt man Probleme. Diese Herausforderung spornt mich in der neuen Saison an, genauso wie die zwei knapp verpassten Endspiele.“

fcbayern.de: Nach der Länderspielpause rollt der Ball auch in der Champions League wieder. Du gehst zum 13. Mal in der Königsklasse an den Start. Spürst du noch dieses Kribbeln, dieses besondere Champions-League-Gefühl?
Alonso: „Natürlich. Bundesliga ist Alltag, hier geht es um Kontinuität. Champions League ist der Wettbewerb zum Glänzen. Hier willst du dich bestmöglich präsentieren. Für mich persönlich ist die Champions League etwas ganz Besonderes. Denn ich habe den Titel mit Liverpool und mit Madrid gewonnen - und möchte ihn auch mit Bayern unbedingt holen. Das ist mein großes, großes Ziel.“

fcbayern.de: Zum Auftakt geht es nach Piräus. Hast du dort schon einmal gespielt?
Alonso: „Ja, mit Liverpool und Real Sociedad. Dort ist es immer schwierig. Die Atmosphäre im Stadion ist sehr intensiv, Piräus geht gegen Topteams immer hochmotiviert zu Werke. Darauf müssen wir vorbereitet sein, denn wir wollen mit einem Sieg starten.“

fcbayern.de: Du bist 33 Jahre alt, machst du dir schon Gedanken über die Karriere nach der Karriere?
Alonso: „Darüber denke ich schon nach. Früher oder später kommt das ja auf mich zu. Aber ich weiß noch nicht, was ich machen werde.“

fcbayern.de: Wirst du dem Fußball erhalten bleiben? Oder es doch nochmal mit der Gitarre versuchen?
Alonso: „Das mit Sicherheit nicht. (lacht) Ich werde mir erst einmal Zeit nehmen, um in Ruhe eine Entscheidung zu treffen, hinter der ich zu hundert Prozent stehe. Aber das ist nichts, was mich unruhig schlafen lässt. Das hat noch Zeit. Jetzt zählt erst einmal nur diese Saison.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl.

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