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'Können dadurch nur reifen'

FCB-Frauen zwischen Tränen und Stolz

Zehn Minuten nach dem Schlusspfiff musste auch das altehrwürdige Grünwalder Stadion einmal durchschnaufen. Die Tribünen waren schon fast leer, die Mannschaften hatten sich in ihre Kabinen zurückgezogen und in den Katakomben herrschte für einen Moment einfach nur Stille. Dann ein gedämpfter Jubelschrei - leider aus dem Gästebereich. Twente Enschede feierte das Erreichen des Champions-League-Achtelfinals. Im Gang gegenüber, in der Kabine der FCB-Frauen, flossen die Tränen.

„Das ist bitter. Das tut den Mädels unheimlich weh, mir auch“, sagte Trainer Thomas Wörle nach dem 2:2 (1:1) am Mittwochabend im Rückspiel gegen den holländischen Pokalsieger, der aufgrund eines mehr erzielten Auswärtstores in die nächste Runde einzog. Das Hinspiel vor einer Woche hatte 1:1 geendet. „Die Enttäuschung ist riesig“, berichtete Spielführerin Melanie Behringer. „Man kann es noch gar nicht richtig fassen, dass man jetzt raus ist aus der Königsklasse“, sagte Melanie Leupolz.

20:4 Schüsse im Rückspiel, 40:12 Schüsse in beiden Vergleichen - diese Statistik belegt die Überlegenheit der Münchnerinnen, die allerdings in einem entscheidenden Punkt den Holländerinnen unterlegen waren: in der Chancenverwertung. „Meine Mannschaft hätte es verdient gehabt, weiterzukommen. Sie war in beiden Spielen die bessere Mannschaft, hat sich Chancen in Hülle und Fülle erarbeitet. Da müssen wir effizienter sein“, stellte Wörle fest.

Noch ohne Saisonniederlage

Im nasskalten Grünwalder Stadion nutzten die Gäste in Person von Jill Roord (13. Minute) und Maud Roetgering (56./Handelfmeter) fast jede ihrer Möglichkeiten und gingen zweimal in Führung. Die Bayern bestimmten die Partie, ließen den Ball immer wieder sehenswert laufen, doch Treffer durch Kristina Erman (29./Eigentor) sowie Melanie Behringer (78./Foulelfmeter) waren zu wenig. Am Ende blieben die Münchnerinnen auch im achten Pflichtspiel der Saison ungeschlagen - und mussten sich dennoch aus der Champions League verabschieden.

Dabei hatten sich die Bayern viel mehr vorgenommen für ihre Rückkehr in die Königsklasse nach sechs Jahren. „Wir wollten weit kommen“, ärgerte sich Behringer, „jeder war total heiß auf das Spiel. Wir waren uns sicher, dass wir das schaffen.“ Doch das Abenteuer Champions League ist vorbei. „Es war eine tolle Bühne, etwas ganz Besonderes. Da wollen die Mädels wieder hin. Und deswegen ist die Enttäuschung gerade so groß“, berichtete Wörle.

'In der Liga Gas geben'

Dennoch: Der FCB-Chefcoach machte seiner Mannschaft „ein Riesenkompliment. Sie hat unheimliche Moral und Mentalität bewiesen. Sie hat beide Spiele dominiert. Sensationell, was wir wieder abgeliefert haben.“ Man dürfe nicht vergessen, dass sechs Spielerinnen fehlten, betonte Wörle. „Sie fehlen uns wirklich. Doch die Mannschaft steckt das seit Monaten großartig weg.“

Deswegen ist das Motto: Kopf hoch! „Wir müssen diese bittere Pille schlucken und daraus lernen. Diese Erfahrung hilft uns, wieder ein Stück stärker zu werden. Wir können als Mannschaft dadurch nur reifen“, meinte Wörle. Seine Mannschaft brauche „Zeit, um sich auf dem Niveau Champions League weiterzuentwickeln. Twente hat uns diese Erfahrung voraus.“

Viel Zeit zum Hadern und Trauern bleibt den Bayern sowieso nicht. Schon am Sonntag (14 Uhr) steht gegen den SC Freiburg die nächste schwere Aufgabe in der Allianz Frauen-Bundesliga auf dem Programm. „Jeder will nächstes Jahr wieder in der Champions League spielen. Deswegen müssen wir in der Liga Gas geben. Das weiß jeder“, meinte Behringer, „wir greifen wieder an.“ 15 Minuten nach dem Schlusspfiff hatte in den Katakomben des Grünwalder Stadions der Verarbeitungsprozess begonnen.

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